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Prozess

Inhaber des Taxiunternehmens Wencek vor Gericht

07.12.2009 | 06:00 Uhr
Inhaber des Taxiunternehmens Wencek vor Gericht

Moers/Kleve. Die Inhaber des Moerser Mietwagen- und Taxiunternehmens Wencek sollen über 2,8 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben und müssen sich nun vor Gericht verantworten. Die Preise waren konkurrenzlos günstig. Doch die Taxifahrer, die für Wencek arbeiteten, zahlten dafür einen hohen Preis.

Während die gelben Mietwagen der Firma Wencek wie gewohnt durch die Stadt fahren, beginnt vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve der Prozess gegen die Firmeninhaber. Die Anklage ist keine Kleinigkeit: Es geht um Steuerhinterziehung von rund 2 830 000 Euro.

Anonymer Anruf brachte Ermittlungen ins Rollen

Ein anonymer Anruf beim Hauptzollamt leitete im Jahr 2006 die Ermittlungen ein, die nun Grundlage für den Prozess auf der Klever Schwanenburg sind. Angeklagt sind die 71-jährige Senior-Chefin, ihr 72-jähriger Mann und die 40-jährige Tochter. Seit 1984 ist der Name Wencek ein Begriff in Moers; die Preise des Mietwagen- und Taxiunternehmens für Fahrten beispielsweise zum Duisburger Bahnhof oder zum Düsseldorfer Flughafen waren fast konkurrenzlos günstig. Die Wencek-Fahrer zahlten dafür allerdings einen hohen Preis.

Auch gegen 80 Fahrer ermittelte die Staatsanwaltschaft, viele sind bereits verurteilt. Sie nahmen das Angebot ihres Arbeitgebers an: offiziell als Arbeitslose Hartz IV zu beziehen und gleichzeitig für Wencek zu arbeiten: schwarz. Für die Fahrer bedeutete das neben einer Bewährungsstrafe auch die Rückzahlung der Hartz IV-Leistungen – in einigen Fällen bis zu 24 000 Euro.

Laut Anklage soll das „System Wencek” von 2001 bis 2006 gut funktioniert haben. Die bei einer Durchsuchung sicher gestellten Stunden- und Schichtzettel offenbarten auch, dass das Unternehmen Fahrer für einen Stundenlohn von 4,10 Euro plus Umsatzbeteiligung beschäftigte, und das bei rund 200 Stunden im Monat. Bei Einkommen von 820 Euro pro Monat – wenn auch zuzüglich einer Umsatzbeteiligung – mag es nicht verwunderlich erscheinen, dass etliche Fahrer auf das Angebot ihres Arbeitgebers eingingen. Verwunderlich ist nur, dass es bei der Vielzahl der Beteiligten über lange Jahre nicht auffiel.

Auch als Angestellter nur 1200 Euro brutto

„Auch mit der Schwarzarbeit bin ich gerade so über die Runden gekommen”, erklärte ein ehemaliger Wencek-Fahrer im Sommer 2008 der Redaktion. Als er noch als regulärer Angestellter für Wencek fuhr, verdiente der Vater von vier Kindern gerade einmal 1200 Euro brutto.

Nun stehen die Erfinder des Systems vor Gericht.

Harry Seelhoff

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