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Gerichtsurteil

Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro

07.08.2012 | 09:00 Uhr
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
Foto: afp

Hagen.  Die Sparkasse Hagen und ihr unbedarftes Zusammenspiel mit zwei offenbar kriminellen Immobilienhaien: Jetzt ging das Geldinstitut in einem Fall eindrucksvoll in die Knie. Statt der ursprünglich geforderten 115. 000 Euro, gibt man sich nunmehr mit bescheidenen 18. 000 Euro Kreditrückzahlung zufrieden. Aber dafür bleibt dem Bankhaus eine womöglich unangenehme Sachaufklärung erspart.

Im Strafprozess gegen die externen Kreditvermittler Johannes H. (45) aus Westerbauer und Wolfgang A. (54) aus Unna ist ein baldiges Ende nicht in Sicht. Bis Januar nächsten Jahres wird in Arnsberg gegen die beiden Angeklagten verhandelt. Sie sollen mehr als 100 russische oder polnische Spätaussiedler übel über den Tisch gezogen haben. Der Vorwurf: H. und A. schwatzten ihren Opfern Finanzierungskredite für ihre überteuerten Immobilien auf. Die Eigentumswohnungen wurden dabei als risikofreie Altersvorsorge angepriesen.

Luftschlösser

Doch die vollmundigen Versprechungen erwiesen sich oft nur als Luftschlösser. In der Anklageschrift sind 50 Fälle von gewerbsmäßigem Betrug aufgelistet. Der angerichtete Schaden soll bei über neun Millionen Euro liegen.

Auch wenn die Sparkasse Hagen an keinem der jetzt angeklagten Fälle mit beteiligt ist und im übrigen bestreitet, mit den beiden mutmaßlichen Straftätern jemals „institutionalisiert zusammengewirkt“ zu haben, so bleibt dennoch festzuhalten: Johannes H. und Wolfgang A. haben mindestens vier Großkreditnehmer auch an das Hagener Geldinstitut vermittelt und dafür von der hiesigen Sparkasse zwischen 0,5 und 1 Prozent Provision erhalten. Und: Die Darlehen wurden jedes Mal für den Erwerb überteuerter Eigentumswohnungen ausgezahlt.

Ärztin fühlt sich arglos getäuscht

Eine 35-jährige Ärztin ist eine der Geschädigten aus dem Hagener Kreditkomplex. Sie erwarb im Jahr 2004 über A. und H. arglos eine überteuerte Eigentumswohnung, knapp 76 Quadratmeter groß, zum Preis von 208.800 Euro. Nachdem der Verkauf eingefädelt war, besorgten ihr die Provisionsvermittler A. und H. durch die Sparkasse Hagen die Vollfinanzierung der Immobilie. Das war im Oktober 2004.

Die Folgen der Kredit-Affären beschäftigt Justitia. Foto: WAZ

Im Juli 2010 kündigte das Geldinstitut das Darlehen auf. Anlass: Die Medizinerin war finanziell klamm, sie ist in Elternzeit gegangen, erwartet gerade ihr zweites Kind und konnte deshalb die Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr aufbringen. Zuletzt verscherbelte sie ihre Eigentumswohnung für gerade einmal 95.000 Euro – das Geld floss voll der Sparkasse zu. Danach gab die hoch verschuldete Ärztin den so genannten „Offenbarungseid“ ab. Derweil versuchte die Sparkasse Hagen noch, gut weitere rund 115.000 Euro bei ihr zu vollstrecken. Sie wehrte sich dagegen mit einer Klage vor dem Dortmunder Landgericht (Aktenzeichen 24 O 557/11).

Richter Karl-Friedrich Coerdt, Vorsitzender der 24. Zivilkammer: „Wir wollen Klartext reden. Das Hauptverschulden liegt bei denjenigen, die gerade in Arnsberg vor dem Strafgericht sitzen. Es ist wohl nicht zu erwarten, das diese beiden Männer uns hier reinen Wein einschenken werden.“

Kammer setzt im Kreditstreit auf Einigung

Die Kammer regte deshalb dringend eine Einigung an: Zur Erledigung des Rechtsstreits sollte sich die Ärztin verpflichten, noch 36.000 Euro an die Sparkasse zu zahlen. Gelingt es ihr bereits bis Ende August 18.000 Euro zu begleichen, so wird ihr die Restsumme erlassen. Die Sparkasse verpflichtete sich, die Schufa von dem Vergleich zu unterrichten, „um die Bonität der Klägerin wieder herzustellen.“ Die Medizinerin ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. „Das Ende der Schuldenspirale“, so sagt sie erleichtert, „ist in Sicht.“ Der Anwalt der Sparkasse, Dr. Ekkehard Padeck, kommentiert es so: „Der Vergleich ist eine rein wirtschaftlich-pragmatische Lösung.“

Helmut Ullrich



Kommentare
11.08.2012
20:59
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
von Zanti | #8

Wie dumm kann man denn sein, eine Immobilie ohne Wertgutachten zu kaufen.
Hier handelt es sich doch nicht um ein Kilo Äpfel...
Selbt schuld sag ich nur.

10.08.2012
09:33
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
von diemaulwurf | #7

Komisch, mir erlässt die Sparkasse meine Kreditschulden nicht.
Warum ist das so?

07.08.2012
22:20
Prüfung statt Generalisierung
von degree37celsius | #6

Der bereits mehrfach genannte Ratschlag, sich bei ernster Kaufabsicht hinsichtlich einer Eigentumswohnung selbst ein unabhängiges Fachgutachten zu beschaffen, statt sich allein auf die Vorlagen des Verkäufers, oder eines beteiligten Geldinstitutes zu verlassen, ist zweifellos richtig.

Etwas weniger eindeutig ist die behauptete Entwicklung des Immobilienmarktes. Die regionalen Unterschiede, sowie darin jeweils die nach Wohnlagen sind gewaltig. In boomenden Ballungszentren wie Frankfurt oder München werden aktuell die dort eh schon hohen Immobilienpreise durch renditeorientierte Kapitalanlage in diesem Sektor gar noch weiter nach oben getrieben.

Für Eigenbedarfler kommen zum qm/p besonders die Ausstattungsunterschiede hinzu. Die Kaufentscheidung anhand lediglich der nackten Angabe von Quadratmetern und Verkaufspreis, wäre wie ein Autokauf ohne Berücksichtigung des Spritverbrauches. Will sagen: die Nebenkosten muss man beim Wohnungskauf doch immer stärker auch einbeziehen.

07.08.2012
19:19
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
von Pelzbohne | #5

Leute lasst euch nicht vera....en! Die Preise für Eigentumswohnungen sind momentan ganz schön im Keller.
Moderne Eigentumswohnungen mit rund 70 Quadratmeter in bester Wohnlage gibt es schon für 60.000 Euro!

Bezahlt ein paar Hundert Euro mehr für ein Gutachter, anstatt Hunderttausende zuviel an Profitgierige Banker und Ganoven!

07.08.2012
13:37
Gesiebte Luft Mendener Art
von bearny | #4

Ist wohl nicht der einzige Fall einer Sparkasse:
In Menden wurden Aussiedlern Wohnungen und Häuser verkauft, indem ihnen der Betrag einfach als Betrag aufs Girokonto gebucht wurde.
Die Immobilien waren z.T. noch nicht mal fertig, kassiert wurde trotzdem. Der Betrug flog auf, die Verantwortlichen dürfen nun gesiebte Luft atmen und die Sparkasse ist nun unter neuer Leitung. So was will sich die Sparkasse Hagen wohl ersparen?

07.08.2012
11:57
Meine Güte ...
von Partik | #3

... wo findet diese Art Gauner denn nur immer wieder solche naiven Geldgeber?

Muss man es denn den Leuten mit dem Hammer einprügeln, dass man vor dem Kauf einer Immobilie erst durch einen eigenen Gutachter den Wert bestimmen lässt?

07.08.2012
11:42
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
von parsick32 | #2

es ist doch unglaublich wie eine sparkasse arbeitet. aber werden die verantwortlichen zur rechenschaft gezogen? verlangt doch von den zuständigen mitarbeitern eine wiedergutmachung des verursachten schadens. ist die sparkasse hagen auch bei ihren anderen kunden so großzügig und erläßt ihnen kredite? wie dem artikel zu entnehmen ist wird in dem fall das gericht bemüht um an das geld zu kommen.

07.08.2012
11:19
Statt Aufklärung verzichtet Hagener Sparkasse auf fast 100.000 Euro
von Susan2012 | #1

Was soll es, im Zweifelsfall hilft der Rettungschirm, also der Steuerzahler wenn die Kohle knapp wird.

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