„Es besteht Lebensgefahr!“
15.07.2010 | 18:54 Uhr 2010-07-15T18:54:00+0200
Kreis Kleve. In Goch herrscht nach Olivia Ausnahmezustand. Die Stadt sperrt Straßen, Parks und Spielplätze. Die Anwohner sind unvernünftig.
Am Tag eins nach Olivia zeigte sich in Goch, Pfalzdorf, Bedburg-Hau und Weeze das ganze Ausmaß der Schäden.Goch war bis gestern Mittag abgeriegelt. Um die Gustav-Adolf Schule lagen zahlreiche umgestürzte Bäume, der Nordring und die Pfalzdorfer Straße wurden abgeriegelt, bei einem Haus auf der Dr. Rütten-Straße hob die Windhose das komplette Dach ab - es setzte sich versetzt wieder auf die Mauern. 160 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
Die Stadtverwaltung hat bis auf weiteres alle Waldgebiete, Spielplätze und den Stadtpark gesperrt. Sprecher Torsten Matenaers bittet die Bevölkerung, sich an diese Verbote zu halten: „Es besteht akute Lebensgefahr!“ Gestern rissen Anwohner Verbotsschilder ab, Autos parkten an gefährdeten Stellen und Kinder spielten im Stadtpark.
In Pfalzdorf wurden Hunderte Häuser beschädigt und Dächer abgedeckt. In der Adam Becker Straße traf es nahezu alle Häuser: „60 Prozent meines Daches sind weg“, sagt Eugen Martens. Zudem ist der Schornstein kaputt, im Obergeschoss ist alles feucht, die Markise zerfetzt, das Trampolin und der Gartenzaun auch. „Das war schlimm“, sagt der Hausbesitzer resigniert. Sein Haus wurde notdürftig repariert. Auch bei den Nachbarn waren die Dachdecker aktiv: „Das war eine richtige Windhose. In Goch sind bei einem Neubau ganze Wände umgefallen“, erzählt Dachdecker Klaus Exner.
Schlimm getroffen hat es auch Bedburg-Hau. Claus Uffermann aus Qualburg hat Glück gehabt. Ein gewaltiger Straßenbaum an der Kalkarer Straße ist gut drei Meter neben seinem Haus umgefallen. „Das wäre sonst platt gewesen“, sagt der Qualburger Feuerwehrmann, der am Mittwoch selbst im Einsatz war.
Flugzeug umgeleitet
Das Sturmtief Olivia auch am Airport Niederrhein für Aufregung gesorgt. Eine Maschine der Gesellschaft XL Airways, die von Pristina kommend in Düsseldorf landen sollte, wurde nach Weeze umgeleitet. „Es war nicht ganz klar, wie viel Sprit das Flugzeug noch hatte“, sagte gestern Christian Bork vom Weezer Tower.
Deshalb sei um 20.39 Uhr als die so genannte „Foxtrott“-Alarmierung ausgelöst worden. Außer der Flughafen-Feuerwehr, seien demnach weitere drei Feuerwehren aus der Nachbarschaft beordert worden. „Der Pilot hat alles richtig gemacht“, sagte gestern XL-Sprecher Asger Schubert. Hintergrund für die Alarmierung sei gewesen, dass Maschinen, wenn sie nicht landen können, noch genug Sprit für zwei Ausweich-Flughäfen an Bord haben müssen. Nach einigen Warteschleifen in Düsseldorf seien Pilot und Tower auf Nummer sicher gegangen, hieß es.
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