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Fahrt „auf Sicht“

14.04.2010 | 14:01 Uhr
Fahrt „auf Sicht“

Auf schwerer See tun Kapitäne gut daran, auf Sicht zu fahren. Mit dieser Sicherheitsvorkehrung wollen auch die Mülheimer Betriebe der Mannesmannröhren-Werke (MRW) das Großrohrwerk von Europipe und das benachbarte Blechwalzwerk in die unsichere, nur kurzfristig planbare Zukunft steuern.

Natürlich: Der zweite Großauftrag, diesmal 65 000 Großröhren für den Bau der Ostsee-Pipeline zu produzieren, ist in Mülheim bejubelt worden. Auch wenn man dem Betreiber beim Preis deutlich hatte entgegenkommen müssen, ist das Auftragsvolumen größer als von Branchenkennern prognostiziert. Das 650-Millionen-Euro-Geschäft bringt für die zusammen gut 1500 Mitarbeiter im Großrohr- und im Blechwalzwerk die Grundauslastung, die weiter keine Kurzarbeit nötig werden lässt. Allein Europipe ist bis Mitte 2011 mit der Produktion der Pipeline-Rohre beschäftigt.

Dennoch trägt der Vorstandsvorsitzende der Mannesmannröhren-Werke, Wolfgang Eging, Sorgen mit sich herum. Wenig erfreulich sei „die teils steil nach oben zeigende Entwicklung bei den Vormaterialkosten“. Zu erwartende Kostensprünge bei Erz und Kohle lassen den Stahleinkauf vermutlich um einiges kostspieliger werden. Egings Fazit, gezogen in der aktuellen Mitarbeiterzeitschrift: „Vor uns liegt ein schwieriges, mit Risiken behaftetes Jahr.“ Der Auftrag für die Ostsee-Pipeline gibt Sicherheit, aber eine Prognose, wie es im zweiten Halbjahr weitergeht, mag man bei MRW auch jetzt, Mitte April, noch nicht wagen.

So sei auch bei den Investitionsvorhaben Augenmaß gefragt. Insgesamt hat die Salzgitter AG für ihre Röhren­Sparte 73 Mio Euro vorgesehen. Auf jeden Fall in Angriff genommen werden soll nach MRW-Sprecher Norbert Fischer die Investition in eine 25 Mio Euro teure neue Querteilschere für das Grobblechwalzwerk. In den Europipe-Werken sind 15 Mio Euro für mehrere Investitionsprojekte angedacht, es gilt aber der Vorbehalt der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Mülheimer Werke sind in der Röhren-Sparte der Salzgitter AG weiter die Stabilisatoren, der Umsatz erreichte 2009 nahezu das gute Vorjahresniveau. Der Beitrag aus der Ruhrstadt soll in diesem Jahr dazu beitragen, das Gesamtergebnis der Salzgitter AG möglichst mit schwarzen Zahlen darstellen zu können.

Zurzeit zeigen die Mülheimer Röhren-Experten auf der weltweit größten Röhrenmesse in Düsseldorf Präsenz, um ihre Geschäftskontakte zu pflegen. „Bisher war es sehr lebhaft am Stand, ich habe schon andere Jahre erlebt“, berichtet Norbert Fischer. „Wir machen da eine gute Figur.“ Die gute Besucherfrequenz lasse freilich keine Rückschlüsse darauf zu, dass die Nachfrage anziehe.

Mirco Stodollick

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