Jobs weisen den Weg aus der Szene
20.11.2008 | 20:02 Uhr 2008-11-20T20:02:00+0100Seit 25 Jahren stehen die Türen der Moerser Drogenhilfe den Süchtigen offen. Das Methadonprogramm ist ein Erfolgsmodell.
An Geburtstagen hat man Wünsche frei. Das Recht nehmen auch der Moerser Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Rainer Tyrakowski-Freese, und sein Kollege Reinhard Fiest, Leiter der Diakonie-Drogenhilfe an deren 25. Jahrestag für sich in Anspruch.
„Unser Methadonprogramm ist der wichtige erste Schritt. Um die Leute dann aus ihrer alten Szene rauszuholen, muss man ihnen eine Beschäftigung geben”, sagt Tyrakowski-Freese. Er sei Realist genug, zu wissen, dass die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt schlecht seien: „Aber es wäre sehr wünschenswert, wenn die ARGE und in diesem Zusammenhang unterstützen würde.”
Die Moerser ARGE, sprich das Jobcenter, das aus der Hartz IV-Fusion aus Moerser Arbeitsagentur und Sozialamt entstanden ist, könne Anreize für die Teilnehmer des Methadon-Programms schaffen.
Prozentual mehr Süchtige
als in der Metropole Berlin
Das hofft auch Reinhard Fiest: „Das Methadonprogramm, das wir seit 1997 betreiben, verringert die Beschaffungskriminalität und den gesundheitlichen Verfall der Süchtigen. Eine regelmäßige Beschäftigung würde zwangsläufig leichtere soziale Eingliederung mit sich bringen.”
Rund 15 Prozent der Teilnehmer des Methadon-Programms würden nach langer Leidensphase „clean”, also ohne Sucht in ein normales Leben entlassen. Das sei, sagt Fiest, ein guter Wert. Besonders, wenn man sich die drastischen Ausmaße der Moerser Drogenproblematik klarmache.
Die Grafenstadt ist laut Fiest eine der Drogenhochburgen in NRW: „Gemessen an dem Verhältnis von Drogensüchtigen zur Zahl der Gesamtbevölkerung liegt Moers weit vor Berlin und anderen deutschen Großstädten.” Die Zahl der Drogensüchtigen liegt derzeit zwischen 550 und 700. 540 Personen wurden 2007 von Fiest und seinen sechs Kollegen betreut: „Trotz der drastischen Zahlen ist es uns gelungen, durch das Methadonprogramm die Zahl der Drogentoten deutlich zu verringern.”
Einstiegsalter sinkt,
Probleme wachsen
Große Sorgen machen Fiest auch Drogen, die gewisse gesellschaftliche Akzeptanz geniessen. Illegaler Cannabis – und der ganz legale Alkohol. Das Einstiegsalter sinkt, die Probleme wachsen: „Früher kamen Verwandte von Kiffern. Heute kommen sie oft von allein. Die sagen: Ich kann nicht mehr!” Ein Grund dafür, sagt Fiest, sei die immer stärkere Konzentration des Rauschgifts THC in Cannabis-Produkten.
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