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Schüleraustausch mit Smolensk

Selbstverständliches schätzen lernen

02.04.2009 | 17:40 Uhr
Selbstverständliches schätzen lernen

Hagen. Radio durch Lautsprecher mitten auf der Straße, Dusche ohne Vorhang: Drei Schülerinnen der Waldorfschule erlebten drei Monate Russland hautnah. Ihr Austausch nach Smolensk wurde von der Stiftung „Deutsch-Russischer Jugendaustausch” zum Teil finanziert.

Seit einer Woche sind sie wieder in Hagen. „Auf der Rückreise erlebten wir fünf Kontrollen”, erzählt Manischa Eichfelder (15), „Überhaupt schon 27 Stunden im Zug zu sitzen ist anstrengend, aber dann mussten wir noch immer Fragen beantworten, warum wir so viel Gepäck haben. Ein Kontrolleur durchstocherte die Decke des Zuges, ein anderer durchleuchtete das ganze Abteil mit einer Taschenlampe, Hunde wurden zu uns geschickt und alle Kontrolleure hatten Kalaschnikows auf dem Rücken. Das ist schon beängstigend.”

Eva Neubert (16) hat in den drei Monaten unterschiedliche Lebensstile der Smolensker kennengelernt, da sie zweimal die Familie wechselte. „Die erste Familie war für russische Verhältnisse reich. Bei uns würden wir sagen, dass sie normal leben. Die zweite war auch wohlhabend, denn sie lebten in einer zweistöckigen Wohnung. Die meisten sechsköpfigen Familien leben in einer zweieinhalb Zimmerwohnung. Zuletzt habe ich dann bei einer Studentin in einer sehr kleinen Wohnung gelebt. Dort hat es mir am besten gefallen”, erklärt sie. Alessa Bongrazi (16) erzählt: „Wenn man so eng zusammenlebt, gibt es kaum Privatssphäre. Alles ist viel einfacher als hier.” Die Duschen hätten keinen Vorhang, überhaupt sei der sanitäre Standard wesentlich einfacher als bei uns: „ganz schön gewöhnungsbedürftig.”

Auch das Schulsystem ist anders als das deutsche. „Klassen von verschiedenen Schulen sind in einem Gebäude untergebracht. Die Klassen bestehen nur aus sieben oder acht Schülern”, sagt Eva. Manischa ergänzt: „Da die Schüler schon in der elften Klasse Abitur machen, haben sie in der 9. und 10. Klasse schon sehr wichtige Prüfungen. Alles ist strenger als hier. Auch nachmittags gehen die Schüler bis zu viermal in der Woche zu extra Förderkursen.” Trotzdem ist das Lehrer-Schüler Verhältnis viel enger als in Deutschland. Die drei Mädchen erlebten an Karneval wie Lehrer und Schüler zusammmen feierten. „Das wäre hier undenkbar”, meint Alessa.

Manischa und Eva wurde der Aufenthalt am Anfang dadurch erschwert, dass sie Vegetarier sind. „In Russland wird fast nur Fleich gegessen. Es gibt sogar schon morgens warmes Essen.” Doch die Gastfamilien waren verständnisvoll und kochten Gerichte ohne Fleisch für die beiden.

Die drei lernen seit der 2. Klasse Russisch, sie erweiterten ihre Sprachkenntnisse. „Selbstverständlichkeiten für uns wie ein eigenes Zimmer haben wir erst richtig schätzen gelernt”, betont Alessa. Alle drei hoffen nocheinmal nach Russland zu kommen, aber für immer dort zu leben können sie sich nicht vorstellen.

Janine Teipel



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