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Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen

20.03.2013 | 16:43 Uhr
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
Viel Arbeit, wenig Lohn: Künstler machen auf Facebook ihrem Unmut über aus ihrer Sicht ungerechte Bezahlung Luft.Foto: Thinkstock

Essen.  Sie fühlen sich ausgebeutet durch Gagen, die nicht zum Leben reichen, und Knebelverträge, die keine Freizeit vorsehen: Tausende Künstler schildern auf einer Facebook-Seite ihren alltäglichen Kampf um Geld und Anerkennung. Die Beispiele verdeutlichen, woran es in der Branche krankt.

Tausende Künstler proben den Aufstand: Auf einer Facebook-Seite beklagen sie sich über miese Gagen, unregelmäßige Arbeitszeiten und unfaire Auftraggeber. Tausende Beispiele von Sängern, Musikern, Tänzern und Autoren sind so schon zusammengekommen. Gemein ist ihnen, dass sie genauso wütend sind wie hilflos.

Da ist der Chorleiter, der für 18 Euro pro 45-Minuten-Session einen Kinderchor leiten sollte, Vorbereitung, Nachbereitung sowie Organisation von Auftritten inklusive. Oder der Sänger, der auf eigene Kosten zu einem Vorsingen anreist, dort auch vorsingt, nur um zu hören, dass ein Tenor, kein Bariton gesucht werde.

Künstler, die zu niedrigen Gagen arbeiten, verderben die Preise der anderen

Andere berichten von nicht eingehaltenen Absprachen: Weil der Vorverkauf für ein Konzert schlechter gelaufen war als geplant, sei kurzerhand die Gage der Künstler halbiert worden. Einer berichtet, er habe seinem Konzertveranstalter extra Plakate geschickt habe, um seinen Auftritt zu bewerben. Die Plakate habe er am Tag des Konzerts unausgepackt in einer Abstellkammer gefunden.

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Die Liste der Beispiele ist endlos, ebenso die Aufrufe, "endlich etwas zu tun" und sich "das nicht länger gefallen zu lassen". 5000 Nutzer, nicht nur Künstler, haben auf der Seite den "Gefällt mir"-Knopf gedrückt. Die Wut der Kulturschaffenden richtet sich gegen Konzerthäuser, Veranstalter und Agenturen, aber auch gegen Künstler, die für kümmerliche Gagen arbeiten und somit die Preise verderben.

Eine Unternehmensberaterin gibt Tipps

"Solange genug Kollegen zu diesen Konditionen arbeiten, sehe ich wenig Möglichkeit, Gagenskandale zu verhindern", schreibt einer, "Dass die Kollegen damit am Ast sägen, auf dem wir gemeinsam sitzen, ist ihnen vielleicht egal." Jeder Gedanke an einen Boykott-Aufruf wird mit dem immer gleichen Argument im Keim erstickt: Dann macht den Job halt ein anderer.

Johannes Maria Schatz aus Hagen hat die Facebook-Seite auf die Beine gestellt.Foto: WR Hagen

Eine echte Chance haben die Künstler nur, wenn sie zusammenhalten. Auf der Facebook-Seite bekommen sie Tipps von einer Unternehmensberaterin, die sich nach eigenen Angaben selbst kurz als Künstlerin versucht hat: "Ihr müsst euch gemeinsam gegen die Verhältnisse stellen und mit euren schwachen Waffen angreifen."

Welche Verantwortung tragen die Künstler selbst?

Viele Künstler, wenig Jobs - daraus resultieren niedrigere Gagen. Das ist einfache Ökonomie, und da will der Initiator der Seite, der Hagener Musical-Produzent Johannes Maria Schatz, ansetzen. "Wir wollen Künstler dafür sensibilisieren, dass sie selbst für die Gage verantwortlich sind, zu der sie arbeiten", erklärt er. Wer Mini-Gagen bekämpfen wolle, müsse im Extremfall auch einmal ein Engagement ablehnen, wenn die Gage zu niedrig sei.

Schatz kennt auch die andere Seite des Kulturbetriebs, er hat sowohl als Autor als auch als Produzent von Musicals gearbeitet. Er weiß, dass viele Intendanten und Generalmusikdirektoren Ausschreibungen mit Mini-Gagen nur unwillig unterschreiben. "Die stehen doch auch unter dem Spardiktat der Politik", sagt er. Trotzdem sieht er die Leiter in der Verantwortung: "Dann muss ich meinen Spielplan halt meinem Budget anpassen."

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    Seite 2: Ein Interessenverband für Künstler soll es richten

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Kommentare
25.03.2013
12:36
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von feierabend | #12

Vergiß Facebook, gründet eine eigene Künstlergewerkschaft, sprecht mit seriösen ehrlichen Anwälten und handelt gerechte Konditionen aus, an die sich jeder Künstler aber auch jeder Clubbesitzer und Veranstalter halten muss....!!!!!!!!!!!!!

24.03.2013
09:52
Dumping-Preise a la myhammer
von VolkesMaul | #11

Die Entwicklung ist so weit gegangen, dass ich nach 25 Jahren meine Tätigkeit als Künstler aufgegeben habe und wieder in einen "Alltagsberuf" zurückgekehrt bin. Auf Boards und in Foren werden Künstler und Musiker zu Taschengeld-Gagen ohne Rechnung/Quittung gebucht, bei denen niemand mithalten kann, der von diesen Einnahme leben und seine Sozialversicherung usw. bezahlen muss. Ob Billig-Handwerker oder Billig-Künstler: Die Qualität bleibt in beiden Fällen oft genug auf der Strecke, aber das ist für die Auftraggeber nebensächlich.

23.03.2013
11:59
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von watis | #10

Problem ist, dass viele Künstler "Einzelkämpfer" sind- aber nur durch Zusammenhalt und Austausch unter Kollegen verändern sich Sachen, Preise und Anerkennung. Deshalb finde ich die Facebookseite sehr gut und auch wenn es nach jammern klingt, so setzt sie doch Energien frei und leitet so Veränderungen ein.
Auch wenn ich kein "Promi" bin, kann ich von meiner Kunst meine Familie und mich gut ernähren, befürchte nur, dass nach diesem Bericht wieder häufiger die meistgestellte Frage auftaucht, die Du als Künstler immer gestellt bekommst: "Können sie eigentlich davon leben?". Fragt das bitte keinen Künstler, das nervt. Fragt das doch lieber mal den Polizeibeamten bei der nächsten Alkoholkontrolle ;-)

23.03.2013
09:56
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von Subversion | #9

Ich kann die Künstler verstehen. Wer im Theater oder Konzerthaus arbeitet, muß an den Tagen, and denen Proben sind, Parkplatzgebühren in der jeweiligen Stadt selbst tragen.
Dazu kommt noch der ganze Probestreß zuhause. Selbst die kleine Nachtmusik kann man sich nicht mal eben aus dem Ärmel schütteln. Als Profimusiker muß man üben,üben, bis daß man bekloppt wird. Hat man an dem Tag oder das Wochenende auch noch zwei
verschiedene Arbeitsplätze-wegen der Gage- Nachmittags vielleicht Dortmunder Theater mit den Nibelungen,
Abends dann La Traviata in Hagen, am andern Tag vielleicht noch Berlin und ein anderes Stück wie Orpheus aus der Unterwelt, ist man flexibel, wie es nur geht. Wer zahlt Spritkosten oder Bahnfahrten, Unterkunft? Die Künstler müssen immer unterstützt werden, wo es nur geht. Sonst gibt es nur noch Ramsch, wenn Künstler keine Zeit mehr finden, zu Proben !!

22.03.2013
21:40
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von oxofrmbl | #8

Aber jeder schlägt doch seinen Weg selbst ein, oder wird jemand gezwungen, Künstler zu werden? Wenn ich hier nichts verdiene, muss ich mich halt umorientieren, geht doch jedem anderen Freiberufler/Selbstständigen auch so. Das schlechteste, was man machen kann, ist jammern und die Schuld den anderen geben.

22.03.2013
11:37
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von Ergonomy | #7

Angebot und Nachfrage

22.03.2013
08:37
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von Kulturbanause | #6

Wenn ich manchen Kommentar hier lese, bin ich fassungslos. Bedeutet eine gut geölte Marketing-Maschinerie gleichzeitig eine sehr gute künstlerische Qualität? Dann wundert es mich nicht, dass wir in Deutschland Kunst mit Leuten wie Dieter Bohlen gleichsetzen.

Einerseits können wir uns glücklich schätzen, dass Kunst (egal, in welcher Form) nicht unmittelbar mit Wirtschaftlichkeit verbunden ist (nur, was Geld bringt, gilt als Kunst...). Andererseits birgt dies konkrete existentielle Probleme für viele Künstler, die zwar sehr kreativ in ihrer Arbeit sind, aber mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur schlecht zurecht kommen.

Dies aber pauschal zu verurteilen bzw. zu verspotten, ist unterstes Niveau und unwürdig!

22.03.2013
07:38
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von hagfri | #5

gerade lief der "Echo" über den Bildschirm. Hatte nicht den Eindruck das es denen schlecht geht. Wahrscheinlich, wie in allen Bereichen des Lebens entscheidet Qualität und nicht für das was man sich hält.Angebot und Nachfrage bestimmen überall den Preis. Wenn für etwas kein Markt vorhanden ist, dann sinken die Preise. Krampfhaft seiner Neigung nachzugehen schafft keinen gefüllten Magen. Man muss dann eben andere Erwerbsquellen sich suchen statt sich einem "sozialen Netzwerk" zu widmen. Was daran SOZIAL ist sollte jeden jetzt klar geworden sein? Hilfe, von WEM? Das wäre sozial.

21.03.2013
18:55
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von ferdi23 | #4

na sowas aber auch. In einer Welt, in der nur noch der leistungslose Wohlstand durch Zinseinkünfte zählt, werden sich auch die Musiker daran gewöhnen müssen, dass ihre Arbeit nicht ordentlich honoriert wird. Und wenn dann erst mal die erste Staatsoper privatisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wordne ist, die "an die Börse gehen" soll, wird das sicher einen Riesenspaß geben.

21.03.2013
18:41
Tausende Künstler klagen auf Facebook über miese Gagen
von derM | #3

.....und die GEMA macht sich die Taschen voll!

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