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Protest

Bauern bringen Rees zum Stillstand

17.06.2009 | 07:41 Uhr
Bauern bringen Rees zum Stillstand

Kreis Kleve. Auf ihrem Protestzug nach Brüssel legten Landwirte einen Stopp in Rees ein. Ihre Forderung: Höhere Milchpreise.

Um 10.15 Uhr ist die Engelsstraße in Kleve-Reichswalde für Pkw dicht. „Die Polizei hat alles abgeriegelt”, erklärt Elmar Hannen. Stattdessen geben die Ordnungshüter den Weg für große Traktoren frei, sie rollen hupend von Hannens Hof. „Gute Fahrt! Und tritt Angie auf die Füße!”, ruft Landwirt Elmar Hannen noch Günter Böckmann nach.

Existenznöte

Der Bauer aus dem schleswig-holsteinischen Hornbek ist einer der vielen Landwirte aus der ganzen Nation sowie aus Holland und Belgien, die sich gegen die Dumping-Preise bei der Milch zur Wehr setzen. Morgen und Übermorgen wollen sie mit ihren Traktoren in Brüssel vorfahren, um auf ihre Existenznöte aufmerksam zu machen.

Das geht nicht zum Nulltarif. „500 Euro, wenn nicht mehr, kostet mich die Aktion”, überschlägt Heino Weyhofen. Der Sonsbecker sieht aber keine andere Chance, die Politiker zum Umdenken zu bewegen. „Die Mengensteuerung muss flexibler gehandelt werden”, sagt der 35-Jährige. Heißt: Die Politik soll die Milchquote wieder stärker zurückfahren, damit weniger Milch produziert wird. Und somit der Preis für das Lebensmittel wieder steigt. Die Nacht hat Heino Weyhofen nicht in Reichswalde im Stroh oder im Zelt verbracht. „Als Sonsbecker bin ich natürlich nach Hause gefahren”, sagt er. Aber den Abend hat er mit den mehr als 300 Landwirten auf dem Hof von Hannen verlebt.

Hintergrund
Heute erreichen die Landwirte Brüssel

Ziel der demonstrierenden Bauern in Brüssel ist die Ministerratskonferenz am 17. und 18 Juni.

Dort soll es darum gehen, die Milchmengen wieder zurückzufahren.

Dort hatten sich mehr als 300 Milchbauern eingefunden, die weiteste Anreise hatten einige Landwirte, deren Betrieb nahe der polnischen Grenze liegt. „295 Traktoren hat die Polizei am Reeser Kreisverkehr gezählt”, weiß Hannen. Einige Landwirte sind später noch mit ihren Gefährten dazu gestoßen. 23 Uhr war es, als die Traktoren über den Engelsstraße rollten. Danach wurde noch debattiert, vor allem aber gegrillt. „Natürlich gab es auch Milch und Yogurt”, sagt Weyhofen auf Nachfrage schmunzelnd.

Hannen hockt wenig später mit Jürgen Tenter, Vorsitzender des Bundesverbandes „Das bessere Müll- und Pfandkonzept Deutschland”, zusammen. Das Thema ist die Klage, die Hannen heute beim Landgericht in Düsseldorf einreichen will (NRZ berichtete). Die Klage stützt auf Wettbewerbsverzerrung durch den Grünen Punkt. „Bauern wie Hannen sind benachteiligt gegenüber denjenigen, die direkt vermarkten”, sagt Tenter.

Die Industrie gebe statt tatsächlich verbrauchter 30 Stück Verpackungen pro Tag und Einwohner nur drei an. Und zahle auch nur dafür. Laut Tenter führt das dazu, dass Bauern zehn Cent je Liter Milch mehr Gewinn erzielen müssten.

Maria Raudszus



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