Vermieter lassen Schimmel und Eiswasser kalt
07.01.2010 | 10:00 Uhr 2010-01-07T10:00:00+0100
Goch. Familie Wegenaer lebt seit einem Jahr ohne Heizung. Drei Wohnblöcke mit 60 Einheiten an der Melatenstraße in Goch zerfallen: Die Heizung funktioniert nicht, aus den Hähnen strömt nur Eiswasser und in den Räumen schimmelt's. Doch die Vermieter der Häuser sind unerreichbar oder handeln nicht.
Herr Skandal ist auf der Melatenstraße zuhause. Nicht zu bremsen, kaum zu toppen. Er sorgt seit mehr als einem Jahr dafür, dass Familien, die in 60 Wohneinheiten ohne Heizung und warmes Wasser, dafür mit Schimmelpilz und Frostbeulen leben. Herr Skandal setzt sich aus rund 60 Eigentümern, sprich Vermietern zusammen, die sich nicht um ihre eigenen Mauern und die Menschen dahinter scheren. Obwohl sogar einige von ihnen selbst dort leben.
Die Eigentümer handeln nicht
„Das ist einfach nur beschissen”, sagt Marion Wegenaer, „halten Sie bei diesen Temperaturen mal Ihre Hand unter unseren Wasserhahn, da können Sie auch gleich in einen gefrorenen See einbrechen.” Im März würde die vierköpfige Familie drei Jahre in dem 20-Parteien-starken Haus an der Melatenstraße 14 wohnen. Doch soweit kommt's nicht mehr, sie zieht demnächst aus. So, wie es bereits 16 Nachbarn vor den Wegenaers getan haben.
Warum? Weil der Zustand menschenunwürdig ist. Ohne elektrische Heizung, Duschen bei der Freundin und auf dem Herd erhitztes Wasser wären die Menschen in diesem strengen Winter wohl bereits erfroren. Marion Wegenaers elfjährige Tochter Charlene hustet vom Schimmelpilz im Kinderzimmer bereits. Die Aufschrift „Ghetto” im eiskalten Treppenhaus trifft den Nagel auf den Kopf, „im Obdachlosenheim kann es nur besser sein”, ist sich Charlenes Mutter sicher. Doch warum ist die Heizung abgestellt, das warme Wasser Geschichte? Weil die riesige Eigentümergemeinschaft der drei Wohnblöcke sich nicht rührt. Auch dann nicht, wenn die Mieter schon längst nicht mehr zahlen und das Eigentum zerfällt.
Es gibt kein Geld
Das Problem: Die Eigentümergemeinschaft stellt dem Hausverwalter, seit März 2009 ist das Peter Schulte aus Schermbeck, kein Geld zur Verfügung. Ihm nicht, dem Hausmeister nicht, der Stadt für die Gebühren nicht und auch gibt's kein Geld für eine neue Kesselanlage. Die ist nämlich so alt wie die Wohnhäuser selbst – Baujahr 1961. „Sie darf gar nicht mehr in Betrieb genommen werden”, erklärt Hausverwalter Peter Schulte, „alles andere wäre grob fahrlässig. Eine neue Heizung würde allerdings 120 000 Euro kosten. Geld, das die Eigentümer nicht haben oder nicht zahlen wollen.”
Die Alternative scheint für sie darin zu bestehen, ihre Mieter erst frieren, dann husten und letztlich ausziehen zu lassen. „Das ist eine tickende Zeitbombe”, so Schulte, „doch niemand reagiert. Das widerspricht allem Nachvollziehbaren.” Gegen zahlreiche Eigentümer laufen Zwangsvollstreckungsverfahren. Lediglich rund 15 von ihnen sind gewillt etwas zu ändern und bei Versammlungen anwesend, „dann wird etwas beschlossen, aber nicht gezahlt, der Rest der Eigentümer reagiert auf Schreiben und Einladungen nicht.”
Seit 1977 ist Schulte selbstständig, erlebt habe er schon vieles, „sowas ist mir in all' den Jahren noch nie untergekommen”, sagt er, „wir stecken in einem echten Dilemma: Wo packen wir die Probleme an, wenn die Eigentümer selbst keinerlei Interesse zeigen.” Seit Ende 2008 hatte es bereits Schwierigkeiten mit der Heizung gegeben. Im Januar 2009 wurde dann noch einmal Öl eingekauft, das jedoch nicht bezahlt wurde. Als dieses „Geschenk” aufgebraucht war, sei es um die Wärme im Haus geschehen.
Zahlungsrückstände bei der Stadt Goch
Parallel dazu sammelten sich Zahlungsrückstände bei der Stadt Goch an, denen Schulte mit Ratenzahlungen versucht entgegenzuwirken, „damit hier demnächst nicht auch noch der Müll liegen bliebt.” Der „katastrophale Zustand” sei schließlich eingetreten, „doch wenn jetzt alle ausziehen, die Häuser komplett leer stehen, wird der Vandalismus einziehen. Das ist das Ende.”
Und jetzt? Aufgeben will er noch nicht. „Wir wollen noch mal versuchen, gegen einige Eigentümer zu klagen und sie zu Zahlungen zu zwingen. Wenn wir einen kriegen, können wir die nächsten zwei verklagen.” Der beste Weg, seiner Meinung nach: Einen Investor finden und bei Null anfangen. „Doch auch dazu sind nicht alle Eigentümer bereit.” Herr Skandal ist verdammt hartnäckig. Bleibt nur die Frage nach dem Warum.
10:27
verstehe nicht warum man nicht einfach auszieht kann ja nicht so schwierig sein,und dann mal an die leute die meinen in der ddr gabs das nicht und war alles besser,was macht ihr dann alle hier und tschüß sage ich da nur.........euch braucht keiner hier ohne euch war auch alles viel besser........
08:57
Bin zwar kein Eigentümer dort, aber wer die Wohnsituation dort kennt weiß das jeder weitere investierte Cent Verschwendung ist. Die Häuser sollten möglichst zügig freigezogen und dem Erdboden gleichgemacht werden.
12:33
@ holmark
Da hat es so vieles nicht gegeben. Schon vergessen ???
Die Vermieter kann man doch verklagen, Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung, Unterschlagung usw. Wenn der Erste in den Bau wandert werden die Anderen schon was machen damit sie nicht auch dort hin müssen....
21:18
ehe ich mir das antue ziehe ich aus
15:55
Dies ist auch eine Anfrage an die Politik. Die Stadt und die Fraktionen im Rat müssen sich mit dieser Situation befassen und schauen, ob eine Aktivität möglich ist. Als ich den Artikel gelesen habe, habe ich die Nachricht kaum glauben können. Hier kann sich schnell ein Schandfleck für die Stadt entwickeln. Dies erschlägt dann auch gute Nachrichten über neue Stadtteile wie die künftige Nutzung der ehemaligen Reichswaldkaserne.
Möglicherweise sind die Eigentümer der Wohnungen überhaupt nicht in der Lage zu investieren. Darauf haben ja schon einige der vorherigen Schreiber hingewiesen. Eine neue Eigentümerstruktur ist evtl. erforderlich. Sonst ist diese Ecke der Stadt dem Untergang geweiht. Kann da nicht die städtische Wohnungsbaugesellschaft helfen?
12:47
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
01:45
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
20:33
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
16:16
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
15:07
@holmark
Genau, wenn es in der DDR mal wieder keine Braunkohlebriketts zu kaufen gab, dann hat man eben irgendwas was anderes im Ofen verbrannt..
Wenn sich monatelang von seiten der Vermieter nichts mehr tut, dann sitze ich das doch als Mieter nicht aus.
Spätestens wenn der Winter naht, würde ich ausziehen.