Hertie-Haus kurz vor dem Verkauf
04.12.2008 | 19:59 Uhr 2008-12-04T19:59:58+0100IMMOBILIEN. Neuer Eigentümer und Verkäufer wollen vor Weihnachten zum Notar. FDP: Rat soll Vorkaufsrecht an sich ziehen.
DINSLAKEN. Das Dinslakener Hertie-Haus steht kurz vor dem Verkauf, soll noch in diesem Jahr den Eigentümer wechseln. "Wir gehen davon aus, dass wir vor Weihnachten zum Notar gehen", sagte gestern Christoph Meyer, zuständiger Bereichsleiter bei Atisreal. Das Unternehmen vermarktet die Hertie-Liegenschaften, 61 Warenhausstandorte stehen zum Verkauf. Zu denen, die noch im laufenden Jahr den Besitzer wechseln sollen, gehört das Dinslakener Haus. Laut Meyer habe man bereits seit August Kontakt zu einem Interessenten, der sich kurz nach der Hertie-Insolvenz gemeldet hatte. Wer der künftige Eigentümer ist, wollte Meyer gestern nicht verraten, es handele sich um einen Investor "mit überregionalen Interessen".
Wichtig: Für das Geschäft Hertie und sein Warenangebot ändert sich zunächst nichts, lediglich der Eigentümer des Hauses wechselt (s. Hertie bleibt Mieter). Für die Innenstadtentwicklung kann der Eigentümerwechsel aber bedeutungsvoll sein. Für den ersten Bauabschnitt des Einkaufszentrums, das derzeit am Hans-Böckler-Platz geplant wird, ist die Anbindung an die Innenstadt wichtig. Die kann eigentlich nur gelingen, wenn das Einkaufszentrum über den Platz, auf dem heute Hertie steht, in Richtung Neustraße erweitert wird.
Stadt muss sich neutral verhalten
Wer das Hertie-Haus kauft, hält damit ein Stück Innenstadtentwicklung in der Hand. Gerüchte, dass einer der vier Investoren, die noch im Rennen um die Bebauung des Hans-Böckler-Platzes sind, auch der Hertie-Käufer ist, erhärteten sich bislang nicht. Dennoch dürfte der Gewinner der europäischen Ausschreibung um den Böckler-Platz gerne in der Rolle des neuen Eigentümers sein, weil die weitere Entwicklung deutlich einfacher würde. So muss sich letztendlich die Stadt, die sich in der Sache neutral verhalten muss, um keinen der Bewerber für die Böckler-Platz-Bebauung zu bevorteilen, mit dem neuen Eigentümer des Hertie-Hauses auseinandersetzen. Ob dieser die Immobilie selbst entwickeln und weiter vermieten oder verkaufen will, weiß im Moment niemand.
Die FDP will derweil verhindern, dass der neue Eigentümer des Hauses die Innenstadtentwicklung be- oder gar verhindert. Und stellt für die nächste Ratssitzung den Antrag, dass der Rat das städtische Vorkaufsrecht an sich ziehen soll. Das könne er, weil es ein dringendes öffentliches Interesse an der Innenstadtentwicklung gebe, so die FDP. Die Stadt soll das Grundstück vorübergehend kaufen, es dann an den Investor, der den Zuschlag für das Einkaufszentrum (oder zumindest den zweiten Bauabschnitt) erhält, weiter verkaufen. Ganz so sicher ist man sich in Sachen Vorkaufsrecht in der Stadtverwaltung noch nicht: Man prüfe vorerst, ob der Kaufvetrag an Hertie aus den 60er Jahren ein Vorkaufsrecht der Stadt beinhalte, hieß es gestern aus dem Rathaus.HERTIE BLEIBT MIETERDas Warenhaus Hertie und die Hertie-Immobilien befinden sich in unterschiedlichen Gesellschaften und sind voneinander unabhängig. Hertie hat für das Haus am Neutorplatz einen langfristigen Mietvertrag, an den sich im Falle des Verkaufs auch der neue Eigentümer halten muss. Ob Hertie seine Niederlassung in Dinslaken behalten will, entscheidet ein Insolvenzverwalter, der sich noch nicht zur Standortfrage geäußert hat. (kub)
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