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Neue Wege in der Pflege

03.10.2007 | 00:00 Uhr
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MEDIZIN. Herbert Hockauf möchte im Kalkarer Krankenhaus einen Studienzweig einrichten: Bachelor of Arts in Healthcare.

KALKAR. Wie sieht Pflege in 20 Jahren aus? Wie wird sich das Gesundheitssystem entwickeln? Fragen, auf die Dr. Herbert Hockauf Antworten geben will. Der 47-jährige Pflegewissenschaftler, der Lehrbeauftragter der Universität Witten-Herdecke und der Stein-beis-Hochschule Berlin ist, ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Hauptsitz Kalkar. Aus gutem Grund: "Ich wohne in Wissel und finde, Kalkar ist ein guter Standort", sagt Hockauf.

Stellenabbau ist kontraproduktiv

Einer, den er zum Studienstandort ausbauen will. Pflegekräfte sollen sich dort in Wochenendseminaren berufsbegleitend zum Bachelor of Arts in Healthcare qualifizieren können. "Ich bin zuversichtlich. Bis Ende nächsten Jahres wollen wir das hinkriegen", verdeutlicht der Kalkarer, der sein Büro in den Räumen des St. Nikolaus-Hospitals und ein weiteres im Gesundheits- und Pflegewissenschaftlichen Institut (GPI) in Essen hat, dessen wissenschaftlicher Leiter er ist. Sein Betätigungsfeld ist breit gefächert und beinhaltet vor allem Schulungskonzepte.

Laut einer Untersuchung der Deutschen Krankenhausgesellschaft sei weiterer Stellen-abbau geplant: "Nicht im Produkt-, sondern im Pflegebereich und im ärztlichen Dienst", schildert Hockauf. Das sei kontraproduktiv: "Der Pflegebereich wird immer mit der Industrie verglichen. Nach dem Motto: Früher haben 13 Mechaniker ein Auto zusammengebaut, heute genügt einer. Die Industrie greift auf Roboter zurück, das kann die Medizin nicht". Eine deutlich schlechtere medizinische Versorgung sei die Konsequenz. Dem könne durch eine stärkere Vernetzung der Pflegeberufe begegnet werde. Dazu müsste Pflege medizinische Leistungen übernehmen. "Das ist in anderen Ländern längst üblich."

Schaffung vernünftiger Strukturen ist für Hockauf ein weiterer Lösungsansatz. Beispiel: Immer mehr kranke Menschen würden zuhause gepflegt, immer mehr künstlich beatmet. Das erfordere eine Schulung der Angehörigen. Dafür müsste Pflegepersonal speziell ausgebildet werden.

Ambulante Rehabilitation werde in Zukunft ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt: "Man kann einem 90-Jährigen eine Hüfte einsetzen, das ist kein Problem. Allerdings muss die häusliche Nachsorge optimiert werden." Gleiches gilt für ihn in punkto Dokumentationen, die inzwischen rund 40 Prozent der Pflegetätigkeit in Krankenhäusern beanspruche. Dafür müssten praktikable Lösungen entwickelt werden.

"Es werden falsche Ziele gesetzt", sagt Hockauf mit Blick darauf, dass immer mehr Krankenhäuser Hotelcharakter bekommen. Bis hin zu Paradoxien: "Ein Essener Krankenhaus hat Minibars in die Nachttische eingebaut. Was dazu führte, dass Patienten im Kühlschrank ihre Schlappen deponierten". Das Geld sei in Pflege sinnvoller investiert. Pflege bewegt Deutschland: Motto einer bundesweiten Aktion, deren Initiator Herbert Hockauf ist. Dabei wird ein Krankenbett - das aus dem Kalkarer Krankenhaus stammt - von Helgoland bis zur Zugspitze bewegt. Ziel: Probleme bezüglich der pflegerischen Versorgung zu thematisieren. Gestern war das Krankenbett in Wiesbaden - Herbert Hockauf war dabei. Zu finden unter: www.Pflege-bewegt-Deutschland.de.

GABY BOCH

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