Das aktuelle Wetter Moers 10°C
Soziales

Leben mit Grenzen

02.12.2009 | 07:30 Uhr

Moers. Der Kleine ist im Kindergarten, die Große in der Schule, der Hausputz gerade durch. Antje Baeckmann hat sich einen Kaffee gemacht. Instant-Pulver, schnell und günstig, Zeit zum Durchatmen. Der kleine Fernseher läuft, es sind die Sorgen anderer Leute.

Antje Baeckmann lächelt schüchtern und schaltet aus. Sie weiß, das Leben eignet sich nicht zur Seifenoper. Hartz IV, Dauerstress mit dem Ex, Kinder, die fordern. Und manchmal eben überfordern. Psychisch, und täglich finanziell. Doch zu Weihnachten gibt's eine Überraschung: dank Ihnen, liebe Leserinnen und Leser der NRZ!

Irgendwo an einem der Weihnachtswunschbäume, die der Verein „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut!” in Moers aufgestellt hat, baumeln die Wunschzettel von Timmi und seiner Schwester. Brettspiele haben die Kinder sich gewünscht, das machen sie gern. „Gerade jetzt, wenn's draußen so früh dunkel wird”, sagt ihre Mama. „Da sind wir schon ziemlich eingeschränkt.” Kino, Museum, Schwimmbad – unmöglich zwischendurch.

Einfache, deutliche Sprache

– und sehr ehrlich

Antje Baeckmann ist eine zierliche Frau mit wachen, warmen Augen, die sehr lebhaft erzählen kann, wenn sie die erste Scheu abgelegt hat. In einfacher, deutlicher Sprache – und sehr ehrlich. Dass sie mit Anfang 20 viel zu früh versucht hat, ihr eigenes Ding zu machen. Dass sie die Lehre zur Altenpflegerin dummerweise abgebrochen hat. Es gab, sagt sie leise, ein Alkoholproblem. Und jede Menge falsche Freunde. Die Geschichte des jungen Lebens liest sich wie eine schwarze Liste. Mit leuchtenden Punkten: Das sind die Kinder.

Doch aus der großen Liebe zu dem Vater der Großen wurde großes Pech, sein Desinteresse schmerzt bis heute. „Das ist schlimm für meine Tochter.” Timmis Papa wohnt ebenfalls nicht bei Antje Baeckmann, aber die beiden versuchen gemeinsam, für die Kinder da zu sein. So gut sie können. Es fehlt am Geld, aber Antje Baeckmann ist nicht von der Sorte, die jammert oder anderen die Schuld gibt. „Ich weiß genau, wo meine Grenzen sind und deshalb kann ich mir für meine Kinder auch keinen falschen Stolz leisten.”

Helfen

erlaubt

Heißt: helfen erlaubt. Der Neukirchener Erziehungsverein hat die Repelenerin mit seinem Erziehungsprogramm Opstapje über ein gutes Jahr begleitet, Kontakt gibt's bis heute. „Ich rauche nicht, trinke nicht, und habe es gern ordentlich”, sagt sie. „Aber in manchen Dingen brauche ich Unterstützung.” Ihr Mädchen ist entwicklungsverzögert und sehr lebhaft, der Kleine ist eben wilde Vier. Wenn die Kinder ein bisschen größer sind, will sie sich wieder Arbeit suchen. „Ein Ziel”, sagt sie.

Bis dahin nutzt sie das soziale Netz. Die Kleiderkammer, die Tafel, Schule und Kindergarten: „Meine Kinder haben keinen Hunger und genug zum Anziehen.” Auf die Geburtstage spart sie das ganze Jahr hin. Nur zum heiligen Fest hätte es diesmal maximal ein paar Süßigkeiten gegeben. „Mein Geld reicht gerade aus, um die Fahrt nach Oldenburg zu bezahlen.” Ein Verwandtenbesuch über Weihnachten als Geschenk.

Durch die Weihnachtswunschbaum-Aktion liegt wahrscheinlich sogar noch etwas unter dem Baum. In der Nachbarschaft gibt es viel zu viele Kinder wie den kleinen Timmi. Helfen auch Sie, noch hängen ein paar Wunschzettel an den Bäumen.

Michael Passon



Kommentare
Aus dem Ressort
Zusammen singt man(n) weniger allein
Serie Sing mit!
Der MGV Concordia Kamp und der MGV Eintracht 1840 Rheurdt singen seit neun Jahren in einer Chorgemeinschaft, sind aber nach wie vor ihre eigene Herren. Als nächstes steht ein Auftritt beim 90. Geburtstag des Sängerkreises Moers an.
Handwerk sucht Nachwuchs
AUSBILDUNG
Mit der Messe „connect-me“ starten hiesige Unternehmern eine Informationskampagne für junge Leute.
Taschendieb entkam mit Portemonnaie
POLIZEI
Am Dienstag um 16 Uhr wurde einer 45-Jährigen in ei-nem Discounter an der Prinzenstraße das Portemonnaie aus der Handtasche gestohlen. Der Täter war etwa 20 Jahre alt und 1,70 Meter groß, hatte helle Haut, blaue Augen und Sommersprossen, trug einen hellgrauen Strickpulli mit Kapuze, die über den...
Wenn es dunkel wird im Dorf
STADTMARKETING
Dann laden Heide Schmitt und Peter Pechstein zur Nachtwächterführung zu historischen Orten Neukirchens.
Kämmerer Thoenes klärt zwei Fragen zur Kultur GmbH
HAUSHALT
Und Geschäftsführer Ulrich Greb sagt, warum die Kultur GmbH die Festivalhalle noch nicht vermieten kann.
Fotos und Videos
Cabriofahrer rast in Baugrube
Bildgalerie
Fotostrecke
Das Schlosstheater rockt
Bildgalerie
Fotostrecke
Herbstfest
Bildgalerie
Kamp-Lintfort