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Brustkrebs-Vorsorge ist vielfältig

10.03.2010 | 14:16 Uhr
Brustkrebs-Vorsorge ist vielfältig

Mülheim. Am Mammographie-Screening-Programm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu Brustkrebsvorsorge nehmen derzeit nur zirka 53 Prozent der eingeladenen Frauen teil. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten der Früherkennung. Die NRZ fragte nach: Was ist dran an Gerüchten, die man oft darüber hört?

In Deutschland erkranken pro Jahr 57000 Frauen an Brustkrebs. Viele Frauen haben Angst, dass es auch sie treffen könnte. 2002 beschlossen Bundestag und Bundesrat ein Mammographie-Screening-Programm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren einzuführen. Doch an dem Programm nehmen derzeit nur zirka 53 Prozent der eingeladenen Frauen teil, so Lara Eschbach, Sprecherin der Kooperationsgemeinschaft Mammographie, zu der auch das Mammographie Zentrum am Mülheimer Dieter-aus-dem-Siepen-Platz 1 gehört. Die Mammographie ist aber nicht die einzige Möglichkeit zur Früherkennung: „Für jüngere und ältere Frauen bieten Gynäkologen jährliche Vorsorgeuntersuchungen an“, sagt Heino von Matthiessen, Chefarzt der Frauenklinik am Evangelischen Krankenhaus in Mülheim. Die NRZ fragte nach: Was ist dran an Gerüchten, die man oft darüber hört?

Die Mammographie ist schmerzhaft

Viele Frauen, die zum Mammographie-Screening kommen, haben Angst davor, dass es wehtun könnte, weiß auch Lara Eschbach. Doch dass eine Mammographie-Untersuchung etwas unangenehm werden kann, hat seinen Grund. „Die Brust wird für die Aufnahmen, pro Brust eine von der Seite und eine von oben, zwischen zwei Platten eingeklemmt und platt gedrückt“, erklärt Eschbach. Dies sei wichtig, damit die Strahlendosis möglichst gering gehalten werden könne und damit gleichzeitig möglichst aussagekräftige Bilder entstünden.

Die Vorsorge liefert zu viele Fehldiagnosen, da macht man sich nur unnötige Sorgen

Von 200 Frauen, die jedes zweite Jahr mammographiert werden, erhalten zunächst 60 Frauen einen auffälligen Befund. Bei 20 von ihnen muss nach weiterer Diagnose eine Biopsie gemacht werden, das heißt eine Gewebeprobe entnommen werden. Eschbach: „Insgesamt erhalten von den 200 Frauen zehn die Diagnose Brustkrebs.“ Von diesen zehn Frauen hätte eine zu ihren Lebzeiten nichts von ihrem Brustkrebs erfahren. Acht Frauen wären, zum Teil allerdings mit deutlich aggressiverer Therapie, auch ohne Mammographie später erfolgreich behandelt worden. Einer Frau von 200 rettet die Mammographie jedoch das Leben. Soweit die Zahlen. Heino von Matthiessen formuliert es so: „Wie wissen noch nicht, ob es eine bessere Überlebensrate gibt, aber wir vermuten es. Erst in fünf bis zehn Jahren können wir das genauer sagen. Deshalb muss man diese Versuch so machen. Die Untersuchung ist sinnvoll.“ So erlebe er dank eines gestiegenen Bewusstseins für die wichtige Rolle der Früherkennung heute mehr Frauen, die mit kleinen Karzinomen in Behandlung kämen, als noch vor fünf Jahren.

Bei der Mammographie sehe ich keinen Arzt und muss eine Woche auf die Diagnose warten, das ging früher schneller

Früher gab es das sogenannte „graue Screening“, zu dem der Gynäkologe eine Frau überwies, wenn der Verdacht auf Brustkrebs bestand. Dabei bekamen die Frauen direkt einen Arzt zu sehen und direkt einen Befund. Im Mammographie-Screening-Programm ist das anders. „Wir haben jetzt Doppelbefunde“, sagt Lara Eschbach. Zwei Gutachter bewerten unabhängig voneinander die Aufnahmen. Sind sie sich nicht einig, wird nochmal in einer Konferenz über die Bilder beraten. Außerdem muss jeder dieser Gutachter die Aufnahmen von 5000 Frauen pro Jahr begutachten. „Dies soll sicherstellen, dass der Arzt auch ausreichend Erfahrung hat, wie Karzinome aussehen“, so Eschbach. Doch die Doppelbefunde brauchen Zeit: erst nach sieben Werktagen erhält die Frau einen Brief mit der Diagnose.

Alle zwei Jahre zur Vorsorge, das ist viel zu selten

„Das Screening wurde für eine durchschnittliche Bevölkerung mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko konzipiert“, erklärt von Matthiessen. Das heißt, sind erbliche Vorbelastungen vorhanden, kann eine häufigere Untersuchung sinnvoll sein. Nicht zu vergessen ist neben der Mammographie jedoch auch die Vorsorge beim Gynäkologen, die jährlich durchgeführt wird. In dem Altersbereich von 50 bis 69 Jahren, in dem die Mammographie für Kassenpatienten alle zwei Jahre kostenlos ist, treten nur die Hälfte der Brustkrebserkrankungen auf. Zu 25 Prozent tritt die Krankheit vor dem 50. Geburtstag und zu 25 Prozent nach dem 69. Geburtstag auf. Deshalb empfiehlt von Matthiessen auch die Selbstuntersuchung. „Einmal im Monat nach der Periode sollten Frauen ihre Brust selbst abtasten. Anleitungen dazu gibt es beim Gynäkologen. Wenn etwas „Hartes, eher rund als flach, gefunden wird, das nicht wehtut und eher größer als kleiner ist und immer an der selben Stelle ist“, empfiehlt er, einen Gynäkologen aufzusuchen.

Johanna Bömken

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Kommentare
09.03.2010
10:01
Brustkrebs-Vorsorge ist vielfältig
von Birgit K | #1

Die Strahlenbelastung der Mammographie könnte sich hauptsächlich auf das Brustgewebe junger Frauen negativ auswirken. Die erfolgsversprechendste Methode der Brustkrebs-Früherkennung ist lt. Studien zweifelsohne die MRT-Untersuchung, die jedoch wesentlich teurer ist.
Trotzdem denke ich, dass das Screening-Programm für Frauen ab 50 -vor allem für die ohne bestehende Probleme - wichtig ist, um einen unentdeckten Anfangsverdacht auszuschließen.
90 % aller teilnehmenden Frauen sagen nach der 1. Mammo aus, dass sie alle 2 Jahre teilnehmen werden.

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