Ganz oder gar nicht
21.02.2010 | 22:00 Uhr 2010-02-21T22:00:00+0100Die Pflöcke sind im Boden: „Das Schlosstheater muss bleiben!” fordert eine Resolution des Schlosstheaters und der Freunde des Schlosstheaters vom Bürgermeister. Die Unterschriftenlisten füllten sich gestern schnell.
Klar ist spätestens nach der Podiumsdiskussion: Es geht nicht darum, wieviel Theater sich Moers leistet, sondern ob es sich eines leistet. Ganz oder gar nicht. Mit den entsprechenden Folgen.
Gar nicht heißt: Abkehr vom eigenständigen Profil hin zur Verwechselbarkeit mit anderen Städten, die sich mit kultureller Konfektion zwischen Knebel und Tourneetheater begnügen. Das ist billiger, allemal.
Aber Theater ist ja nicht nur die hehre Kunst um der Kunst willen. Kultur im Allgemeinen und Theater im Besonderen ist gelebte Demokratie, es fordert die Auseinandersetzung mit Neuem und fördert den politischen und gesellschaftlichen Diskurs, an dem die Bürger teilhaben. Eine Aufgabe, der Intendant Ulrich Greb und sein Ensemble in beispielhafter Weise nachkommen. Sie erden die Kunst, in dem sie aktuelle oder auch lokale Bezüge herstellen („Lear” als Stück zur Krise etwa) und zur Diskussion anregen. Wer sagt, dass dieses Theater Programm für ein paar wenige macht, hat wahrscheinlich noch nie einen Fuß dort hinein gesetzt, geschweige denn sich angeschaut, wo überall in Moers – vor allem im Jugendbereich – Schlosstheater vorkommt, auch wenn es nicht explizit drauf steht. Greb setzt die gute Tradition eines Holk Freytag fort, der Theater ebenso wenig im luftleeren Raum verankert sieht. Und die Stadt Moers setzt ihre Tradition fort, es in Frage zu stellen. Auch wenn das niemals den Haushalt sanieren wird.
Wer ein Theater schließt, nimmt den Bürger aus der Verantwortung, ja entmündigt ihn. Denn der hat eine Alternative weniger, wie er sich mit den Ereignissen in der Welt und in der Stadt auseinandersetzt. Und wenn die Wahl nur darin besteht, sich ein Stück anzuschauen oder nicht. Oder ob sein Kind DSDS gucken soll, oder lieber eine Vorstellung der Penguin's Days.
Um auch den Aspekt anzuschneiden: Natürlich gehören unsere Kinder in gut ausgestattete Sporthallen und Schwimmbäder. Aber zu ihrer Entwicklung gehört neben der körperlichen auch die geistige Beweglichkeit. Und diese Förderung können pisa- und anders problemgebeutelte Schulen und Unis, die anscheinend eher schmalspurgetrimmtes Material für den Arbeitsmarkt produzieren sollen als ganzheitlich gebildete und gefestigte Menschen, immer schwerer erfüllen. Aber das ist nun wieder eine andere Baustelle.
20:14
Subventioniertes Lobby-Theater! Genauso ein bürgerunfreundlicher Quatsch wie das unsinnige Jazz-Festival !
Schließen -Geld sparen und was für die Kids machen was Sie wirklich brauchen! Eine NEUE Sporthalle!
16:58
Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis, also weg damit !!
08:51
Ich wäre ja dafür das Theater zu schliessen, nur bin ich mir sicher dass dadurch nicht 1 Euro Schulden abgebaut wird. Das Geld wird an anderen Stellen (siehe Rathausbau) wieder aus dem Fenster geworfen.
23:44
.......gesellschaftlichen Diskurs, an dem die Bürger teilhaben, schreiben Sie Frau Kliem, aber tatsächlich sind es nur 40-50 Personen, die daran teilhaben, mehr nicht. Und dafür sind die Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden, schlichteg zu hoch.
#2 von Paula Hansen, ohne Schloßtheater wird Moers sicher nicht zum Provinznest, aber die Schulden werden weniger und lebenswichtigere Dinge können finanziert werden.
22:59
frau kliem - wo leben sie denn? fragen sie mal in einer 10. klasse an der anne frank oder an einer hauptschule wer oder was das stm ist.
das kennen nicht mehr als 1 % der schüler. das stm ist eine reine veranstaltung für bildungs- und geldelite -gucken sie sich doch die zuschauer an!
die pseudo-intellektuellen politiker dazu aber auch! und das doofe volk bezahlt den quatsch!
22:56
Liebe Karen Kliem,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie bringen sehr gut auf den Punkt, was unser Schlosstheater für Moers bedeutet und was wir in der Haushaltsdebatte mitdenken müssen. Inhaltlich kann ich mich Ihnen nur voll anschließen, wohl wissend, dass es auch viele Menschen in Moers gibt, die gerade aus den von Ihnen genannten Gründen das Theater gerne schließen möchten und die jetzt die Spardebatte nutzen wollen, da sie sich lange Jahre nicht getraut haben und jetzt so schön ihre eigentlichen Argumente hinter dem „Sachzwang Finanzen“ verbergen können. Es mag in manchen Ohren etwas vermessen klingen, aber es scheint unvermeidlich: Entweder das Schlosstheater kann auf dem bisherigen Niveau weiter arbeiten oder unsere Stadt wird wieder ein (wenn auch recht großes) verschlafenes Provinznest. Es ist wohl so, dass viele letzteres lieben. Denen sei gesagt: Provinz gibt es in Deutschland schon genug. Die müssen wir nicht mehr ausweiten. Der Bedarf ist nicht vorhanden.
22:39
So ein Quatsch. Genauso wenig wie Kürzungen im Theaterbereich den Haushalt sanieren, genauso wenig zivilisiert das Theater unseren Nachwuchs.