Mölmsche Jecken feierten unverfroren
31.01.2010 | 18:28 Uhr 2010-01-31T18:28:00+0100
Trotz Schneegestöber fanden mehr als 500 Narren den Weg zur Funkensitzung und zum Kommandeursball
Am Samstagabend zeigte sich: Die mölmschen Jecken sind ein unverfrorenes Völkchen. Trotz des Schneegestöbers auf den Straßen feierten mehr als 500 Jecken, zeitgleich im Handelshof und in der Stadthalle, Karneval. „Toll, ihr habt ein volles Haus und man merkt: Immer mehr Mülheimer stehen Kopf und bekommen Spaß am Karneval”, freute sich Stadtprinz Markus angesichts der stimmungsgeladenen Jecken, die mit den Roten Funken im Handelshof die Funkensitzung feierten.
Auch in der Stadthalle, wo die Stadwächter ihren Kommandeursball feierten und ihren Orden für soziales Engagement verliehen, hatte Prinzessin Sandy das „gute Gefühl, dass sich die Leute hier richtig freuen, wenn wir kommen.” Nicht nur die kleinen und großen Tollitäten brachten die Narren an diesem frostigen Abend mit den heißen Rhythmen ihrer Tänze und Lieder: „Steht jetzt auf. Wir feiern alle Karneval.” in Bewegung. Auch die Alpenpiraten, ein wirklich flottes und vielseitiges Gesangsduo und die im besten Sinne schlagkräftige Kappelle Wij uut Zender (Wir aus Zender) pendelten als musikalische Stimmungskanonen zwischen Stadthalle und Handelshof.
Die Menschen hier sind nicht stur, sondern gehen mit und mögen unsere Musik”, waren sich der Mann an der Tuba, Jan Thomas und der Mann an der Pauke, Jan van der Velden, nach ihrem Gastspiel im mölmschen Karneval einig. „Uns geht es weniger um musikalische Perfektion als um Stimmung”, betonte Thomas. Und die Stimmung blieb beim Rhythmus, bei dem man mit muss auch nicht aus. Und bei Spaniens Gitarren, Cindy, Bert und die schwungvollen Siebziger Jahre ließen grüßen, swingte die zünftig Blechmusik so gar ein bisschen. Auch die Alpenpiraten Angela und Heri, die anders, als der Name vermuten lässt, nicht aus den Bergen, sondern mitten aus dem Ruhrpott kommen, erwiesen sich als Schlager-Import, der sein Geld wert war. Erstaunlich bruchlos verstanden sie es mit Stimme, Saxophon und Akkordeon während ihrer Bühnenshow in ganz unterschiedliche Genres zu wechseln. Mal entführten sie ihre Zuhörer mit „Schuld war nur der Bossa Nova” und „Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling” in die flotten Fünfziger und Sechziger. Und dann ging die musikalische Reise mit „An der Nordseeküste” und: „What shall wo do with the drunken Sailer” zur Waterkant.
Es waren übrigens ausgerechnet vier Jungs, die als singendes Double Face in glitzernd-glamourösen Abendkleidern auftraten und so beim Kommandeursball für eine unbeschreiblich weibliche Note sorgten. Sie provozierten nicht nur Lacher, wie etwa bei der Maria-und-Margot-Hellwig-Parodie und der an Dieter Krebs selig erinnenden Wollpullovernummer „Martin, my love”, sondern auch Gänsehaut-Momente, wie beim eingedeutschen Sinatra-Klassiker: „I did it my way”/„So leb dein Leben.”
Und wo blieben die Eigengewächse des mölmschen Karnevals? Die hatten vor allem bei den Tanzhows des Abends ihren großen Auftritt. Dass die Nachwuchsförderung in diesem Bereich funktioniert, konnte man bei den Funken und Stadtwächtern gleichermaßen beobachten. Die Kinder- und Junioren begeisterten bei den Funken mit einer tänzerischen Einstimmung auf die Fußball-Weltmeissterschaft und mit einem frechfröhlichen Drachentanz. Tabaluga ließ grüßen. Einen Hauch von irischem Frühling zauberten dagen die Fantasy-Dreams mit ihrem Steptanz auf die Stadthallen-Bühne. Ihre Tanzshow arbeitete mit Natur- und Sagen-Motiven. Die Choreografie erinnerte an die der Riverdance Company, ohne dabei als deren billige Kopie zu wirken. Was schon für eine Tanzgarde nicht leicht ist, nämlich die Bühne mit einer dynamischen Choreografie zu füllen, die die Blicke der Zuschauer fesselt, gelang an diesem Abend besonders brilliant den beiden Tanzmariechen Giulia Christ (10) von den Roten Funken und Elena Mirosmicenko (18) von der Stadtwache mit einem erstaunlich souveränen Auftritt, bei dem die beiden jungen Damen mit starker Ausstrahlung und perfekter Körperbeherrschung zu glänzen wussten.
Rote Funken und gelbe Rosen
Da lässt FDP-Fraktionschef Peter Beitz seine Frau Sabine seelenruhig zu den Roten abwandern. Der Karneval machte es möglich. Denn Frau Beitz wurde am Samstag bei den Roten Funken zur Ehrensenatorin ernannt. Dabei sorgte Funkenpräsident Heino Passmann, der als SPD-Ratsherr, nicht nur karnevalistisch, sondern auch politisch ein Roter ist, dafür, dass der Liberale Beitz nicht nur Rot sehen musste, indem seine Frau zur Feier des Tages einen Strauß gelber Rosen überreicht bekam. Das war schon nah dran an den FDP-Farben Gelb und Blau.
Während Frau Beitz sich jetzt schon darauf freut, am Rosenmontag mit den Roten Funken Kamelle unter das Narrenvolk zu bringen, muss Herr Beitz befürchten, dass er sich mit seinen Ratskollegen an der Haushaltskonsolidierung die Zähne ausbeißt. Wahrscheinlich müssen auch wir Bürger nach Aschermittwoch manch bittere Pille schlucken, die man sich in guter Erinnerung an die Fünfte Jahreszeit nur mit einer gesunden Portion Galgenhumor versüßen kann. T.E.

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