Emine Sevgi Özdamar stellt die Odyssee auf den Kopf
03.02.2010 | 11:32 Uhr 2010-02-03T11:32:00+0100
Moers. 76,6 Kilometer Straße und sechs Stunden Theater werden die Reisenden bereits hinter sich haben, wenn sie am 28. Februar, in der Theaterhalle in Moers landen. „Odyssee Europa” heißt die zweitägige Reise durch sechs Theater. Im Moers steht „Perikizi. Ein Traumspiel” auf dem Spielplan.
Die „Odyssee Europa”, eine zweitägige Reise durch sechs Theater der Ruhrmetropole, ist eines der großen Flaggschiffe des Kulturhauptstadtprogramms. Mit im Boot und Rastplatz numero vier nach Essen, Bochum und Oberhausen ist Moers, wo das Schlosstheater gemeinsam mit der türkischen Autorin Emine Sevgi Özdamar die Odysee auf den Kopf stellen wird: „Perikizi. Ein Traumspiel” lautet der Titel des eigens für Ruhr2010 geschriebenen Stückes. Unter der Regie von Ulrich Greb und seiner Mannschaft wird daraus die wilde Traumreise einer jungen Türkin, die auf ihrem Weg nach Deutschland allerhand merk- und denkwürdige Erfahrungen macht.
Türkisch-deutsche Geschichte
Sechs europäische Autoren, sechs mal die Basis Odyssee, sechs Uraufführungen in sechs Theatern an zwei Tagen – „das hat es noch nie gegeben, dass so viele Theater zu einem Projekt zusammenfinden”, so der STM-Intendant. „Und so unterschiedlich wie diese sechs Theater sind, werden auch die Stücke sein.”
In dem der Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Özdamar geht es unter anderem um Integration und um türkisch-deutsche Geschichte: Eigentlich treibt es die junge Perikizi als weiblichen Odysseus anders als den antiken Held genau in die verkehrte Richtung – nicht zu den Barbaren, sondern ins vermeintlich zivilisierte Deutschland. Weg von der Enge der Familie, von der Last der Geschichte, will sie dort Freiheit finden. Allerhand skurrile Begegnungen und ein Abstecher in die Unterwelt lassen sie sich auf der Irrfahrt ihrer eigenen Geschichte wieder annähern.
Ein bisschen Alice, ein bisschen Dorothy
Ein bisschen Alice im Wunderland, ein bisschen Dorothy im Zauberer von Oz – so ist die Figur der Perikizi, die autobiografische Züge der Autorin trägt, angelegt. Gespielt wird sie von Katja Stockhausen (Foto). „Die Atmosphäre hat aber auch etwas grelles, freches, kantiges – manchmal fast wie Straßentheater”, so Greb. Mit von der Partie sind in Mehrfachrollen Magdalena Artelt, Patrick Dollas, Matthias Heße, Holger Stolz und Frank Wickermann – fast das gesamte Ensemble also. „Wir werden für die Aufführung die gesamte Theaterhalle nutzen”, verrät der Intendant. Will heißen, wer mag, muss nicht auf seinem Sitz kleben bleiben ... Performance-Charakter wird das Stück durch Video-Sequenzen und Live-Musik der kurdischen Musiker Mehmet Gümüstekin und Nurettin Tubay erhalten.
Auch in Moers haben sich zahlreiche Gastgeber gefunden, die die Theatermarathonreisenden an diesem und vier weiteren Wochenenden beherbergen oder begleiten. Tickets: 0180 515 2010 oder www.ruhr2010.de/tickets.
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