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Streit um Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod"

18.09.2009 | 11:49 Uhr
Streit um Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod"

Mülheim. Mit der Entschlossenheit, das Fassbinder-Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" aufzuführen, setzt sich Roberto Ciulli zwischen alle Stühle. Zentralrat der Juden und die jüdische Gemeinde appellieren erneut an das Theater, das Stück nicht zu zeigen. Am Sonntag gibt es dazu eine Matinee.

Einen Skandal um das umstrittene Fassbinder-Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod”, nein, das möchten weder der Zentralrat der Juden in Deutschland, noch die Jüdische Gemeinde. Protestaktionen am Theater werde es nicht geben. Dennoch verschärfte sich gestern der Ton zwischen beiden Seiten. Nach einem Probebesuch bekräftigte Gemeindevorsitzender Jacques Marx: „Wir sind absolut gegen dieses Stück.” Das Theater reagierte verärgert. Es bleibt beim Aufführungstermin.

Davor hatte gestern der Zentralrat eindrücklich gewarnt. Dessen Generalsekretär, Stephan Kramer, erklärte: „Der Versuch von Regisseur Roberto Ciulli, im Rahmen seiner Neuinszenierung einen mahnenden Charakter gegen Antisemitismus und die Verbreitung von Klischees und Vorurteilen gegenüber Juden aus dem Fassbinder-Stück zu gewinnen, ist, trotz erkennbarer Anstrengungen, gescheitert.” Aus Respekt vor den Überlebenden des Holocaust und den Millionen von Toten sei auf die Aufführung des Stücks zu verzichten.

Bewusster und unbewusster Antisemitismus

Vom Theater kam eine knappe Antwort. Die Erklärung entspreche keinesfalls dem Inhalt, der von der Gemeinde und dem Zentralrat angekündigt wurde und sei auch nicht vor Veröffentlichung ans Theater weitergeleitet worden. „Die Nicht-Einhaltung dieser Verabredung überrascht uns. Zudem war das Resultat des eigentlich konstruktiven Dialogs ein anderes.” Welches Resultat? Das wollten trotz Nachfragen weder Roberto Ciulli noch Helmut Schäfer sagen. Man werde sich im Rahmen einer Matinee am Sonntag äußern. Kurze Zeit später ergänzte das Theater, man sei sich sicher, durch die Aufführung „bewussten und unbewussten Antisemitismus als ein nach wie vor vorhandenes Faktum der bundesrepublikanischen Wirklichkeit festzustellen”. Marx reagierte konsterniert: „Die wollen einfach nicht einsehen, dass wir dagegen sind.”

Mit ihrer Ansicht steht die Jüdische Gemeinde inzwischen nicht mehr allein. Aus Reihen der christlichen Kirchen mehren sich kritische Stimmen. Der Sprecher des sozialethischen Ausschusses der evangelischen Kirche, Ulrich Schreyer, bat „die Freunde vom Theater eindringlich, ihre Haltung zu überdenken.” Der eintretende Schaden stehe in keinem Verhältnis zum künstlerischen Anspruch. Für den Fall, dass „jüdische Mitbrüder” sich in ihren Gefühlen verletzt zeigten, sieht er für die evangelische Kirche nur einen vertretbaren Standpunkt: „an ihrer Seite.”

Provokation durch Fäkalsprache oder Nacktheit

Der Streit um die Aufführung von Rainer Werner Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" eskaliert. (c) AFP

Mittlerweile ist auch die Stimmung in der Politik zwiegespalten. „Sobald die Gefühle jüdischer Menschen verletzt werden, würde ich persönlich das Stück nicht spielen”, sagte etwa der Vorsitzende des Kulturauschusses, Johannes Brands (CDU). Das sei unabhängig davon, ob das Stück antisemitsch sei oder nicht. „Aber ich möchte Intendanten keine Ratschläge erteilen. Die Kunst ist frei. Roberto Ciulli und Helmut Schäfer müssen dann aber auch das Risiko tragen.” Constanze Paffrath (CDU) sieht das anders. „Ich vertraue Roberto Ciulli. Der mündige Zuschauer kann selbst entscheiden, ob er sich das anschauen möchte oder nicht. Alles andere wäre Zensur in hohem Maße. Ich frage mich, warum sollen wir es nicht ertragen können und in allen anderen Ländern, einschließlich Israel wird es gespielt? Das ist wie mit Wagner und Daniel Barenboim.” Der Dirigent jüdischen Glaubens hatte erstmals in Israel öffentlich Wagner gespielt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Wiechering plädiert dagegen klar für eine Absetzung. „Das ist mehr als eine Provokation durch Fäkalsprache oder Nacktheit. Hier werden Gefühle verletzt.” Bei jedem normalen Stadttheater würde auch Brigitte Mangen (FDP) sagen, „lasst die Finger weg”. Das Theater an der Ruhr habe aber bewiesen, dass es auch heikle Themen bewältigen könne. „Fassbinder und Ciulli, das passt. Da habe ich keine Bedenken.”

Steffen Tost und Detlef Schönen

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Kommentare
21.09.2009
02:34
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von Milena | #24

Würde das Stück von Fassbinder die Würde des Menschen verletzen, wäre es nicht in Israel und weltweit aufgeführt.Vielleicht ist das Stück unbequem, aber das sollte eine Demokratie aushalten.Unbequeme Kunst durch massiven Druck scheitern zu lassen, wie es hier wiederholt vorkam, ist und bleibt Zensur. Der ZDJ hätte suverän handeln müssen. Er hat der Aufführung eine ungewollte PR geschenkt, die seines gleichen sucht. Eigentlich müsste sich die Theaterleitung beim Zentralrat bedanken. Ob die Basis der Juden in Deutschland über die Vorgehensweise ihrer Räte so glücklich ist? Ich denke, nein.

20.09.2009
18:56
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von stjust | #23

#21: auch in einem freien Land ist es nach wie vor nicht erlaubt, die Würde anderer Menschen zu verletzten. Kein Freiheitspathos bitte! Bisher hat niemand nach dem Richter gerufen. Der ZDJ hat lediglich dringend gebeten, auf die Aufführung zu verzichten.
Taktisch wäre es sicher besser gewesen, zu Herrn Cs. jämmerlichem Marketingtrick (dass es das ist, pfeiffen die theaterinternen Spatzen inzwichen ja von den Dächern) zu schweigen. Dann wäre dieses stundenlange und Langeweile verströmende Unternehmen sang- und klanglos im Orcus verschwunden.
Vieleicht braucht aber die Fassbinder Foundation dringend Kohle. Über deren interne aktuelle Streitigkeiten informiert das Netz ja auch ausführlich ...

19.09.2009
21:15
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #22

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.09.2009
21:05
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von Milena | #21

Ich versteh den Zentralrat der Juden nicht und ebensoweinig die jüdische Gemeinde. Sie provozieren bei allen freiheitsliebenden Menschen, die auch nachhaltig und ausdrücklich für die freie Kunst eintreten Unverständnis.Wenn das Sttück nicht aufgeführt werden sollte, richten sie damit mehr Schaden an als vorstellbar. Schon jetzt ernten sie im In-und Ausland (bis Israel)kopfschütteln.
Katharina

18.09.2009
22:55
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von CaptainWillard | #20

@ # 1 bis 19

Ist schon schlimm, dass die Mülheimer Taxifahrer-Genossenschaft nicht mehr genug Aufträge rein bekommt.

Ignaz Bubis = F.D.P = Frankfurt = Bankenviertel = Wirtschaftskrise = Ciulli hat so was von recht! Und Fassbinder war ein kultureller Augur!


P.S. recht - nicht rechts. Den Unterschied müssen die Synapsen schon heraustellen können >:-)

18.09.2009
21:14
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von stjust | #19

#13, man kann ja mal das Beste glauben ... Ob das Weltbild von Ciulli und Schäfer verschwurbelt ist, kann ich nur vermuten. Ordentlichen *********** die Hand zu geben, um so mit anderen in Kontakt zu kommen, ist nicht nur für Leute eine Option, die noch nichts bewegt haben. Es könnte ja sein, dass sich für manchen Iraner und die ein oder andere Iranerin der Vorhang und der Schleier etws geöffnet hat. Wär ja mal was.
Denkbar ist natürlich, das Dr. C. ein ganz Hintertriebener ist. Dann hätte er gewußt, dass kein normaler Mensch ausser seinen Bewunderern sich eine Fassbinder-Trilogie antun würde. Schnell einen Skandal inszeniert und schwupps, schauen auch mal die Man muss dabei gewesen sein Gestalten hinein.
Was die Freiheit der Kunst angeht, so wäre in Mülheim die Frage zu stellen, ob das ThaR mit seinem Alleinvertretungsanspruch (und den entsprechenden finanziellen Ansinnen) nicht eine Gefahr für die alternative Theaterkultur der Stadt ist.

18.09.2009
20:54
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von stjust | #18

#17 Welche Zionisten? Ich dachte es ginge um eine innergesellschaftliche Diskussion in Deutschland! Und was hat der Völkermord in Darfur damit zu tun?
In Tel Aviv haben sie sich das ja ganz relaxed angesehen und gesagt: Na und?! Aber solange #17 nicht verstanden hat, geht das Ritual in die nächste Runde ...

18.09.2009
19:55
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von Bin Aden | #17

Ma ährlich ... watt iss daran antisemitisch ????

Die Straßenhure Roma wird von ihrem Zuhälter Franz regelmäßig misshandelt, weil sie erfolglos in ihrem Gewerbe ist. Das Mädchen ist zu zart für die Ansprüche der Freier. Weil der Zuhälter sie immer wieder auf den Straßenstrich schickt, ist sie krank geworden.

Eines Tages wird sie von einem Immobilienspekulanten engagiert, der sich selbst als der „reiche Jude“ bezeichnet. Dieser erwartet von ihr nicht sexuelle Dienstleistungen, sondern nur, dass sie ihm zuhört. Dafür bezahlt er sie großzügig; sie wird selbst reich, zugleich aber einsam: die anderen Strichmädchen wenden sich ebenso von ihr ab wie ihre Freier.

Der Jude benutzt sie, um sich zu rächen; Über das Mädchen will er an ihren Vater kommen, den er verantwortlich für den Tod seiner eigenen Eltern macht. Von der Tochter zur Rede gestellt, erweist sich der Vater als Prototyp des überzeugten nationalsozialistischen Verbrechers, der zum technokratischen Mörder wurde und von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt bleibt.

Das Strichmädchen verzweifelt an dieser Situation; auf ihren Wunsch hin tötet der Immobilienmakler sie, für ihren Tod wird ihr ehemaliger Zuhälter verantwortlich gemacht.

Das Geschehen spielt in der düsteren Atmosphäre einer maroden, verrotteten Stadt, bei deren Sanierung sich Politiker und Immobilienspekulanten gegenseitig in die Taschen arbeiten, unterstützt vom korrupten Polizeipräsidenten..

Die Zionisten sollten endlich das Maul halten.
War der Völkermord im Dezember2008/januar2009immer noch nicht genug?

18.09.2009
19:43
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von Insidder | #16

Diakoniewerk Arbeit & Kultur gGmbH
Georgstraße 28
45468 Mülheim an der Ruhr

Telefon 0208 - 45 95 3 - 13
Telefax 0208 - 45 95 3 - 25

E-Mail sekretariat@diakoniewerk-muelheim.de
Internet www.diakoniewerk-muelheim.de


Geschäftsführer: Ulrich Schreyer

18.09.2009
19:19
Streit um Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
von Diacon | #15

Aber hallo ….Ulrich Schreyer !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!?????????????????????
„Der Sprecher des sozialethischen Ausschusses der evangelischen Kirche, Ulrich Schreyer, bat „die Freunde vom Theater eindringlich, ihre Haltung zu überdenken.” Der eintretende Schaden stehe in keinem Verhältnis zum künstlerischen Anspruch. Für den Fall, dass „jüdische Mitbrüder” sich in ihren Gefühlen verletzt zeigten, sieht er für die evangelische Kirche nur einen vertretbaren Standpunkt: „an ihrer Seite.”

Ist das der Ulrich Schreyer, wohnhaft in Rheinberg, und „Geschäftsführer des Diakoniewerkes in Mülheim“, der die Mitabeitervertretung unter Druck setzt und Arbeiten an seinem Haus in Rheinberg von Maßnahmeteilnehmern vornehmen lässt?

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