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Projekttage

wo wilde Kerle ganz still werden

02.05.2008 | 18:19 Uhr

WALD. Wildnispädagoge Jörg van Eyckels aus Goch führt Erst- und Zweitklässler durch den Wald und macht Biounterricht erlebbar.

GOCH. Die wilden Kerle kommen. Mit ordentlich Tempo und noch mehr Gebrüll. Raus aus dem Bus, rein in den Wald – und ab geht der lautstarke Klassenausflug. Von wegen! Denn plötzlich sind die Erst- und Zweitklässler der Freiherr-von-Motzfeld-Schule Pfalzdorf ganz still. Und weit weg von den wilden Kerlen, die vor wenigen Minuten noch aus dem Bus in den Reichswald stürmten. Sie lehnen ganz ruhig mit einem Ohr am Baum und horchen dem „Herzschlag”.

„Und, was habt ihr gehört?”, fragt Jörg van Eyckels, Wildnispädagoge und Leiter der Naturschule Goch. „Ein Surren”, antworten ihm die Kinder. Genau. Der Baum zieht nämlich gerade mächtig viel Wasser, „und das kann man hören, wenn man nur nah genug heran tritt”, erklärt van Eyckels. Er lädt mit seiner Gocher Naturschule regelmäßig in den Wald ein (die NRZ berichtete), „in das Klassenzimmer ohne Mauern und Bänke”, wie er beschreibt, „in den Unterricht zum Anfassen.”

Die Freiherr-von-Motzfeld-Schule richtete in der vergangenen Woche Frühlingsprojekttage aus. Lehrerin Renate Scharpenberg stellte Regenwürmer und Löwenzahn in den Mittelpunkt des Themas. „Als ich dann von der tollen Waldführung hörte, war klar, dass auch wir dabei sein werden”, sagt sie. Die Kinder sollen hautnahe Natur-Erlebnisse mitnehmen, Spaß in der Natur haben und dabei lernen.

Ganz wichtig: Auch im Wald müssen Regeln eingehalten werden. Der Natur zuliebe und „um sich auf den Lebensraum einlassen zu können”, erklärt der Wildnispädagoge. Deshalb fordert er seine Schützlinge auf, mit offenen Augen durch den Wald zu gehen, Geräuschen zu lauschen und das Leben zu beobachten. Sind sie zu laut, würden gar die Rehe in Kessel von ihrem Besuch erfahren. Denn: „Die Vögel senden Signale aus mit ihrem Gezwitscher. Sie sind wie ein Spiegel: Seid ihr hektisch, werden auch sie lauter.” 

Zum Waldgang dazu gehört auch, dass man sich dreckig machen darf, Hügel rauf und runter rollt, umgestürzte Bäume erkundet, Buchenblätter isst oder barfuß über das Laub schleicht. Im „Fuchsgang” durch den Reichswald. Und Jörg van Eyckels ist der stolze Hirsch, dem alle folgen.

„Super schön”, findet die siebenjährige Anna aus Pfalzdorf diesen Projekt-Vormittag. Sie war zwar schon öfter im Wald unterwegs, aber die „Reichswald-Schlucht” hatte sie noch nie besucht und auch das kleine „Zelt” aus Laub und Geäst sei ein echtes Abenteuer gewesen.  Eine Trillerpfeife zum Zusammenrufen der rund 25 Kids braucht Jörg van Eyckels nicht. Er macht lieber den Kuckucksruf nach und schon scharren sich die kleinen Waldläufer um ihn herum. Mit Blättern im Haar und schwarzen Händen – Wald hautnah, so soll es sein.

Katrin Reinders

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