Moers 2030
13.11.2009 | 17:28 Uhr 2009-11-13T17:28:00+0100So bleibt Moers liebens- und lebenswert. Ein Video-Bericht zur Podiumsdiskussion "Moers 2030" im Eurotec-Gebäude..
„Die Zukunft hat gestern schon begonnen. Was tun wir dazu, dass die Stadt Moers lebens- und liebenswert bleibt”, hatte Elke Talhorst als Vorsitzende des Initiativkreises Moers zum Beginn der Podiumsdiskussion „Moers 2030” im Eurotec-Gebäude (wir berichteten) gefragt.
Zugleich kündigte sie an, dass nach Befragung der Bürgerschaft zu diesem Thema eine Zukunftswerkstatt eingerichtet werde. Zwar habe die Stadt den nach dem Wegbrechen des Bergbaus unausweichlichen Strukturwandel gut bewältigt, attestierte Giovanni Malaponti als Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse am Niederrhein. Doch ausruhen könne sich die örtliche, nun durch Einzelhandel und Mittelstand geprägte Wirtschaft nicht. Auch die Sparkasse müsse auf den demographischen Wandel reagieren - beispielsweise durch ein Angebot an Senioren, die mit ihrer Rente dauerhaft den Verbleib in der eigenen Immobilie nicht bezahlen könnten. Ihnen werde vom Kreditinstitut ein monatliches Rentenangebot unterbreitet, das allerdings zu Lasten der Immobilie gehe.
Fördermittel nicht links liegen lassen
Anliegen der Älteren ist, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Heinz-Dieter Holzum (Seniorenbeirat) forderte ebenso wie Arno Stecheisen, dass auch in genossenschaftlichen Siedlungen vermehrt altersgerechter Wohnraum geschaffen werden müsse. Letzlich werde durch die geschaffene Barrierefreiheit die Miete um 20 Cent pro Quadratmeter steigen, was bezahlbar sein sollte. Die Stadt müsse zudem die Wohnraumberatung für alte Menschen intensivieren und dafür sorgen, dass haushaltsnahe Dienste preiswert angeboten werden.
Architekt Jochen Bellinger merkte an, dass im Wohnungsbau die öffentliche Förderung „fast aus den Köpfen verschwunden” sei. Es gebe in NRW große Töpfe, aus denen die Mittel einfach nicht abgerufen würden. Bei Neubaumaßnahmen sei die Standortqualität von herausragender Bedeutung für die Frage, ob diese von alten Menschen angenommen würden. Er riet hier zur Wohnraumverdichtung im Moerser Zentrum und zu neuen Wohnformen.
Familieneinkommen müssen steigen
„Das Geld ist rar, die Zinsen sinken, dagegen steigt der Preis des Schinken”, zitierten Katja Stockhausen und Patrick Dollas vom Stadttheater Moers Wilhelm Busch in der Pause, als sich die Gäste bei Flammkuchen von Jörg Zimmer (der Erlös kommt dem Verein „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut!” zu) und Wein stärkten. Knapp ist das Geld auch bei denen, deren Familieneinkommen klein ist. Darauf verwies Gudrun Tersteegen vom Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Moers. Fakt sei, dass in Familien von Hartz-IV-Empfängern monatlich 215 Euro für ein Kind zur Verfügung stünden. Allein 120 Euro koste der Schulbesuch. Tersteegen: „Ärmere Kinder haben da viermal schlechtere Chancen, an ein Gymnasium zu kommen.” Die Wirtschaft fordere jedoch hochqualifizierten Nachwuchs.
Dass sich hier eine gefährliche Schere auftut, verdeutlichte Jan Dieren (Gymnasiast des Adolfinums). Massive Kritik kam hier aus dem Plenum an der zu befürchtenden Verlagerung des Mercator Berufskollegs, und es wurde auch angesprochen, dass selbst die Mittelschicht massive Probleme habe, wenn es darum gehe, dass der Nachwuchs den Schritt ins Berufsleben tue.
Gudrun Tersteegen sprach den Zuhörern aus dem Herzen als sie sagte: „Wenn beide Eltern arbeiten, und es reicht trotzdem nicht, um die zwei Kinder auf jährliche Klassenfahrt zu schicken, läuft etwas falsch.” Da sei es auch keine Lösung, wenn der Verein Klartext die Kosten übernehme. Sprich: Die Löhne müssen rauf. Ansonsten werden in 2030 weit mehr Menschen vor einem massiven Armutsproblem und der bitteren Erkenntnis stehen, dass sie nur auf ganz ganz billige Weise alt werden können.
22:11
Gute Löhne, gute Renten, gute Bildung. Das alles hat die Schröder-SPD vergeigt. Mit dem Neoliberalismus war also nix und trotzdem holt sich die getarnte lokale SPD den Demografischen Wandel aus der neoliberalen Mottenkiste zum Vortäuschen von Aktivitäten. Da hat Frau Breuer von der Stadtverwaltung mit ihrer Statistik-Irreführung mit zuviel Alten und zu wenig Jungen Menschen „gute Arbeit“ geleistet.
12:11
Die Diskussion um Schulschließungen wird jetzt schon in Mönchengladbach geführt.
Aber ist der Moerser bereit, sich von Dingen zu trennen, die er sich seit Jahren eigentlich nicht mehr leisten kann.
Der erste der Verändeungen an den Ausgaben vorschlägt wird doch von der Presse abgestraft.
11:46
Die Kernfragen wurden bei der Veranstaltung gar nicht gestellt. Das Eigenkapital der Stadt wird sinken, hier droht langfristig die Überschuldung. Daher was gehört in ein Sparpaket? Welche Schulen werden mittel- und langfristig geschlossen?
Andere Frage kann man ein Stadt noch lenken, wenn so viele Aufgaben ausgelagert worden sind? Aufgrund der Steuerungsschwierigkeiten nehmen andere Städte Rückgliederungen zurück ins Rathaus vor.
00:31
@ vorredner:
erscheint auch mir als typische SPD-Tränendrüsen - Image - veranstaltung, die kaum Konstruktive Ansätze zeigte.
22:27
Ich dachte schon bei den Ankündigungen, es handele sich um eine SPD-Veranstaltung.
tersteegen, dieren, Holzum - aktive Mitglieder.
Und die Zeitung ebenfalls SPD-Organ!
18:47
Das Podium war (mal wieder) sehr SPD-lastig besetzt. So kann es ja nix werden mit Moers.