Arbeitsmarkt gibt keinen Grund zum Optimismus
21.06.2010 | 18:55 Uhr 2010-06-21T18:55:00+0200
Kreis Kleve. Klingt zunächst positiv, der Jahres- und Monatsbericht zu Hartz IV: Weniger Bedarfsgemeinschaften – sprich Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind – und hohe Vermittlungserfolge. Landrat Spreen warnt jedoch: „Es gibt keinen Grund zum Optimismus.“
Weniger Bedarfsgemeinschaften –sprich Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind – hohe Vermittlungserfolge. Hört sich positiv an. Allerdings nur mit Blick auf die Bilanz der letzten zwei Monate. „Es gibt keinen Grund zum Optimismus. Leider“, konstatierte Landrat Wolfgang Spreen gestern. Die Zahlen der letzten Monate würden dafür sprechen, „dass wir uns auf einem viel zu hohem Niveau bewegen.“
Aktuell seien 7972 Familien auf Hartz IV angewiesen – 87 weniger als im April. 332 Langzeitarbeitslose konnten im Mai in Arbeit vermittelt werden – u. a. 155 in Vollzeit, 52 in Teilzeit, 113 in geringfügige, sechs in Saisonbeschäftigung. Zwei absolvieren eine Ausbildung. „Dadurch wurden 121 Menschen mit ihren Familien wieder unabhängig vom Arbeitslosengeld II“, betonte Landrat Spreen.
Kleve ist Spitzenreiter
Mit 44 Familien pro 1000 Einwohner ist Kleve im Mai nach wie vor Spitzenreiter bei den Langzeitarbeitslosen. Kranenburg bildet mit 6,4 das positive Schlusslicht. 2009 verzeichneten Weeze mit 21,16 und Goch mit 18,92 Prozent den höchsten Anstieg.
Wenig positiv liest sich die Jahresbilanz für 2009. Es sei ein turbulentes Jahr gewesen, das von wirtschaftlicher Rezession geprägt war: „Es ist davon auszugehen, dass die schwierige Wirtschaftslage sich auch noch deutlich auf das kommende Jahr auswirken wird“, so Landrat Spreen.
Arbeitsmarktlage wird sich vorläufig nicht entspannen
Zahlen der Regionalagenturen würden dafür sprechen, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt vorerst keineswegs entspannen werde: „Es ist zu erwarten, dass diese Entwicklung zeitverzögert auf den Kreis Kleve als Träger der Grundsicherung durchschlagen wird“, prognostiziert Wolfgang Spreen. 7631 Familien waren Ende 2009 auf Hartz IV angewiesen. Positiv bewertet Landrat Spreen die Tatsache, dass davon 45,7 Prozent über eigenes Einkommen verfügen, das allerdings zur Bestreitung des Lebensunterhaltes nicht ausreiche: „Häufig wird unterstellt, dass die Bereitschaft sich ernsthaft um Arbeit zu bemühen, nicht ausgeprägt sei. Dass sich fast die Hälfte derjenigen, die erwerbsfähig sind, um Arbeit bemüht hat, belegt das Gegenteil.“
Von 2005 bis 2009 konnten laut Jahresbericht 19 205 Arbeitssuchende vermittelt werden – davon 3165 im Jahre 2009. Was allerdings im Vergleich zu 2008 einen Rückgang von 22,6 Prozent bedeutet. „Hier zeigte sich die Auswirkung der Wirtschaftskrise deutlich“, unterstrich gestern Spreen.
Die Zunahme bei den Hartz-IV-Empfängern ließen die Ausgaben um 5,3 Prozent auf insgesamt 98,8 Millionen Euro steigen. Statistisch gesehen zahlt damit jeder aktiv Beschäftigte im Kreis davon 1313 Euro.
Jahresbericht unter www.kreis-kleve.de abrufbar.
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