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Das letzte Stündlein schlägt

15.06.2012 | 17:00 Uhr
Das letzte Stündlein schlägt
In drei Wochen wird dieses Bild der Vergangenheit angehören: Die Stadtbibliothek Eickel im Sud- und Treberhaus schließt am 6. Juli für immer die Pforten - so wie auch die Stadtteilbibliothek in Sodinge. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool

Herne.   Am 6. Juli schließen die Stadtteilbibliotheken in Eickel und Sodingen unwiderruflich. Eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Handzettel und Plakate sind gedruckt, die Transportkisten geordert: Am 6. Juli schlägt die letzte Stunde der Stadtteilbibliotheken in Eickel und Sodingen. „Es fällt uns sehr, sehr schwer, die Stadtteilbibliotheken aufzugeben“, macht Karin Anlauf keinen Hehl aus der gedrückten Stimmung in den Einrichtungen - auch in den Hauptbibliotheken Wanne und Herne-Mitte, die bestehen bleiben. Die Leiterin der Stadtbibliothek ist sich sicher, manchen Leser zu verlieren: „Wir haben schon einen Rückgang bemerkt, seit die Schließung 2010 bekannt wurde“, sagt sie. „Manche waren richtig sauer.“ Die Stadtteilbibliotheken seien eben nicht nur eine Stelle, wo Bücher und andere Medien ausgeliehen werden, sondern auch Treffpunkt im Stadtteil, die nun fehle. Dennoch hofft sie, dass das Gros der Nutzer treu bleibt - oder wiederkehrt.

Die Nutzer

2011 besuchten 17 053 Leser die Bücherei in Sodingen, 12 155 die in Eickel. In Sodingen liehen sie 30 047 Medien aus, in Eickel rund 26 000. Etwa 50 Prozent der Büchereibesucher in Sodingen und Eickel sind Kinder und Jugendliche. Bis zum letzten Tag, Freitag, 6. Juli, können in den Stadtteilbibliotheken Medien entliehen werden, zurückgeben müssen die Nutzer sie in den Hauptstellen. Die Bibliotheksausweise bleiben gültig.

Die Mitarbeiter

Die Personalstellen bleiben unangetastet, die Mitarbeiter der Stadtteilbibliotheken wechseln in die Hauptstellen in Herne oder Wanne, wo die Stellen entweder schon frei sind oder in Kürze durch Altersteilzeit frei werden.

Die Vorlesepaten

Die Vorlesestunden für Kinder sollen weitergehen. In Eickel ist dazu geplant, im Bürgersaal des Sud- und Treberhauses mit Paravents eine Vorleseecke abzutrennen, was bereits mit Vorlesepatin Sibylle Mandera abgestimmt sei, so Anlauf. Für Sodingen zeichnet sich eine Lösung im Jugendzentrum „Die Wache“ ab, wo ein Raum zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Mitarbeiter des Jugendzentrums ständen den Überlegungen sehr offen gegenüber, so Karin Anlauf.

Die Bücher und Medien

Aktuelles aus den letzten zwei, drei Jahren wird in die Bestände in Wanne und Herne integriert; Kinder- und Jugendbücher kommen entweder in die Hauptstellen, in den Bestand der Junior-Fahrbibliothek oder stehen auch als „Blockausleihe“ für Schulen zur Verfügung. Die Lagerkapazitäten sowohl in Herne als auch in Wanne sind begrenzt; deshalb finden zurzeit Gespräche mit verschiedenen Einrichtungen statt, die Interesse an der Übernahme von Beständen haben könnten, z.B. Schulen oder auch Seniorenheime. Nach den Sommerferien ist ein Flohmarkt für die Restbestände geplant.

Das Mobiliar

Regale und andere Möbel in Eickel sind aus dem gleichen Programm wie die in Herne und werden deshalb in die Hauptstelle im Kuz übernommen. Sie ersetzen dort das alte Mobiliar der Kinder- und Jugendbibliothek und des Lesesaals. Der Umbau soll an einem Mittwoch, dem „Ruhetag“, erfolgen. Aus Sodingen werden nur die Präsentationsmöbel übernommen. Die speziell für die Sodinger Bibliothek maßgefertigten Regale und Möbel passen weder nach Herne noch Wanne und werden verkauft.

Gabriele Heimeier

Kommentare
25.07.2012
18:59
Das letzte Stündlein schlägt
von ruhrgebietsschreiber | #1

Traurig, wirklich traurig. Und was machen nun die Menschen, die nicht das nötige Kleingeld für den Bus haben, um zur Bibliothek nach Wanne oder Herne zu kommen? Was machen die Menschen, die zwar selbstständig ihr Leben in die Hand nehmen, aber nun nicht die Kraft haben, um zur nächsten Bibliothek zu gelangen? Aber Hauptsache die Gelder fließen "schön" in den Osten, nach Griechenland, nach Spanien usw.! Vielen Dank, EU, vielen Dank Frau Merkel :-(

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2012-06-15 17:00
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