Pro NRW plant Anti-Islam-Demo in Mülheim
13.01.2010 | 13:55 Uhr 2010-01-13T13:55:00+0100
Mülheim. Die rechte Bürgerbewegung Pro NRW will im März vor dem muslimischen Gotteshaus an der Sandstraße in Mülheim gegen Minarette demonstrieren. Enver Sen, Vorsitzender des Integrationsrates, setzt auf Toleranz. Demonstrationen sollten nicht nervös machen. Man könne nur mit Argumenten aufklären.
Überraschend kommt das für den Vorsitzenden des Integrationsrates Enver Sen nicht: Nachdem die Schweizer auf Betreiben der Schweizerischen Volkspartei in einer Abstimmung ein Minarett-Verbot beschlossen haben, bekommt auch der Rechtspopulismus im Ruhrgebiet neuen Auftrieb Unter dem Motto „Abendland in Christenhand” initiiert die im Verfassungsschutzbericht des Landes als rechtsextrem eingestufte Bürgerbewegung „Pro NRW” zum Auftakt eines islamkritischen Aktionswochenendes vom 26. bis 28. März eine Mahnwachenserie, die auch zur Fatih-Moschee an der Sandstraße führt.
Seit Jahren wird dort ein altes Fabrikgebäude in eine Moschee mit imposanter Kuppel und hohem Minarett umgebaut, von dem allerdings nie ein Muezzin vom leiernden Tonband zum Gebet rufen wird. Das Minarett ist reine Zierde mit symbolischem Wert für die in der Stadt lebenden Moslems.
„Gäste sind willkommen”
Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die Moschee für mehrere Millionen Euro umgebaut sein. Die ornamentreich gestalteten Decken sind schon jetzt zu bewundern. Die Gemeinde schotte sich nicht ab. „Gäste sind dort jederzeit willkommen und können sich bei einer Tasse Tee mit den Leuten unterhalten”, versichert Sen. Zum Tag der offenen Moschee am 3. Oktober seien etwa weit über 500 Gäste gekommen. Auch bei anderen Gelegenheiten versuche man, das Miteinander der Religionen zu stärken.
Alle könnten sicher sein, dass hier kein Hass gepredigt werde. „Die Moslems wollen hier friedlich leben und vom Wohlstand profitieren”, betont er. Solche Demonstrationen sollten nicht nervös machen. Man könne nur mit Argumenten aufklären und miteinander reden. Wer allerdings ideologisch verblendet sei wie die Vertreter dieser Bewegung, den könne man mit Worten nicht erreichen, ist Sen sich sicher.
Mit dem Termin kurz vor Ostern will die Bürgerbewegung „ein deutliches Zeichen für den Erhalt unserer christlich-abendländischen Leitkultur in Deutschland setzen”. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung sei angeblich durch islamistische Extremisten, das Scharia-Recht, Zwangsehen und Ehrenmorde fundamental bedroht, heißt es in einer Mitteilung. Schlusspunkt des Protestzuges wird die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh sein – das bundesweit größte islamische Gotteshaus für 2000 Gläubige.
Im Verfassungsschutzbericht
Auf der Internetseite von „Pro NRW” wird die Islamisierung der Gesellschaft bildhaft beschworen. Auf der deutschen Nationalflagge sprießen die Minarette wie Pilze. Davor steht eine stark verschleierte Frau, von der ein Schlitz nur einen Blick auf die Augen freigibt. Darunter steht in großen Lettern „Stopp”, wobei das O wie ein Verbotsschild für Moscheen gestaltet ist. „Islamkritik in den Landtag tragen”, lautet die Parole.
Im Verfassungsschutzbericht 2008 heißt es über „Pro Köln” und „Pro NRW”, die in Personalunion geleitet werden: „Es ist zu befürchten, dass es den ,Pro'-Gruppen durch eine offensive Instrumentalisierung etwa des Themas Überfremdung gelingen könnte, bei Wahlen weitere Mandate zu erreichen.” Unterstützung erfahren sie dabei nicht nur „aus dem traditionell rechtsextremistischen Lager, sondern sie können auch in weitere Wählerschichten eindringen”. Bei den Kommunalwahlen errangen sie landesweit 46 Mandate in unterschiedlichen Organen.

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