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Altenheime im Test

12.01.2010 | 09:00 Uhr
Altenheime im Test

Mülheim. Im Internet auf Pflegelotse.de kann jeder Interessierte Transparenzberichte über ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen abrufen. In den Berichten bekommen die Pflegeheime Schulnoten und können so direkt verglichen werden. Die Prüfung steht jedoch in der Kritik.

Welches ist die richtige Pflegeeinrichtung für mich oder meine Angehörigen? Hilfe bei dieser Frage bietet seit kurzem das Onlineportal Pflegelotse.de. Hier sind Informationen zu ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen gesammelt.

Besonders an Pflegelotse.de ist, dass Transparenzberichte von Prüfungen der Einrichtungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) abgerufen werden können. In diesen Berichten bekommen die Pflegeheime Schulnoten und können so direkt verglichen werden. Für fünf Mülheimer Einrichtungen stehen diese Onlineinformationen inzwischen zur Verfügung.

Bestes Ergebnis fürs Franziskushaus

Das beste Ergebnis erzielte das Franziskushaus. Mit einer Durchschnittsnote von 1,5 zeigt sich auch Heimleiter Jochen Bräunsbach sehr zufrieden. „Die Noten sprechen für sich. Trotzdem gibt es noch Dinge, an denen wir weiter arbeiten wollen”, sagt er, möchte aber die genauen Maßnahmen nicht benennen.

Im Franziskushaus gebe es einmal im Jahr ein großes Audit, um die Qualität der Pflege zu kontrollieren. „Man muss da schon hinterher sein”, so Bräunsbach. Besonders gut am Prüfungsverfahren fand er den Beratungsaspekt: „Wir konnten auch eine Gegendarstellung schreiben, auf die eingegangen wurde.”

Dokumentation aller Schritte

Es sei besonders nach den Konzepten geschaut worden und was davon bei den Bewohnern ankomme. Dafür hält Bräunsbach die Dokumentation aller Schritte im Pflegebetrieb für notwendig. „Die Kollegen stellen sich auf den Bewohner ein. Die Dokumentation der Fälle ist daher unerlässlich und ganz im Sinne der Bewohner”, ist er sich sicher.

Im Internet auf Pflegelotse.de kann jeder Interessierte Transparenzberichte über ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen abrufen.

Ganz anders sieht dies Volker Simons, Leiter des Haus Gloria in Styrum – der Einrichtung mit der bisher schlechtesten Bewertung für Mülheim: 4,0. „Manche Dinge in dem Bericht sind schlicht falsch”, sagt Simons.

Beschwerde eingelegt

Dies erklärt er dadurch, dass sein Haus mit nur 22 Bewohnern genauso begutachtet worden sei wie große Einrichtungen mit 200 Bewohnern. „Bei uns gibt es zum Beispiel kein Beschwerdemanagement, weil Beschwerden direkt der Pflegedienstleitung gesagt werden. Wir kennen die Leute hier in- und auswendig. Aber das steht nirgendwo und ist damit in dem Bericht nicht zu finden”, erklärt er. Er habe auch Einspruch gegen den Bericht erhoben, in einem Brief an die Bundesknappschaft, doch von dort habe er bisher keine Reaktion bekommen. Vor Gericht gehen wolle er nicht.

Dennoch bleibt er unzufrieden. „Vieles ist völlig abwegig. Es wurde bemängelt, dass die Bewohner nur um 12 Uhr Mittagessen bekommen können, weil das hier so steht. Aber natürlich kann jeder auch um halb eins noch etwas bekommen. Im Moment fühle ich mich wie ein Schüler, der erklären muss, warum er eine Fünf in Mathe bekommen hat.”

Widerspruch zum Ergebnis

Trotzdem hat Simons vor, in Zukunft alles zu dokumentieren, um im nächsten Jahr bei der Prüfung besser abzuschneiden. Jedoch: „Die Dokumentation geht natürlich auf die Zeit der Pflege.” Die Bewohnerbefragung, bei der das Haus Gloria mit 1,2 abschnitt, widerspricht ebenfalls dem Ergebnis des Berichts und zeigt Simons, dass sich seine Bewohner wohl fühlen.

Simons Kritik am Prüfungsverfahren verstehen kann Claudia Wippich, Pressesprecherin für „Das Dorf – Wohnen im Alter” von der Theodor-Fliedner-Stiftung. Und das, obwohl das Fliedner-Dorf mit einer Gesamtnote von 1,8 ein gutes Ergebnis vorlegt und mit 208 Bewohnern deutlich größer ist als Haus Gloria. „Es ist gut, dass es so ein Dokument wie den Transparenzbericht gibt und die Nutzer sehen können, wie eine Einrichtung aufgestellt ist”, findet Claudia Wippich. „Das ganze ist aber ausbaufähig. Vieles wird praktiziert, ist für die Mitarbeiter auch selbstverständlich, wird aber bei uns noch nicht dokumentiert.” So habe es schlechte Noten für die Hilfe zur Eingewöhnung gegeben, weil hierzu keine Aufzeichnungen vorlagen.

Bessere Erfassung

Das Bonifatius Pflegezentrum hat ein Gesamtergebnis von 2,1 erzielt. Bei der Bewohnerbefragung liegt es bei 1,1. Auch hier zeigte man sich zufrieden mit dem Ergebnis. Einrichtungsleiterin Heidelore Neumann hält nach der Prüfung nun ebenfalls eine bessere schriftliche Erfassung der erfolgten Pflegemaßnahmen für nötig, da durch bisher fehlende Dokumentation einige negative Einzelergebnisse zustande kamen.

Das Wohnstift Dimbeck erreichte ein Gesamtergebnis von 3,1 und bei der Bewohnerbefragung 1,2. Besonders der Punkt „Pflege und medizinische Versorgung” fiel mit der Note 4,0 eher schlecht aus. Vom Wohnstift war gestern niemand für eine Stellungnahme zu dem Ergebnis zu erreichen.

Johanna Bömken

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