Auf Socken in der Abflughalle
31.12.2009 | 12:01 Uhr 2009-12-31T12:01:00+0100
Weeze. Ganz sicher – mit seinem Plastikgewehr wäre der kleine Junge auch vor dem Rummel um das versuchte Flugzeugattentat von Detroit nicht durch die Sicherheitskontrolle des Weezer Flughafens gekommen. Auch die Dame mit den Handschellen aus rosa Plüsch nicht.
„Wir haben vorher genauso streng kontrolliert wie jetzt”, sagt Claus Buschfeld, Luftsicherheitsbeauftragter des Airports Weeze.
Passagier Michael, der seinen Nachnamen nicht nennen mag, kann das bestätigen. Der Mann schäumt vor Wut. „Weeze ist eine Katastrophe”, mault er, der sich gerade von seinem Schweizer Taschenmesser verabschieden musste. „Nirgendwo wird so extrem kontrolliert wie hier. Auf dem Hinflug von Mallorca nach Weeze durfte ich das Messer im Handgepäck mitnehmen.”
Claus Buschfeld hat für solchen Ärger nur ein Achselzucken übrig. „Ich bin immer noch erstaunt, was die Leute an gefährlichen Gegenständen so alles mitschleppen”, sagt er. „Wir haben unsere Vorschriften. Was gefährlich ist, bleibt hier.” Punkt.
Mit dem Laptop ins Nebenzimmer
Dafür sorgen in Weeze die rund hundert Mitarbeiter der Firma STI (Security Training International), die im Auftrag der Bezirksregierung die Fluggäste kontrollieren. Jeder, der schon einmal geflogen ist, kennt die Prozedur. Handgepäck, Geldbörse, Schlüssel aufs Band legen. Jacke, Mütze, Gürtel ausziehen und langsam durch den Metalldetektor gehen, während nebenan das Gepäck auf dem Band durchleuchtet wird.
Es piepst. Unüberhörbar. Also: Arme ausbreiten für die Dame mit der „Handsonde”. Erst fährt sie den Körper mit dem Gerät ab, dann wird getastet. BH-Verschluss, Hosenbund, alles ok. Jetzt die Stiefel ausziehen und auf Socken abwarten. Die Schuhe müssen noch einmal durch das Röntgengerät. Nichts Gefährliches drin – dann flott alles wieder anziehen und gute Reise. Es sei denn, man hat technische Geräte dabei. Zum Beispiel einen Laptop. Der wird in einem Nebenraum auf Sprengstoff untersucht.
Eine haarige Angelegenheit
So weit die übliche Prozedur. In die kleine Holz-Kabine hinter der Kontrollstelle mussten wir gestern glücklicherweise nicht. „Die wird nur ganz selten gebraucht”, so Buschfeld. Wenn der Verdacht besteht, dass ein Passagier doch ganz eng am Körper etwas versteckt hat. Hinter einem Vorhang müssen dann auch schon mal die Hosen komplett herunter gelassen werden für eine besonders intime Leibesvisitation.
Apropos: Claus Buschfeld ist ein Befürworter der zurzeit so heftig diskutierten „Körperscanner”, die Passagiere nackt zeigen. „Das ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, dass man wirklich alle versteckten Dinge entdeckt”, meint der Sicherheitsbeauftragte.
So lange es diese Geräte nicht gibt, wird in Weeze weiterhin eng am Körper gearbeitet. Das sorgt bei allem Ernst immer mal wieder für skurrile Situationen. Zum Beispiel bei der Kontrolle einer Dame, die sich eigens für ihre Urlaubsreise eine kunstvolle Hochsteckfrisur hatte machen lassen. Eine haarige Angelegenheit: „Wir können nicht anders, wir müssen in den Dutt greifen und schauen, ob dort etwas versteckt ist”, erklärt Buschfeld. Flug gesichert, Frisur ruiniert.
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