In letzter Sekunde gerettet
22.08.2010 | 18:00 Uhr 2010-08-22T18:00:00+0200
Kreis Kleve. Rettungshundestaffeln probten am Wochenende den Ernstfall auf dem Truppenübungsplatz Materborn. Selbsttest der Journalistin als Fremdopfer.
Es regnet nicht. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte folgt sofort: Es kribbelt und krabbelt im hohen Gras des Standortübungsplatzes Materborn. Mücken leben auf in der schwül-warmen Luft und stechen mir in den Arm. An die vielen Zecken will ich lieber gar nicht erst denken. Und den Achtbeiner, der gerade dabei ist mir ins Gesicht zu krabbeln, den ignoriere ich wie ein Profi. Bin schließlich „Fremdopfer“ für die aktiven Mensch-Hund-Teams der Rettungshundestaffeln im Bund Deutscher Rettungshunde.
Ein Glöckchen kündigt Rettung an
Sie trainierten am Samstag mit rund 100 Vierbeinern ihre Einsatzfertigkeiten. Vier Teams von vier verschiedenen Staffeln hatten sich darauf eingelassen, mich zu suchen und zu finden.
Zurück zum simulierten Einsatz: Also ich werde gerade regungslos Opfer von kriechenden und summenden Insektenscharen, als ich ein leises Bimmeln höre. Der sanfte Ton kleiner Glöckchen kündigt nahende Rettung an. Denn die Hunde sind damit bestückt, um die Ortung zu erleichtern. Aber noch liege ich bewegungsunfähig und einer Ohnmacht nahe im Gras. Schleeecccckkk… Nicht gerade lecker so eine nasse Hundezunge, die einem übers Gesicht fährt. Aber eben die Rettung. Denn sie gehört zum neunjährigen Mischlingshund Anton, der solange heiser bellend vor mir sitzen bleibt, bis Frauchen Nicole Feldmann, Chefin der Weseler Rettungshundestaffel, an meiner Seite ist. Braaaver Hund… nun darf ich ihn bestätigen, sprich: belohnen. Eine ganze Dose Leckerchen, die Nicole Feldmann mir zuvor mit auf den Weg gab, passt in den mittelgroßen Retter auf vier Pfoten. Dafür macht er das, Menschensuchen.
Oder für Spielzeug, wie es der reinrassige Malinoisrüde Spyk tut. Als er mich bei einer späteren Suche im Brennesselfeld findet, darf ich ihm zur Belohnung einen Dummy – einen mit Leckerchen gefüllten Beutel hinwerfen. Und Frauchen Marion Lindow, Ausbilderin für Rettungshunde von der Johanniter Unfallhilfe, belohnt ihren Spyk nochmals mit Beutezerrspielen. Denn Motivation ist alles. Dafür und für ihre Hundeführer, zu denen sie eine enge Bindung haben, riskieren die Vierbeiner der verschiedenen Rettungshundestaffeln, die fast alle schon Ernstfälle hinter sich haben, in Feldern, Wäldern, Trümmern und unter extremen Bedingungen auch im Ausland sogar ihr Leben. So wie der sechsjährige Schäfermix Ronja vom BRH Bonn-Rhein-Sieg, der mit Katrin Frensch ein unschlagbares Team bildet. Kerstin Finke befindet sich mit ihrem dreijährigen Australian Shepherd Sina seit einem Jahr in der Ausbildung beim Arbeiter-Samariter-Bund. Im Laufe des kommenden Jahres steht hier die erste Rettungshundeprüfung an. Rettungshundeteams müssen übrigens die anspruchsvolle Prüfung alle 18 Monate wiederholen, um aktiv im (ehrenamtlichen) Rettungshundedienst bleiben zu können.
Jeder Sonntag gehört dem Training
Michael Gansert vom ASB führt selbst einen Berner Sennenhund und weiß, wie viel Engagament dazu gehört: „Jeder Sonntag gehört dem Training und der Ausbildung. Zusätzlich gibt es Großübungen, Fortbildungen u.v.m.“ So wie eben am vergangenen Samstag auf dem Standortübungsplatz Kleve-Materborn. Wer sich für die Rettungshundeausbildung interessiert: www.rhs-wesel.com.
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