Label aus Dinslaken veröffentlicht Punk auf Vinyl
05.08.2010 | 11:55 Uhr 2010-08-05T11:55:00+0200
Dinslaken. Das Dinslakener Label „Knock Out Records“ ist auf Punkrock spezialisiert. Und bringt nach wie vor Musik auf der guten alten Schallplatte heraus - für den Markt in Europa und in den USA.
Vom Demotape für den Kassettenrekorder zum Online-Shop. Im Bereich der Kreativwirtschaft haben in der Musikbranche mit die größten Umwälzungen stattgefunden. Von bestimmten Sparten muss man sogar sagen, dass sich die Technik, mit der sie verbreitet wird, und das Konsumverhalten ihrer Hörer radikaler verändert hat als die Musik selbst. Doch manches lieb gewonnene bleibt, findet nicht nur seine Sammler, sondern auch Unternehmer, die dafür mit Herzblut eine Nische auf dem Markt pflegen. Wie die gute alte Schallplatte, neudeutsch Vinylplatte.
Firmeninhaber mit Künstlername
„Knock Out Records“ legt nach wie vor Schallplatten auf. Doch dies allein wäre keine Grundlage, auf dem Markt zu bestehen. Knock Out Records bedient zwar die verhältnismäßig kleine Sparte Punkmusik, dies jedoch in Europa und den USA. Der Sitz des Labels: die Innenstadt von Dinslaken. Dort unterhält Mosh, Firmeninhaber mit Künstlernamen, sein Büro, sein Lager und beschäftigt eine Mitarbeiterin.
Gegründet hat er Knock Out 1989. Mosh steckte schon zuvor in der Szene, kümmerte sich darum, dass Kassetten von Bands, die auf Tour waren, in die Plattenläden von Duisburg und Krefeld kamen. Das Interesse der Fans war da, doch fehlte es vielen Bands schlicht an der Möglichkeit, ins Studio zu gehen und eine Platte zu machen.
Da Mosh nun viele Bands und auch einen Studiobetreiber kannte, beschloss er, selbst Schallplatten zu produzieren. Und was auf dem ersten Blick noch nach unbekümmerter Punk-Attitüde nach dem Motto „Jeder kann es tun“ klingt, entwickelte sich bald zu einem soliden Unternehmen.
Acht Label-Sampler
Denn: „Wenn man 1000 Platten mit demselben Titel zu Hause stehen hat, wird man schnell erfinderisch“, weiß der Label-Chef. Mosh inserierte in deutschen, britischen und amerikanischen Magazinen und Fanzines, knüpfte Kontakte zu anderen Mini-Labels. „Die erste Zeit, bis 1993, hatte ich noch einen ,normalen’ Job“, erinnert er sich. Inzwischen hat Knock Out Records allein acht randvolle Labelsampler mit eigenen Produktionen veröffentlicht.
Große Risiken darf ein Independent-Label in Zeiten der illegalen Musikdownloads nicht eingehen. Newcomerbands, die die ersten Konzerte im Lokalbereich absolviert haben, vielleicht auch schon im Vorprogramm bekannterer Bands auftraten, räumt er kaum Verkaufschancen und damit eine Marktfähigkeit ein. „Eine Band muss mindestens bereit sein, zum Album ein oder zwei Touren zu spielen.
ock Out Records sichert sein Bestehen durch die Zusammenarbeit mit etablierten Bands, durch die Veröffentlichung von Vinylplatten oder Neuveröffentlichungen vergriffener Alben in Lizenz. Und passt sich dem veränderten Konsumverhalten der Fans an. Die Musik spielt zunehmend im Internet und im Live-Konzert. „Es gibt heute Jugendliche, die kennen den Plattenladen, wo man sich unterm Kopfhörer neue Alben anhört und zur Verkäuferin ruft: , Mach mal Stück 3 an’ gar nicht mehr.“
Mehr Kaffeetassen als Platten
Mit einem Partner betreibt Mosh einen Online-Shop als GbR, neben dem Tonträgerverkauf setzt er verstärkt auf Merchandising-Produkte: „Wir haben von einigen Bands mehr Kaffeetassen verkauft als von anderen Platten“.
Bleibt da noch Platz für den „Rock’n’Roll-Spirit“ im Punk? „Ich organisiere für meine Bands auch Touren und begleite sie mit einem Helfer“, sagt Mosh, der im nächsten Jahr mit der Band Bad Co. Project nach Japan fliegt. „Das sind immer wieder Sachen mit hohem Spaß-Faktor".
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