Die Gesamtschule wird aufgelöst
21.02.2011 | 20:11 Uhr 2011-02-21T20:11:00+0100
Voerde.Nun ist es offiziell: Die Gesamtschule Voerde wird sukzessive aufgelöst, läuft aus. Das beschloss am Montag mit großer Mehrheit der Rat der Stadt.
So lange und heftig die Angelegenheit auch diskutiert worden war, am Ende trafen die allermeisten Ratsmitglieder die Entscheidung spürbar schweren Herzens: „Diese Drucksache hat sich niemand gewünscht“, hatte Schulausschuss-Vorsitzende Ulrike Schwarz (SPD) ihre Ausführungen eingeleitet. Dann erinnerte sie noch einmal daran, dass ausschließlich die zurückgehenden Schülerzahlen Anlass dafür waren, die Gesamtschule jetzt auslaufen lassen zu müssen.
Auch in diesem Jahr hätte es wieder nicht gereicht, die Schule mit 112 Anmeldungen lebensfähig zu halten, eine weitere Duldung der Situation seitens der Bezirksregierung hätte es nicht gegeben.
Nachdem die Möglichkeiten, mit der Hünxer Gesamtschule zu kooperieren, eine Verbundschule zu gründen oder die Zügigkeiten an Gymnasium und Realschule zu beschränken, in Sackgassen geführt hatten, sei die Auflösung der Schule der letzte, schwere Ausweg gewesen.
Das Konzept bleibt gut
Der Schritt, so Schwarz, falle deshalb besonders schwer, weil man nach wie vor zum Konzept der Gesamtschule stehe, da hier alle Schüler ein Angebot finden können, zudem das Abitur nach 13 Jahren weiterhin möglich ist. „Wir bedauern den Wegfall einer kompletten Schulform“, sagte auch CDU-Fraktionschef Hans-Dieter Langenfurth, der sich den Ausführungen von Ulrike Schwarz anschloss.
„Am liebsten würde ich dagegen stimmen“, kommentierte Holger Mrosek (Grüne), auch Linke und FDP bedauerten das aus ihrer Sicht unvermeidbare Aus der Gesamtschule, die nun über mehrere Jahre hinweg auslaufen wird.
Einzig Christian Garden (WGV) stemmte sich gegen den Beschluss, sorgte mit seinen Ausführungen für Unruhe. Man habe Alternativen gesehen, die Stadtverwaltung indes habe nicht immer einen fachlich qualifizierten Eindruck gemacht. Auch wegen der letztlich nicht verwirklichten Ideen (Kooperation mit Hünxe, Begrenzung der Zügigkeit) seien nun viele Eltern stark verunsichert, so Garden. Die WGV stimmte gegen den Beschluss.
Sowohl die Verwaltung als auch die anderen Fraktionen verwehrten sich gegen Gardens Vorwürfe, nannten sie unsachgemäß, unangemessen, teils unerträglich. Erwartungsgemäß wurde auch der WGV-Antrag zur Errichtung einer Gemeinschaftsschule abgelehnt.
Eltern künftig stärker einbeziehen
Gleichwohl signalisierten die anderen Fraktionen Bereitschaft, Eltern künftig stärker in schulpolitische Überlegungen einzubeziehen, was im Falle der Gesamtschule aufgrund des zeitlichen Drucks nicht möglich gewesen sei. Beschlossen wurde indes das Konzept, Schüler mit Hauptschulempfehlungen an der Realschule aufzunehmen, sie dort mit besonderen Förderungen zu einem Abschluss zu bringen: „Die Realschule verspricht eine neue Kultur des Behaltens“, formulierte Ulrike Schwarz die Hoffnung, dass auch künftig alle Schüler in Voerde eine passgenaue Schule finden sollen und niemand abgelehnt wird.
Die anderen Fraktionen wollten sich ebenfalls darauf konzentrieren, der Realschule für ihr neues Konzept zur Seite zu stehen, wollen den Gang der Dinge positiv, gleichwohl kritisch begleiten. Dieses Konzept sei für ihn nicht das beste, sondern das am wenigsten schlechte, konstatierte etwa Holger Mrosek, der - wie alle anderen - die praktische Umsetzung der Theorie mit Spannung erwartet. Am Mittwoch soll das beschlossene Realschul-Konzept im Rahmen einer Pressekonferenz detailliert vorgestellt werden.
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