Arbeiten, wenn andere feiern
03.01.2010 | 16:00 Uhr 2010-01-03T16:00:00+0100Moers. Reichlich Stress kann rund um die Weihnachtstage und den Jahreswechsel auf Ärzte zukommen, die gerade dann Bereitschaftsdienst haben. Dr. Ronald Grüner weiß das aus eigener Erfahrung. Er organisiert den Plan für das ganze Jahr in Moers.
Reichlich Stress kann rund um die Weihnachtstage und den Jahreswechsel auf Ärzte zukommen, die gerade dann Bereitschaftsdienst haben. Ronald Grüner, der in Moers den Plan für das ganze Jahr organisiert: „Wer Notdienst hat, ist auch dafür verantwortlich, im Falle einer eigenen Krankheit oder eines Unfalles für Ersatz zu sorgen. Es ist schon vorgekommen, dass das drei Tage vor Weihnachten notwendig wurde. Finden Sie dann mal eine Kollegin oder einen Kollegen, der für Sie einspringt!”
In Moers sind rund 120 Ärzte beteiligt, die sieben bis acht Mal jährlich an der Reihe sind. Denn es gibt auch den Fahrdienst – nicht nur den Notdienst in der Notfallpraxis an der Wittfeldstraße auf dem Gelände des Krankenhauses Bethanien.
Patienten, die sich rund um den Jahreswechsel beim Notdienst-Arzt melden, kommen gar nicht so oft wie vermutet mit Festtagsfolgen. „Dort bitten Bürger um Hilfe, die sich nicht selten mit diversen verschiedenen Beschwerden übers Fest geschleppt haben. Im Vorjahr war der 30. Dezember zwar mit 190 Patienten sehr arbeitsintensiv, aber es waren eher Probleme wie etwa Erkältungs- oder Grippebeschwerden.” Verletzungen durch Feuerwerkskörper oder Glas landeten eher in der chirurgischen Ambulanz eines Krankenhauses, so Grüner.
In den Praxen der Allgemeinmediziner seien 80 Prozent Chroniker wie Menschen mit Diabetes und Bluthochdruck – beim Notdienst gebe es mehr akute Beschwerden. Personen, denen dringend benötigte Medikamente ausgegangen sind, hilft der Notdienst nur an Medizin über die Feiertage hinweg, bis der Hausarzt wieder Dienst tut. „Und diejenigen, die Psychopharmaka und andere Stoffe verlangen, die mit Abhängigkeit verbunden sein können, erhalten – wenn überhaupt – höchstens kleinste Mengen davon.” Das gelte auch dann, wenn die Behauptung, der Neurologe verschreibe ihnen das, wahr sein sollte. „Personen, die das missbrauchen wollen, sind unter den Ärzten bekannt und erhalten gar nichts”, berichtet Grüner.
Mediziner, die den Fahrdienst für Hausbesuche durchführen, versuchen, die Patienten in möglichst sinnvoller Reihenfolge zu besuchen. „Das kann heißen, dass ein Kranker auch mal zwei, drei Stunden warten muss, damit wir nicht vom Moerser Süden in den äußersten Norden und dann wieder in den Süden fahren. Da ginge zu viel Zeit drauf. Wir haben auch Erfahrung – abhängig von der Schilderung der Beschwerden – die dringlicheren Fälle vorzuziehen.”
Bestehe der Verdacht auf einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ähnliches, sei sowieso der Rettungsdienst gefragt. Abhängig vom Einzelfall fordere der diensthabende Arzt selbst den Rettungswagen zum Patienten oder bitte die anrufende Person, die 112 zu wählen. „Die Patienten sind meist dankbar für den Notdienst, weil ihnen bei akuten Problemen geholfen wird”, berichtet Ronald Grüner.
Sein Plan für 2010 ist soeben in Kraft getreten. Wenn der 48-Jährige den Entwurf für das jeweils nächste Jahr an alle Mediziner verschickt hat, „haben die Kollegen vier Wochen Zeit, darauf zu reagieren und Änderungswünsche anzumelden.”
Aus seinen eigenen Notdiensten ist ihm ein Fall in Erinnerung, bei dem eine Frau über Bauchschmerzen klagte. Grüner: „Ich tippte auf einen Magen-Darm-Infekt.” Doch er war vorsichtig genug, das Ultraschallgerät einzusetzen. Denn das Medikament gegen einen solchen Effekt dürfe bei Schwangerschaft nicht verordnet werden. Und die Frau war tatsächlich schwanger – eine Freude für sie und ihren Partner.
0mitdiskutieren