Das aktuelle Wetter Mülheim 18°C
Bombendrohung

Polizei evakuierte Rhein-Ruhr-Zentrum nach Bombendrohung beim Verfassungsschutz

06.01.2013 | 14:09 Uhr
Die Polizei Mülheim/Essen evakuierte am Sonntagmittag nach einer Bombendrohung unter der Islamisten-Hotline des Bundesamtes für Verfassungsschutzes das Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim.Foto: Sebastian Konopka

Mülheim.  Nach einer Bombendrohung unter der Islamisten-Hotline des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat die Polizei am Sonntagmittag das Rhein-Ruhr-Zentrum geräumt. Tausenden Kunden und Besuchern des Trödelmarktes wurde per Durchsage ein "technischer Defekt" gemeldet. Um 19 Uhr gab die Polizei Entwarnung.

Großalarm im Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ): Nach einer Bombendrohung beim Bundesamt für Verfassungsschutz evakuierte die Polizei Essen/Mülheim das Einkaufszentrum am Sonntagmittag mit einem Großaufgebot. Um eine Massenpanik zu verhindern, bat das RRZ-Management die Kunden und die Besucher des Antik- und Trödelmarktes ab etwa 12.15 Uhr, das Gelände wegen eines "technischen Defektes" zu verlassen. Fast sieben Stunden später, nach der Durchsuchung des Geländes um 19 Uhr, gab die Polizei Entwarnung.

Ausgelöst hatte den Großeinsatz an der A 40 ein anonymer Anruf beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln am Sonntagmorgen: Ein nach Angaben der Polizei noch unbekannter Mann warnte unter der Nummer der Islamisten-Hotline vor einem Sprengstoffanschlag in dem Mülheimer Einkaufszentrum. Dort würden im Laufe des Tages zwei Koffer mit Sprengstoff gezündet. Die Hotline ist als eine Maßnahme des Programms HATIF ("Heraus Aus Terrorismus und Islamistischem Fanatismus") rund um die Uhr geschaltet. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Kriminalpolizei keine Angaben, ob sie dem Verursacher der Evakuierung bereits im Laufe des Sonntags auf die Spur gekommen ist.

Einkaufszentrum geräumt

"Wir müssen mehrere tausend Leute in Ruhe vom Gelände bekommen und Panik verhindern", erklärte Tanja Hagelüken von der Polizei Essen/Mülheim am Mittag die Strategie, den tatsächlichen Grund für die Evakuierung bis zum Sonntagnachmittag geheim zu halten. Dennoch griff ihre Behörde mit einem Großaufgebot ein: Sie forderte Verstärkung aus den umliegenden Polizeibehörden an und sperrte auch die Autobahnzufahrten zum Rhein-Ruhr-Zentrum, die Abfahrten MH-Heimaterde (20), gegen 12.30 Uhr. Wenig später riegelten Polizisten der Einsatzhundertschaft die Zugänge in das Einkaufszentrum ab. Auch die Feuerwehr Mülheim unterstützte die Räumung. Später sagte Tanja Hagelüken, es seien insgesamt etwa 10.000 Menschen auf dem Gelände gewesen.

Verstopfte Straßen, aber keine Panik

Zusätzlich erschwert wurde die Evakuierung durch die beliebte Großveranstaltung: Jeden ersten Sonntag im Monat lockt der Antik- und Trödelmarkt bis zu 30.000 Besucher auf den Parkplatz des RRZ-Areals. Zum ersten Trödel 2013 wurden 8000 bis 10.000 Besucher erwartet. Auch der Veranstalter des auf dem Parkplatz veranstalteten Marktes meldete den Besuchern in Ansprache mit der Einsatzleitung einen "technischen Defekt". Unter den Händlern hatte sich der tatsächliche Grund für die Räumung auch gegen 14 Uhr noch nicht herumgesprochen. Währenddessen brodelte im Internet, etwa beim Kurznachrichtendienst Twitter, die Gerüchteküche.

Nach Augenzeugenberichten verließen Tausende das Gelände ruhig und diszipliniert. Ihnen entgegen kamen allerdings ahnungslose Fußgänger und Autofahrer. Die Folge: Staus auf allen Straßen um das Einkaufszentrum und auf der A 40 ab etwa 13 Uhr. Das Verkehrschaos konnten auch RRZ-Ordner und die Beamten der Einsatzhundertschaft nicht verhindern.

RRZ bis 15 Uhr komplett geräumt, Sprengstoffspürhunde im Einsatz

Die Verkaufshallen waren um etwa 14 Uhr menschenleer, die Räumung des Trödelmarktes dauerte bis kurz nach 15 Uhr. Während die letzten Händler auf dem Parkplatz ihre Waren einpackten, schickte die Einsatzleitung Sprengstoffspürhunde in die Gebäude und auf das Trödelmarkt-Gelände. Später kreiste auch ein Polizeihubschrauber über der A 40 und dem Rhein-Ruhr-Zentrum. Dessen Leitung sagte den Antik- und Trödelmarkt um 14.36 Uhr via Facebook ab und bedankte sich auf diesem Weg bei Kunden, Händlern und Mitarbeitern bei allen, "die vor Ort vorbildlich gehandelt haben".

Antik- & Trödelmarkt

Bis die Polizei ihre Sperren wieder abbauen konnte, dauerte es allerdings bis 19 Uhr. "Unsere Kollegen und die Spürhunde haben nichts gefunden", sagte Polizeisprecherin Tanja Hagelüken. Sonntags ist das Rhein-Ruhr-Zentrum bis 22 Uhr geöffnet.

Philipp Wahl



Aus dem Ressort
Neu-Mülheimer ist auf dem Weg zum Professor der Chemie
Wissenschaft
Vor kurzem hat Bill Morandi noch die Sonne Kaliforniens genossen und mit einem Nobelpreisträger zusammengearbeitet. Dieses Leben aber hat er bereitwillig aufgegeben, als ein Angebot aus Mülheim an der Ruhr kam. Er könne Gruppenleiter am MPI für Kohlenforschung werden, hieß es – und er griff zu.
Kreative plädieren für die Jahresausstellung der Mülheimer Künstler
Kunst
In der Diskussion um die Jahresausstellung der Mülheimer Künstler erfährt die Meinung von Marc Hessling, Anwalt und Mitglied im Vorstand des Mülheimer Kunstvereins, über die wir am 30. August berichteten, eine kritische Resonanz...
Netzwerk gegen Fluglärm wirft Mülheims OB Untätigkeit vor
Flughafen
Das Netzwerk gegen Fluglärm kritisiert, dass der Ausstieg aus dem Flugbetrieb bewusst verzögert werde. Der Mülheimer Stadtrat soll dienstrechtliche Schritte gegen OB Mühlenfeld prüfen. Kritik gibt es auch an der SPD. Ihr wird unterstellt, das Ziel "Teilprivatisierung" am Flughafen zu verfolgen.
Fußball während der Arbeitszeit – „Kicker-Gate im Rathaus“?
Stadtverwaltung
Fußball ist der Deutschen liebster Sport. Jung und Alt laufen gern dem Ball hinterher. Im Mülheimer Rathaus könnten die Fußball-Freuden einiger Mitarbeiter aber für Aufregung sorgen. Sechs Männer sollen während der Arbeitszeit gekickt haben – und das angeblich mit Erlaubnis des Dezernenten.
Mitarbeiter des Mülheimer Bonifatius-Hauses abgemahnt
Pflege
Aufgrund von Pflegemängeln, die Monate zurück liegen, wurden zwölf Mitarbeiter des Mülheimer Bonifatius-Heimes abgemahnt. Die Betroffenen weisen die Vorwürfe zurück: Unterbesetzung und Überlastung hätten geherrscht. Unterdessen laufen Gespräche über einen Betreiberwechsel.
Umfrage zur VHS
Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

 
Fotos und Videos
Tausende beim Color Run
Bildgalerie
Flughafen Essen-Mülheim
20. RWW Ruhrauenlauf
Bildgalerie
Fotostrecke
ABC Ausbildung
Bildgalerie
Feuerwehr