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Bergbau

36 Beben in nur einem Jahr

27.12.2009 | 16:14 Uhr

Kamp-Lintfort. Würde im Kreis Wesel das Wort des Jahres gesucht, hätten die Begriffe „Girondelle 5” und „Beben” beste Chancen. In stattlicher Form sind Auswirkungen des Kohleabbaus in diesem Flöz an der Grenze zu Repelen und Neukirchen-Vluyn in der Statistik der Erdbebenwarte Bensberg vertreten.

Da tauchen Kamp-Lintfort und Moers allein 36 Mal auf. Dr. Klaus Lehmann, Leiter des Erdbebendienstes NRW in Krefeld, macht deutlich, dass Erderschütterungen ab einer Magnitude von zwei auf der Richterskala von Bürgern wahrgenommen werden.

Seit Jahresbeginn erreichten oder überschritten 13 der Beben diesen Grenzwert. Im vergangenen Juli machte das Bergwerk West gleich zweimal mit Werten oberhalb der Dreier-Marke von sich reden, ab der nachteilige Auswirkungen auf Gebäude nicht mehr auszuschließen sind. Der Krefelder Dienst ermittelte am 24. und 31. Juli jeweils Erdenergien von 3,1 auf der nach oben offenen Richterskala.

Dichtes Netz vom Messstationen

Während Bensberg und Krefeld ihre Ergebnisse jeweils rechnerisch mit Hilfe recht weit verstreuter seismischer Anlagen ermitteln, verfügt der Bergbau über ein dichtes Netz von Mess-Stationen. Er gibt die durch den Kohleabbau verursachten Erdbewegungen mit der Schwinggeschwindigkeit pro Sekunde an, die für Hausbesitzer kaum minder aussagekräftig ist.

„So lange man unterhalb von fünf Millimetern bleibt, ist man auf der sicheren Seite in punkto Gebäudeschäden”, erläutert Prof. Klaus Hinzen. Doch bewegt sich der Wert darüber, sollte man, so der Leiter der Erdbebenwarte Bensberg, einmal genauer hinsehen.

Und diese in der DIN 4150 festgelegte Richtschnur wurde im laufenden Jahr auch schon mal ganz erheblich übertroffen. Jörg Poetschki, Mitarbeiter der Markscheiderei des Bergwerks West, nennt Schwinggeschwindigkeiten bis zu 30 Millimetern pro Sekunde. Dass es an einigen Stellen Risse gegeben habe, wurde der Markscheiderei mitgeteilt, die die Meldungen an die Service-Hotline der RAG weiterleitete, die unter 08 00/2 72 72 71 zu erreichen ist.

Erderschütterungen schwer prognostizierbar

„Uns ist von reißendem Putz und anderen Schäden an Wänden berichtet worden”, erinnert sich auch Klaus Lehmann. „In aktiven Bergbaugebieten gibt es laufend Bergschläge”, stellt er grundlegend fest. Besonders rege sei das Bergschlagsgeschehen momentan auch bei Hamm. Lehmann: „Es hat auch etwas damit zu tun, wie und mit welcher Geschwindigkeit der Kohleabbau betrieben wird.” Weitere wesentliche Faktoren sind die Größe der unterirdischen Hohlräume und die jeweiligen tektonischen Gegebenheiten.

„Wir haben von der Bezirksregierung Arnsberg eine schonende Abbauführung auferlegt bekommen”, sagt Jörg Poetschki. Er versichert, dass sich das Bergwerk West an diese Auflage halte und dazu auch kontinuierlich Kohleabbau im Flöz Girondelle 5 betreibe. Dass die Bebenhäufigkeit in 2010 abnimmt, will er nicht vorhersagen. „Grundsätzlich sind Erderschütterungen schwer prognostizierbar.”

Spitzenwerte im Juli

Ganz erstaunlich fand Klaus Hinzen die Spitzenwerte, die im vergangenen Juli zu beklagen waren. Im Saarland seien solch starke Beben früher häufiger vorgekommen, „aber im Ruhrbergbau sind sie eher selten”. Konkrete Angaben zur Zahl und dem Gewicht der gemeldeten Schadensfälle waren bei der Pressestelle der RAG nicht zu erhalten. Wohl betont Pressesprecher Christof Beike: „Ob es nun Schäden sind, die durch Erdbewegungen bereits da waren oder durch die aktuellen Beben entstanden sind, ist egal. Wir stehen dafür gerade.”

Ulrich Ernenputsch

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Kommentare
02.01.2010
14:07
36 Beben in nur einem Jahr
von Tom53 | #13

„Erderschütterungen sind schwer prognostizierbar. Das klang doch in den Genehmigungsverfahren ganz anders. Da hatten doch die hochqualifizierten Bergbauexperten der RAG alles im Griff und die hochqualifizierten Beamten der Bezirksregierung bügelten Einsprüche der Anwohner ab! Jetzt ist man erstaunt, im Ruhrbergbau seien diese Erdbeben „ eher selten! „Uns ist von reißendem Putz und Schäden an Wänden berichtet worden. Das klingt ja alles hoch professionell und zeugt von großer bergbaulicher Erfahrung. Nur gut, dass die RAG de facto ein Staatsunternehmen ist, dessen Auftrag die Durchführung von ABMs, beraten von üppig alimentierten Regionalbeiräten ist. Nicht auszudenken, was mit einem normalen Unternehmen, das sich derart gemeinschädlich verhält, passieren würde. Da tröstet doch das starke Wort der Zeche: „Ob es Schäden sind, die durch Erdbewegungen bereits da waren oder durch aktuelle Beben entstanden sind, ist egal. Wir stehen dafür gerade. Die Praxis sieht anders aus, oder hat man den Zusatz im Rahmen des deutschen Bergrechts nur vergessen?
#1 von Tom53, vor 2 Stunden

29.12.2009
22:08
36 Beben in nur einem Jahr
von elektrobiker | #12

Zitat:uns ist von reißendem Putz und anderen Schäden ... berichtet worden und wir stehen dafür gerade. Und keine konkreten Angaben der gemeldeten Schadensfälle von der RAG. Vertuschung und Lügen ohne Ende. Auf der Franzstrasse sind schon zwei Häuser abgerissen worden, das dritte ist schon geräumt.Meine Schadensmeldungen umfassen schon eine DinA4- Seite und es werden immer mehr. Der Witz dabei ist, das mir vor 15Jahren schriftlich versprochen wurde, unter unserem Stadtgebiet wird nicht mit Schäden gerechnet. Und als nächstes ist das Kloster fällig. In der Hinsicht ist die Lintforter Politik blind und taub.

29.12.2009
20:07
36 Beben in nur einem Jahr
von admiral_alf | #11

Vielen lieben Dank für die 36 Erschütterungen. Es wird Zeit, dass euch die Subventionen für euer tun unter Tage zusammengestrichen werden. Dann könnt ihr auf den Bergwerken schonende Abbauführung auch wirklich umsetzen.

29.12.2009
18:17
36 Beben in nur einem Jahr
von Saarlaender | #10

Hallo Leute,
ich kann Euch - aus Erfahrung - nur sagen:
Organisiert Euch und geht nach jedem Beben ab einem gewissen Wert an einem bekannten Punkt zur Demo. Nur das hat uns geholften! Kein Politiker, kein Richter, kein Gesetz, und erst recht keine RAG-Regulierer.

29.12.2009
16:13
36 Beben in nur einem Jahr
von ein Repelener | #9

Skandalös ist, dass unsere städtischen Politiker nichts gegen diesen Wahnsinn unternehmen. Nein, sie ducken sich weg, weil sie wie unser Bürgermeister Balhaus ja als Markscheider einer der großen Befürworter des bergbaus sein muss. Auch dann wenn dieser schon lange stirbt aber trotzdem noch über Jahre und Jahrzente Schäden hinterlassen wird an denen noch unsere Kinder freude haben werden.
Ein Skandal

28.12.2009
22:27
36 Beben in nur einem Jahr
von Beatrix.Gutmann | #8

Na klar rummst es in Repelen haeufiger als Frueher
Grund ;Repelen war im Schachtsicherheitspfeiler von Schacht VI/VII
Nun da die langen Abbauhoehen von ca Hoher Weg (da ist der Verlauf der Rheinpreussen--Stoerung )
Unter den Schaechten bis nach Rayen --Rheurdt Abgebaut werden
Ist man in Repelen Hautnah dabei

Was waere aber Repelen und Lintfort ,Ohne Schacht VI/VII und Fritzen Henn ?

28.12.2009
20:05
36 Beben in nur einem Jahr
von Moerser Bürger | #7

Na bravo, gerade beim absenden ruckelt es hier schon wieder! Hut ab!

28.12.2009
20:03
36 Beben in nur einem Jahr
von Moerser Bürger | #6

@Ralf:

Schau mal unter:

http://www.gd.nrw.de/a_beben.php

(Übrigens; ganz unten)

28.12.2009
19:32
36 Beben in nur einem Jahr
von Ralf P | #5

Gibt es vielleicht irgendwelche Informationen wie häufig die Erde in den vergangenen Jahrzehnten gebebt hat?

Ich habe das Gefühl, dass die Anzahl der registrierten Beben nämlich kaum höher liegen kann als in den vergangenen Jahren.

28.12.2009
17:09
36 Beben in nur einem Jahr
von Olaf Reifegerste | #4

36 Beben im Jahr. Das sind statistisch gesehen drei pro Monat. Oder: Alle 10 Tage ein Beben. So sieht für das BW West schonende Abbauführung aus. Die Ängst der Menschen interessieren nicht. Ebenso die bewusst in Kauf genommenen Schäden. Welch ein Zynismus, den Herr Beike an den Tag legt, wenn er behauptet, wir (die RAG) stehen dafür gerade. Ja, so ist das bei Leuten: Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing.

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