Hundepsychologe: Keine Tiere verschenken!
24.12.2009 | 07:00 Uhr 2009-12-24T07:00:00+0100
Herr Rütter, Sie sind in Moers zur Schule gegangen? Ja, ich habe 1989 auf dem Aufbaugymnasium (heute: Filder Benden) das Fachabitur gemacht. Ich bin gern zur Schule gegangen, aber mir war die Ernsthaftigkeit damals nicht bewusst. Da habe ich mich durchgequält.
Haben Sie Erinnerungen an die Zeit in Moers?
Ich habe viel am Tierheim herumgehangen, früher habe ich da immer Hunde Gassi geführt.
Viele Tierheime halten die Hunde in Zwingern. Die Tiere haben oft keinen Freilauf.
Das ist oft nicht anders möglich. Die Pfleger würden sich gerne mehr um die Tiere kümmern, aber die sind so mit Alltagsdingen wie Saubermachen, Füttern beschäftigt, dass es wenig ums Verhalten der Hunde geht. Deshalb sind die auch über ehrenamtliche Helfer froh. Darauf bauen viele Tierheime: Dass es Menschen gibt, die einen Hund haben und noch einen zum Spazierengehen mitnehmen oder Leute, die keinen Hund halten können, aber einen abholen zum Spazierengehen.
Hat Sie das damals auf den Hund gebracht?
Nein, ich hatte eine Tante, Tante Thea, die nahm Hunde in Pflege und hat immer Hunde bekommen, die total nett waren. Nach sechs Wochen waren das Wahnsinnige. Sie hat es geschafft, innerhalb kürzester Zeit den nettesten Hund zum Irren zu machen. So bekam ich Interesse an Hunden. Ich fand es faszinierend, dass Hunde sich so verändern konnten, nur weil ein Mensch so viel falsch macht. Das war der Einstieg. Dann habe ich sehr viel über Hunde gelesen.
Jetzt zur Weihnachtszeit werden viele Tiere verschenkt.
Das ist das dümmste Signal, was Eltern senden können. Damit leben sie dem Kind vor, dass ein Tier ein Gegenstand ist, den man verschenkt. Deshalb darf ein Tier im Grunde nie ein Geschenk sein, sondern immer eine gemeinsame Entscheidung. Abgesehen davon ist gerade die Weihnachtszeit mit so viel Tohuwabohu verbunden, dass – egal ob Hamster, Pferd oder Hund – das Tier nie die Chance bekommt, in ein ruhiges, entspanntes Umfeld einzutauchen. Ich finde, man darf zu Weihnachten verkünden: „Wir werden ein Tier bekommen.” Ein seriöser Züchter wird einen Hund zu Weihnachten gar nicht abgeben. Der wird den reservieren.
Was empfehlen Sie den Menschen, die sich einen Hund angeschafft haben und feststellen, dass es nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hatten?
Das wird oft der Fall sein. Ich würde grundsätzlich raten, sich ausführlich zu informieren, bevor sie einen Hund anschaffen. Die wenigsten sind sich im Klaren, wie viel Arbeit und wie komplex Hundehaltung ist.
Und wenn der Hund und die Probleme schon da sind?
Wenn es Probleme gibt, sollten die Hundehalter zu einem Profi gehen und nicht warten. Man sollte auch mit einem Hund zur Schule gehen, wenn man noch keine Probleme hat. Um den Hund und von Anfang an auf Kurs zu bringen, denn dann entstehen die Schwierigkeiten erst gar nicht. Die Leute, die bei uns in die Welpenschule kommen, mit einem Hund von acht oder zehn Wochen, die sehen wir ein halbes Jahr und dann nie mehr. Weil die verstanden haben, wie Hunde funktionieren. Es geht im Kern darum, den Menschen zu vermitteln, wie ein Hund funktioniert.
Was soll man bei der Auswahl eines Hundes beachten?
Zunächst muss wirklich geklärt werden, ob alle in der Familie einverstanden sind. Ich erlebe oft, dass die Mutter überstimmt wird und eigentlich latent dagegen ist. Sie ist aber diejenige, die die meiste Zeit mit dem Hund verbringen wird. Alle müssen einverstanden sein und alle müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Kinder nicht die Hauptaufgabe übernehmen werden. Das ist nämlich oft die naive Vorstellung. Den Eltern muss bewusst sein, dass die Arbeit an ihnen hängen bleibt. Und der alles entscheidende Faktor: Hat man genug Zeit? Wenn beide berufstätig sind, dürfen die keinen Hund haben. Ich finde es grundlegend falsch, wenn der Hund jeden Tag zehn Stunden allein ist.
Was sollte man beachten im Umgang von Kindern mit Hunden?
Ein Hund kann ein Kind nie als ranghöher akzeptieren. Zum einen, weil es nicht geschlechtsreif ist. Das erkennen Hunde am Geruch. Zum anderen, weil es in der Motorik bis zum zwölften, dreizehnten Lebensjahr nicht ausgebildet ist. Aus Hundesicht läuft ein Kind eckig. Der Hund erkennt, dass das kein Erwachsener ist. Hinzu kommt, dass ein Kind gegängelt wird: „Zieh deine Jacke an, sitz gerade, mach dies, tu das.” Der Hund merkt, dass dieses Kind in der Familie keinen hohen Status hat. Warum sollte er also auf das Kind hören? Deshalb wird der Hund das Kind nur als Spielpartner ansehen. Und darum muss man dem Hund von Anfang an klar machen: Es ist ein Spielpartner, aber auch bei diesem Spielpartner musst du Grenzen einhalten. Körperliche Grenzen, zum Beispiel nicht anspringen. Und man muss Tabuzonen schaffen. Der Hund darf nicht in das Zimmer des Kindes und das Kind nicht in den Korb des Hundes. Wenn die Regeln eingehalten werden, ist Kind mit Hund eine für alle bereichernde Kombination.
Was sollte man beachten, wenn man sich einen Hund aussucht?
Bevor man einen Hund hat, sollte man in eine Hundeschule gehen. Eine gute Hundeschule berät vor der Anschaffung. Dabei werden die Lebensumstände berücksichtigt. Soll es ein aktiver Hund sein oder ein eher ruhiger? Ein Trainer berät und so nähert man sich gemeinsam an. Genau so, wie beim Autokauf. Man sollte auch ausblenden, wie man den Hund optisch findet. Nicht spontan anschaffen! Lieber informieren, Zeit nehmen, denn das Tier hat man viele Jahre bei sich. Die Probleme fangen oft mit der Entscheidung für den falschen Hund an.
www.ruetters-dogs.de
19:29
Seid ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere!
Wer ein Tier (Hund) zu Weihnachten verschenkt, dem ist eh nicht zu helfen.
19:25
Warum in eine Hundeschule gehen,Hundekäufer sind doch nach spätestens 3 Tagen absolute Hundeexperten.Wäre es nicht besser die Tiere einzuschläfern als Jahre in einem Zwinger zu verbringen.Viele dieser angeblichen Tierliebhaber sind Tierquäler,auch wenn sie das selbst nicht einsehen wollen.
15:09
Die Qualität derKommentare hier sind wie dieQualität der meisten Artikel dieses Online-Portals. Schlicht erbärmlich!
So wird der Medienauftritt der größten Reguionalzeitungsgruppe zum re(t)zlosen Geschreibsel.
Mahlzeit.
19:05
Der Hund ist ein von Flöhen besetzter Körper der bellt. Man sollte nicht ihn, sonder seine Besitzter verprügeln.
frei nach Tucholsky
PS: ohne Wertung für den Psychologen und die Tiere. Es soll nur ein Scherz sein. Frohes Fest!
18:39
an 2
wie würdets du dich fühlen, wenn man dich als Idioten bezeichnet. Warum sagst du Köter?
18:32
So ein Kappes - Hundepsychologe!
Die meisten Hundehalter müssten zum Psychologen und nicht die Köter.
15:21
Herr Rütter, schönen Dank für Ihre hervorragenden Sendungen, sie waren immer hochinteressant und lehrreich. Schade, daß ich einige verpaßt hatte.