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Ist Wärmekonzept nur heiße Luft?

22.05.2012 | 10:18 Uhr
Ist Wärmekonzept nur heiße Luft?
Das Hallenbad Schneppenbaum in Bedburg-Hau. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Bedburg-Hau. Die Gemeindeverwaltung Bedburg-Hau hält die vorgestellten Pläne des Hallenbad-Fördervereins zur Senkung der Betriebskosten (wir berichteten) für zum Teil unwirtschaftlich und nur schwer umsetzbar. Auf Nachfrage der FDP-Fraktion teilte Gemeindekämmerer Georg Fischer mit, dass die vom Förderverein verwendeten Angaben zu den Betriebskosten nicht korrekt sind. In einer E-Mail entlarvt die Verwaltung das Wärmekonzept des Fördervereins quasi als heiße Luft.

Wie berichtet sieht der Vorschlag des Vereins vor, die Abwärme einer nahe gelegenen Biogasanlage für den Betrieb des Bades zu nutzen. Der Landwirt habe sich bereit erklärt, die Wärme zu liefern, sagte Ingenieur Michael Zumbrägel während einer Pressekonferenz.

Bedburg-Haus Bauamtsleiter Dieter Henseler soll aber jetzt aus einem Gespräch mit dem betroffenen Landwirt erfahren haben, dass dieser die Wärme seiner Biogasanlage zu 100 Prozent für die Erzeugung von Dünger selbst nutze. Er könnte nur Wärme liefern, wenn er seine Produktion herunterfahre. Auch die Verlegung einer 1,3 Kilometer langen Wärmeleitung sei vonnöten. Wärme zum Nulltarif gebe es nicht. Der Landwirt habe angegeben, dass die Pressemitteilungen des Fördervereins nicht korrekt seien und „so nicht besprochen“ worden sind.

Falsche Zahlen

Auch die Nutzung von Brauchwasser sieht die Verwaltung sehr problematisch, da ein komplett getrenntes Wassernetz aufgebaut werden müsste. Es seien umfangreiche Stemmarbeiten im Bad notwendig. Das Brauchwasser könne man nur für die Toilettenspülung nutzen. Eine solche Investition sei unwirtschaftlich. Eine Filtration des Wassers sei in der Anschaffung sehr teuer und auch im Unterhalt sehr kostenintensiv, so die Verwaltung.

Die vom Förderverein genannten Betriebskosten seien nicht richtig. Sie belaufen sich nicht auf 160 000 Euro, sondern auf 421 999,39 Euro. Nach Abzug der Erträge ergibt sich für 2011 ein Defizit in Höhe von 245 773,36 Euro. Die reinen Energiekosten belaufen sich für 2012 auf 129 000 Euro.

Bürgermeister Peter Driessen hält weiterhin eine Sanierung des Hallenbades für sinnvoll. In einem Schreiben teilt der Bürgermeister mit, dass die Finanzlage seiner Gemeinde keineswegs so schlecht sei, wie sie mitunter dargestellt werde: „Unser Vermögen – laut Eröffnungsbilanz – beträgt 92 Millionen Euro bei einer Eigenkapitalquote II von 84 Prozent.“ Die liquiden Mittel der Gemeinde betragen aktuell 4,3 Millionen Euro.

Es sei zudem absolut nicht richtig, dass die Gelder aus dem Forensikvertrag 2008 bereits aufgebraucht seien: „Bedingt durch die guten Jahresabschlüsse 2009 (Verbesserung zirka eine Millionen Euro) sowie dem des Jahres 2010 (Verbesserung 850 000 Euro) wurden weder die zuvor genannten Gelder in Höhe von 2,4 Millionen Euro noch die Ausgleichsrücklage in Höhe von vier Millionen Euro angegriffen.“ Zudem habe man im vergangenen Jahr einen Kredit in Höhe von 1,3 Millionen Euro abgelöst. Driessen rechnet damit, dass ein geschlossenes Hallenbad die Gemeinde trotzdem noch 103 000 Euro im Jahr kosten wird – unter anderem für Abschreibungen, den technischen Betrieb, die Heizung und Kreditzinsen.

Ein gemeinsamer Betrieb des Bades mit der Stadt Kleve bedinge einen Einstiegspreis zwischen einer und zwei Millionen Euro sowie einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 250 000 Euro, so Driessen. „Warum soll die Gemeinde Bedburg-Hau einen so genannten verlorenen Zuschuss in dieser Größenordnung an eine Nachbarstadt zahlen, diese damit ‘reicher’ und sich selbst ‘ärmer’ machen?“ Der Bürgermeister bemerkt zudem: „Es wäre logisch, wenn die Stadtwerke Kleve unser Hallenbad betreiben würden, denn auch – und ich betone auch – unsere Bürger zahlen über ihren Strom- und Wasserverbrauch das Hallen- und Freibad in Kleve.“

„Angaben sind nicht bekannt“

Die Bedburg-Hauer FDP fragte beim Kämmerer Fischer nach, woher der von Driessen genannte Einstiegspreis für eine Kooperation mit Kleve stamme. Bisher habe man im Rat nur gehört, dass von Seiten der Stadtwerke Kleve aufgrund steuerrechtlicher Bedenken kein Interesse an einer Kooperation bestehe. Die Antwort des Kämmerers: „Zu den gemachten Angaben kann weder von Seiten des ‘Fachbereiches Planen und Bauen’ noch von meiner Seite Stellung bezogen werden, da die Angaben nicht bekannt sind.“

Andreas Gebbink

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