Pendler werfen Mülheimer Verkehrsgesellschaft Ignoranz vor
06.10.2009 | 13:30 Uhr 2009-10-06T13:30:00+0200
Die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) erfasst Verzögerungen erst ab der zehnten Minute. Das bedeutet im Klartext: Verkehrsmittel, die zu bestimmten Tageszeiten im Zehn-Minuten-Takt fahren, können ganz ausfallen, ohne die MVG dies überhaupt registriert.
Egal ob U-Bahn, Bus oder Straßenbahn: „Es gibt keine regelmäßigen Verspätungen.” Gleich mehrfach hat dies der Sprecher der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), Jens Kloth, kürzlich gegenüber der NRZ betont. Und falls doch mal ein Bus unpünktlich sei, gebe es ja Lautsprecherdurchsagen. „Wie bitte?”, empörten sich da eine ganze Reihe von Lesern. Über 30 von ihnen haben ihrem Ärger in Kommentaren und Zuschriften an die Redaktion Luft gemacht.
Verspätungen: Wo denn?
Nun hat die NRZ eine offizielle Erklärung dafür gefunden, warum Herr Müller an der Haltestelle das berechtigte Gefühl hat, dass die Bahn ausfällt, die MVG aber sagt: 'Was denn? Die Bahn ist doch pünktlich!' Und diese Erklärung lautet: Verspätet sind Bus und Bahn nach einer Definition der MVG erst, wenn sie über zehn Minuten zu spät kommen.
Das bedeutet im Klartext: Verkehrsmittel, die wie die U-Bahn, die Straßenbahnlinien 104 und 112 sowie zu bestimmten Tageszeiten die Buslinie 135 im Zehn-Minuten-Takt fahren, können ausfallen, ohne dass dies bei der MVG als Verspätung durchgeht. Was hinzukommt: Außer bei Tunnelfahrten (U 18, 102, 901) muss der Fahrer seine eigenen Verspätungen der Leitstelle selbst melden, sonst gibt es offiziell keine Verspätung und damit auch keine Ansage an den Haltestellen. Eine zentrale Fahrzeugerfassung ist laut Kloth erst für die nächsten Jahre geplant. Das alles schönt die Statistik.
Ignoranz gegenüber Kunden
Der Ärger der Pendler aber bleibt. Von Totalausfällen, verfehlten Ampelschaltungen und Ignoranz gegenüber den Kunden ist im Internetforum der NRZ die Rede. „Wenn die Bahn morgens pünktlich ist, nehme ich dies mittlerweile mit Verwunderung zur Kenntnis”, schreibt Mark Harris. Der Nutzer Ulf Reese formuliert seine Ohnmacht so: „Statt Fahrplänen sollte die MVG Schilder aufhängen: 'Kommen Sie, wann Sie wollen, wir fahren, wann wir wollen.'” Mehrere Leser sogar gedroht, ihr Abo-Ticket aus Unpünktlichkeitsfrust zu kündigen und wieder aufs Auto oder Fahrrad umzusteigen.
Frust. Dafür sorgen anscheinend nicht nur die Verspätungen. Es sind auch die Anzeigentafeln an der zentralen Haltestelle, welche die Pendler seit mehreren Monaten lediglich dazu auffordern, auf Wagenbeschilderungen und Lautsprecherdurchsagen zu achten. Und es sind eben diese Lautsprecher, aus denen so gut wie keine Ansagen kommen.
Anzeigen im Testbetrieb
Zur Zeit laufen die Anzeigen für die Linien 901, 102 und U 18 an der Haltestelle Hauptbahnhof im Testbetrieb. Gegen Ende November, so Kloth, sollen die Anzeigen auch an den anderen Haltestellen zumindest den Soll-Fahrplan anzeigen, erst Ende Dezember gibt es dann den Ist-Fahrplan, also die Zeitangaben, wann die Fahrzeuge tatsächlich eintreffen. Der verzögerte Startschuss habe, so Kloth, mit dem Hersteller zu tun.
Neben den nichtssagenden Anzeigen ärgern sich zahlreiche Leser über häufig defekte Rolltreppen, vor allem an den unterirdischen Haltestellen Hauptbahnhof und Stadtmitte, Ausgang Löhberg. Grundsätzlich wird die Technik zwischen 22 und 7 Uhr ausgeschaltet, um die Anwohner nicht zu stören. Darüber hinaus kommt es derzeit laut Kloth zu „Störungsauffälligkeiten”. Daran arbeite die MVG. In Sachen Rolltreppe an der U-Bahnstation kündigt Kloth an: „Es ist eine aufwändige Sanierung erforderlich, die voraussichtlich Im Oktober abgeschlossen wird.”
Beschriftung: 104 oder 110?
Mit Störungen bei den Rolltreppen nicht genug. Probleme gibt es auch bei der Fahrzeugbeschriftung. Manche Straßenbahnen geben sich vorne als Linie 110 aus, an der Seite als 104. Anderen fehlt jegliche Kennzeichnung. Schuld sind laut Kloth gerissene Rollbänder. Die seien nach Lieferschwierigkeit zwar mittlerweile ersetzt. „Es treten aber weiter Störungen an der alten Technik auf.” So liegen die Zieltafeln vorerst hinter der Windschutzscheibe. Ulf Reese dazu ironisch im Internetforum: „Na ja, zur Not kann man ja fragen, oder?”

10:41
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17:44
In Duisburge bekommen neuerdings die Fahrgäste bei 10-minütiger Verspätung ihr Fahrgeld zurück. Bedenkt man, dass die Linienwege der DVG-Bahnen mindestens doppelt so lang sind wie die der Mülheimer Bahnen, müsste die MVG dies eigentlich schon bei fünf Minuten Verspätung tun.
Will ich Qualität verbessern, brauche ich Ziele. Zum Beispiel: Ein defekter Fahrkartenautomat muss innerhalb von 8 Stunden repariert sein, ein defekter Aufzug innerhalb von 24 Stunden. Außerdem muss ich Situationen, die ich verbessern will, kennen. Zum Beispiel muss ich wissen: An welchen Stellen und zu welchen Zeiten verliert die Linie A regelmäßig X Minuten Fahrzeit? Erfasse ich nur die Verspätungen ab 10 Minuten, weiß ich zu wenig. Es gibt technische Systeme, die mehr können. Doch ist die MVG auf den Stand der Technik?
Wohl kaum. Die Mülheimer Straßenbahnen sind zwischen 14 und 33 Jahre alt. Seitdem die Linie 104 zum Flughafen und die 110 zum Hauptfriedhof fährt, stimmen die Rollbänder nicht mehr. Anstatt der heute üblichen Matrixanzeigen kauft man altertümliche Rollbänder. Offenbar lohnen sich für diese Bahnen keine Matrixanzeigen mehr.
Doch neue Bahnen sind für Mülheim nicht in Sicht. Zugegeben, die kosten viel Geld. Aber es wäre eine Investition für die nächsten 25 oder 30 Jahre. Und es wäre gut für mobilitätseingeschränkte Personen, die im Einzugsbereich der Linien 104 und 110 wohnen. Zu denen zähle ich mich auch.
Ich habe den Eindruck, dass die MVG nicht in der Lage ist, die Probleme des ÖPNV in Mülheim zu lösen. Zumindest nicht alleine. Doch eines lässt hoffen: Der Chef der MVG ist gleichzeitig im Vorstand der DVG und der EVAG. Die Chefs von EVAG und DVG sind auch im MVG-Vorstand. Das Ganze nennt sich „Rhein-Ruhr-Partner Verkehr“ und soll wohl auf die Gründung einer neuen Verkehrsgesellschaft hinauslaufen. Dafür ist es allerhöchste Straßenbahn.
P.S.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass so manches Problem der MVG nicht von der MVG verursacht wird. Zum Beispiel Graffitis, mutwillige Zerstörungen…
16:17
Da hab ich es aber nicht gefunden.
Und da im Artikel der Verweis auf das NRZ-Forum stand (naja, offenbar ist der Schreiber genauso ahnungslos wie ich)...
15:42
@ #7 kilminster
Sie schreiben: Wo ist eigentlich das Internetforum der NRZ?????
Mann, wo leben Sie denn? Die NRZ ist doch schon längst in die WAZ-Mediengruppe eingegliedert. So erscheinen natürlich auch einige ausgewählte NRZ-Artikel im Forum derwesten.de.
15:26
Wo ist eigentlich das Internetforum der NRZ?????
Ich kenn nur das Forum auf derwesten und da habe ich einen Thread dazu vergeblich gesucht.
12:00
Mein Vorschlag für die MVG: Wenn sie nicht schon ab zehn sondern vielleicht erst nach 20 oder 30 Minuten eine Verspätung erkennen, dann sind ihre Busse und Bahnen immer pünktlich. Und auf die Fahrpläne einfach ca. schreiben.
10:56
alles nur subjektiv gefühlt, liebe leute. mur komisch, dass der einzige pünktliche bus den ich kenne den langen weg aus düsseldorf kommt und auch auf mülheimer stadtgebiet seine zuverlässigkeit behält. wie ist das nur möglich? einfache antwort: andere verkehrsgesellschaft! hier sind im übrigen auch die strassen im winter 1 a vom schnee befreit... aber das thema kommt ja noch. freu mich schon...
10:14
Prima, ich komme demnächst täglich 10 Minuten später zur Arbeit. Is ja keine Verspätungng ;-)
09:37
Anfragen und Kritik prallen an der MVG ab. Keine Anzeigen, keine Durchsagen, Kopfschütteln bei den Fahrern, keine Zeit für Rückfragen bei der Leitstelle. Warum fiel die Linie 151 letzte Woche zur halben Stunde zweimal aus? Warum rasen manche Busfahrer, nutzen an Haltestellen nicht die Niederflurtechnik?
Selbst schuld, wer kein Auto nutzt?
08:39
Es wird leider nicht besser, lieber Herr Kloth, Lügen haben kurze Beine. Die Rolltreppen am Bahnhof Stadtmitte, Ausgang Löhberg, sind leider nicht grundsätzlich bis 7 Uhr ausgeschaltet. Vielmehr ist es so, dass die Treppen nach dem Zufallsprinzip eingeschaltet sind. Also manchmal funktionieren sie vor 7 Uhr, manchmal eben nicht. Zuletzt musste ich sogar den Notruf betätigen und darum bitten, doch das Rolltor zu öffnen, was auch prompt aus der Zentrale gesteuert wurde. Liegen Ihnen etwa Statistiken vor, dass ich der einzige Fahrgast bin, der von Betriebsbeginn bis 7 Uhr aus der U-Bahn klettert? Sind Arbeitnehmer, die sich vor 7 Uhr auf der Straße blicken lassen, nur Menschen zweiter Klasse?
Es ist schon eine Unverschämtheit, von Betriebsbeginn bis gegen 7 Uhr Rolltreppen außer Betrieb zu lassen. Ich zahle also zweimal (Fahrpreis und Steuern) für die MVG, als Belohnung soll ich einen weiten Umweg laufen, damit die Anwohner nicht gestört werden? Wovon werden die Anwohner denn gestört? Ich singe nicht laut und meine Absätze machen keinen Krach auf dem Pflaster. Wenn Anwohnerschutz und Lärmbelästigung Ihr Thema sind, dann starten Sie den Betrieb doch generell erst um 7, das spart zudem eine Menge Geld.
Ich bleibe dabei, wenn normale Treppen oder ein Aufzug als Alternative zur Verfügung stehen, will ich das evtl. zähneknirschend akzeptieren, nicht aber bei diesen überlangen Rolltreppen im Löhberg. Und außerdem: Ich verstehe die Nöte eines Pressesprechers, aber bitte versuchen Sie nicht, Ihre Kunden zu vera...., die benutzen nämlich im Gegenteil zu Ihnen Bus und Bahn täglich.