Das aktuelle Wetter Hagen 15°C
Mode

SinnLeffers-Übernahme - Zwei starke Marken sollen bleiben

04.01.2013 | 17:21 Uhr
Auf dem Bild: vl.: Patrick Feller, Aufsichtsratsvorsitzender von Sinn Leffers und Geschäftsführender Gesellschafter der DIH, Olivier Wöhrl, Abram Nette, Gerhard Wöhrl, Matthias von Tettau( DIH) und Karsten Oberheide.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Mehr als vier Jahre nach der Sinn-Leffers-Insolvenz beginnt für die 2000 Mitarbeiter ein neues Kapitel: Die Nürnberger Modekette Wöhrl übernimmt die Hagener. Entlassungen oder Standortschließungen sind vorerst nicht geplant. Es bleibt bei zwei selbstständigen Unternehmen mit einem gemeinsamen Eigentümer.

Eine Überraschung gab es nicht mehr zu verkünden. „Das Kartellamt war schneller, als wir gedacht hatten“, kommentierte Patrick Feller, Aufsichtsratsvorsitzender von Sinn-Leffers und Geschäftsführender Gesellschafter des Finanzdienstleisters DIH, die Tatsache, dass einen Tag vor der Pressekonferenz bekannt wurde: Der bayerische Textilhändler Wöhrl schluckt seinen Hagener Konkurrenten Sinn-Leffers.

Wobei Gerhard Wöhrl, Sohn des Gründers, der sich 2010 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und es an seinen Sohn Olivier weitergegeben hat, korrigierte: „Das wurde falsch berichtet. Nicht die Rudolf Wöhrl AG, sondern die Familie Wöhrl kauft Sinn-Leffers von der Deutschen Industrie-Holding.“ Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts. Aber da rechnen alle Beteiligten mit einer positiven Entscheidung.

Unternehmen sollen eigenständig bleiben

Und der Unterschied zwischen Unternehmen und Familie - warum ist der wichtig? Weil, so erklärt es Gerhard Wöhrl, es bei zwei selbstständigen Unternehmen bleiben soll. Mit einem gemeinsamen Eigentümer. Als Beispiel nennt er Saturn und MediaMarkt. Die allerdings zuletzt durch dauernden Eigentümerstreit auffällig wurden. Aber das ist ein Spezialfall. Und für Sinn-Leffers eröffnet die Selbstständigkeit die Chance, die Hagener Firmenzentrale zu erhalten. Die Chance - mehr nicht. Langfristige Garantien wurden gestern nicht gegeben.

Hintergrund
Wöhrl beschäftigt 2000 Mitarbeiter
Wöhrl beschäftigt 2000 Mitarbeiter
  • Die Wöhrl Unternehmensgruppe beschäftigt über 2000 Mitarbeiter an 38 Standorten in Baden Württemberg, Bayern, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Der Jahresumsatz liegt bei mehr als 300 Millionen Euro. Wöhrl steht für eine über Jahrzehnte hinweg gewachsene Unternehmenskultur.
  • SinnLeffers betreibt bundesweit Modehäuser mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von über 300 Millionen Euro. Die DIH hatte das Unternehmen 2005 als Sanierungsfall von der KarstadtQuelle AG erworben. Durch eine Neupositionierung und Bereinigung des Filialportfolios ist es den Eigentümern gemeinsam mit den rund 2.000 Mitarbeitern gelungen, SinnLeffers wieder profitabel aufzustellen und an seinen 22 Standorten zu stärken.
  • Die DIH – Deutsche Industrie-Holding ist ein von Banken und Industrie unabhängiges Beteiligungsunternehmen. Sie agiert mit eigenem Kapital und bringt sich längerfristig und aktiv in ihre Investments ein.

Dafür klopfte man sich selbst und einander ausgiebig auf die Schulter: Die erfolgreiche Ausrichtung seit der Insolvenz sei Wöhrl aufgefallen, begründete Feller den Verkauf. Man habe die Marke ­wieder belebt und aufgewertet, substanziell in die Häuser investiert und ein erfreuliches Umsatzplus erwirtschaftet. Warum dann nicht das Investment halten? Weil die DIH einen „angemessenen Kaufpreis“ erzielt habe. Vor allem aber aus Verantwortung: „Nur eine bestimmte Unternehmensgröße kann langfristig Standorte und Arbeitsplätze sichern.“ Und Wöhrl sei als langfristig orientierter Familienunternehmer ideal für die Zukunft von Sinn-Leffers, auf die vor ein paar Jahren niemand habe wetten wollen.

Komplimente verteilten auch die Wöhrls. „Respekt für die letzten drei Jahre in schwieriger Zeit“ äußerte Olivier Wöhrl, Vorstandsvorsitzender der AG, die außer in Bayern auch im Osten und Südwesten vertreten ist. Er sieht hohe Überschneidungen darin, „wie wir Handel verstehen: Wir setzen beide auf Markentextilien, Qualität, kompetente Beratung, gute Standorte.“ Und eine Garantie gab es doch: „Alle Häuser werden fortgeführt.“ Auch dort, wo beide Unternehmen vertreten sind - in Dresden, Magdeburg und München.

Wöhrl schließt neue Standorte nicht aus

Und was ist mit neuen Standorten? Die will Gerhard Wöhrl, der in der Vergangenheit bereits mehrere kleine Familienunternehmen oder Hertie-Immobilien, „aber noch nie eine so wichtige Gruppe übernommen“ hat, zumindest „nicht ausschließen“. Vorrangig seien aber zunächst, so erklärte es Sinn-Leffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide, Investitionen in den Bestand. Auch wenn er sich eine Rückkehr an den Unternehmenssitz Hagen wünscht. Man sei da in Gesprächen. Im laufenden Jahr sei damit aber nicht zu rechnen, und auch eine Filiale in der derzeit entstehenden Rathaus-Galerie schloss Oberheide aus. Sinn-Leffers hatte wegen eben dieser Baustelle Ende Februar vergangenen Jahres das Hagener Geschäft geschlossen.

Mode
Kartellamt bestätigt Übernahmepläne für SinnLeffers

Der Nürnberger Mode-Händler Wöhrl übernimmt die Modekette SinnLeffers mit rund 2000 Mitarbeitern. Das Bundeskartellamt hat am Freitag einen entsprechenden Antrag bestätigt. 2008 hatte SinnLeffers eine Planinsolvenz angemeldet.

Am Freitag musste die Geschäftsführung zunächst versuchen, die Mitarbeiter in der Zentrale zu beruhigen, wo die Stimmung nach den ersten Nachrichten vom Donnerstag Nachmittag „sehr aufgeladen“ gewesen sei, so Oberheide. Erfolgreich? „Wir konnten ihnen viel von den Ängsten nehmen und die Chancen aufzeigen.“

Branchen-Insider waren schon länger davon ausgegangen, dass beide Ketten zu klein für den hart umkämpften deutschen Modemarkt sind, auf dem viele klassische Textilhändler mit sinkenden Erträgen kämpfen, während der Internethandel boomt. Davon will künftig auch Sinn-Leffers profitieren: „Im März werden wir unser Online-Angebot starten“, kündigte Oberheide gestern an.

Neueröffnung von SinnLeffers

Nach seinen Worten steht der stationäre Einzelhandel vor gewaltigen Veränderungen. Der Eigen­tümerwechsel mache nun den Weg frei, gemeinsam darauf zu reagieren: „Zwei starke Marken, die zusammen passen, wachsen nun auch zusammen.“ Wobei Sinn-Leffers stolz darauf ist , den Eigenmarkenanteil, der zu Karstadt-Zeiten bei 40 Prozent lag, auf zehn Prozent gedrückt zu haben: „Wir wollen immer nur die angesagtesten Marken bieten.“

Harald Ries



Kommentare
05.01.2013
18:21
SinnLeffers-Übernahme - Zwei starke Marken sollen bleiben
von wohlzufrieden | #1

Die starken Marken bleiben, die schwache Bezahlung kommt...Ja, für die macht das Sinn.

Aus dem Ressort
Seniorensport auf dem Kinderspielplatz
Soziales
Auf dem Spielplatz im Hilgenland hat die Bezirksvertretung Nord drei Senioren-Sportgeräte aufstellen lassen – einen Bein-, einen Schulter- sowie einen Rückentrainer.
Stadt Hagen wird für illegales Abkassieren bestraft
Parkgebühren
Die Stadt Hagen muss an den Stuttgarter Baukonzern Züblin 100 000 Euro zahlen. Der Grund: Die Stadt hatte über mehrere Jahre Gebühren auf einem Parkstreifen am Fuße des Rembergs kassiert, obwohl das schmale Grundstück der süddeutschen Bauunternehmung gehörte.
Parfümerien-Chef Manfred Kroneder verlässt Douglas
Handel
Der Vertrag von Manfred Kroneder, Chef der Parfümeriesparte, bei Douglas wird nicht verlängert. Vorstandschef Henning Kreke übernimmt kommissarisch. Die Gerüchte um einen Börsengang der Ertragsperle - eventuell zusammen mit Christ - reißen derweil nicht ab.
Mann (27) in Hagen unter Wasserkästen und Kühlbox begraben
Unfall
Nicht alltäglicher Unfall in der Hagener Innenstadt. Ein 27-Jähriger wurde in der Humboldtstraße von Mineralwasserkisten und einer Kühlbox begraben. Sie waren ihm beim Entladen von der Hubbühne gestürzt. Der Mann musste mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.
2310 Raser auf der Autobahn - Blitzmarathon in Südwestfalen
Blitzmarathon
Beim zweiten bundesweiten Blitzmarathon waren in Nordrhein-Westfalen mehr als 3500 Polizisten an 3400 Messstellen im Einsatz. Radarkontrollen an den Schulwegen standen im Fokus. Schulkinder hatten vorgeschlagen, wo geblitzt werden soll. Hier lesen Sie alles über den Blitzmarathon in Südwestfalen.
Fotos und Videos
Amoniak-Alarm im Lennetal
Bildgalerie
Feuerwehr
Enervie-Arena wird zum Laufsteg
Bildgalerie
Søren-Modenschau
Hagener Photographien
Bildgalerie
Fotoausstellung
Phoenix Hagen gegen Tel Aviv
Bildgalerie
Basketball