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Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler

24.02.2013 | 16:45 Uhr
Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler
Einst modern, nun Schrott: Das Stahlhaus von Peter und Ursula Krämer in Iserlohn.Foto: Andreas Thiemann

Iserlohn.   In den 60ern eine vermeintlich geniale Idee, heute ein Fall für den Schrotthändler. In Iserlohn wird ein Hoesch-Stahlhaus jetzt abgerissen. Deutschlandweit gibt es inzwischen kaum mehr als 50 Stahlhäuser von ehemals gut 200. Die Weltidee hat sich eigentlich als ziemlicher Rohrkrepierer in wirtschaftlicher Hinsicht erwiesen.

Das Wasser tropfte durch die Decke, und aus den Steckdosen war es auch schon gekommen. Höchste Zeit für Ursula und Peter Krämer, sich von ihrem Haus zu trennen. Nach der eigenhändigen Entkernung wird es jetzt von einem Schrotthändler komplett abgerissen. Denn das Eigenheim der Krämers besteht rundum aus Stahl.

„Abbau und Abtransport kosten uns nichts, wir verrechnen das praktisch mit dem Materialwert; Arbeit gegen Schrott sozusagen“, ist Peter Krämer inzwischen einigermaßen zufrieden. Eigentlich hatte er das stählerne Gebäude an das Hoesch-Museum in Dortmund verscherbeln wollen: „Die hatten zwar Interesse, aber leider kein Geld.“

Es folgt ein Haus aus Stein

Auf der Grundfläche des Stahlhauses wird in den kommenden Monaten nun ein herkömmlich gemauertes Haus errichtet, bauhistorisch vielleicht nicht so ausgefallen, aber wohl doch auf lange Sicht solider.

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In den frühen 60er Jahren versprach sich der Hoesch-Konzern mit der Herstellung von Stahlhäusern so etwas wie eine Weltidee. Damals waren die Energiekosten verschwindend gering. Das Geld in den Privathaushalten war knapp und der Glaube an außergewöhnliche Wohnlösungen sehr ausgeprägt. Die Hoesch-Stahlhäuser gaben vor einem halben Jahrhundert durchaus attraktive Antworten auf diese drängenden Fragen. Die Stahlplatten wurden normiert hergestellt, waren schnell, einfach und günstig aufzubauen und variabel zu setzen.

Mit etwas Dämm-Material wurde gegen die Kälte im Winter und die Hitze im Sommer gearbeitet, weitere architektonische Einzelheiten verblüffen schon mehr: Nägel sind in einem Stahlhaus nur mit erheblichem Spezialaufwand zu nutzen. „Im Stahlhaus hängt man Bilder und anderes mit Magneten auf“, erklärt Ursula Krämer. Ihr Mann hat irgendwann einmal magnetisierende Klebebänder entdeckt: „Die halten bombenfest. Ein Bild haben wir gar nicht mehr abbekommen, das geht jetzt wohl mitsamt der Stahlwand in den Schrott.“

Baujahr 1964

Geheizt wurde mit einer Umluftheizung: „Das Haus kühlte zwar schnell aus, wurde andererseits aber auch im Handumdrehen wieder warm.“ Und auch die Lichtschalter arbeiteten unter besonderen Bedingungen: Der Strom wurde als Schwachstrom zum Sicherungskasten geführt, um sich nicht bei einer Wandberührung gleich einen tüchtigen Schlag einzufangen.

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Vor zehn Jahren haben die Krämers das Stahlhaus als Gebrauchtimmobilie übernommen, die Vorbesitzer hatten es 1964 bauen lassen. Über manche Besonderheiten haben sie uns leider im Unklaren gelassen“, erinnern sich die Iserlohner heute. Vor allem die notwendige Badrenovierung entpuppte sich als beträchtliche Herausforderung für den Klempner, denn die Befestigung von Waschbecken, Spiegelschrank und Toilette an den Stahlwänden ist nachvollziehbar alles andere als ein Kinderspiel.

In Schweden verbreitet

Deutschlandweit gibt es inzwischen kaum mehr als 50 Stahlhäuser von ehemals gut 200. Die Weltidee hat sich eigentlich als ziemlicher Rohrkrepierer in wirtschaftlicher Hinsicht erwiesen. Ganz anders als in Großbritannien oder Schweden, wo deutlich mehr Immobilien aus Stahl gebaut sind. Wer noch hierzulande in einem Stahlhaus lebt, kann übrigens gern bei den Krämers in Iserlohn um Rat und auch Material nachfragen - solange der Schrotthändler noch nicht zugeschlagen hat.

Andreas Thiemann


Kommentare
26.02.2013
08:34
Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler
von EhemaligerMendener | #4

Zumindest ist der Werteverfall bei Stahlhäuser weniger als bei Steinhäusern.
Ist doch eine interessante Geldanlage bei den steigenden Rohstoffpreisen

26.02.2013
00:01
Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler
von Westphale | #3

Komisch aber auch, dass Stahl rostet. Wie konnte das denn passieren? Damals glaubte man eben - unter anderem - an Stahlhäuser - heute glauben wir an Windmühlen, den Euro und an Elektromobile ....

25.02.2013
08:35
Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler
von DevonMiles1932 | #2

Vorsicht - nach so einem Artikel kommen bestimmt wieder die sog. Denkmalschützer, die das Haus unter Schutz stellen lassen wollen. Weil es ja eine derart historische Bedeutung für irgendetwas hat - siehe die verfallenen Straßenzüge in der Altstadt oder der "Schlieper-Block"...

24.02.2013
21:16
Stahlhaus - geniale Idee wird zum Fall für Schrotthändler
von Grindelwald | #1

Das Gerippe noch ein bisschen einrosten lassen, dann kommt es auch vor dem Stadtbahnhof ganz gut!

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