Tür-ki-ye, Tanz, Trommelzauber
16.06.2008 | 20:25 Uhr 2008-06-16T20:25:30+0200Nach dem 3:2-Sieg über Tschechien brachen im Norden und Süden alle Dämme.Hunderte türkische Fans feierten den EM-Triumph. Kreuzungen gesperrt. Kaum Zwischenfälle
"Geht alle feiern! Geht auf die Straße!" (Türkei-Trainer Fatih Terim um 23.04 Uhr im ZDF-Interview) In Gelsenkirchen dürfte diese Aufforderung wohl kein türkischer Fan mehr vernommen haben - bestimmten zu diesem Zeitpunkt im Norden und Süden bereits rot-weiße Fahnenmeere und Auto-Korsos das Straßenbild.
Dabei riecht es gegen 22.15 Uhr auf der Polizeiwache noch alles nach einem ruhigen Dienst für Polizeisprecher Konrad Kordts und die rund 100 Kollegen im Bereitschaftsdienst. 2:0 führen die Tschechen, die Türkei ist raus. War raus: Nach 95 Minuten steht es 2:3 - und auch in Gelsenkirchen brechen alle Dämme. Die Emotionen entladen sich auf der Straße.
Feuerwerkskörper steigen auf, Menschentrauben strömen aus Häusern und Cafés. "Im Vergleich zum letzten Spiel ist es noch mal deutlich voller", sagt Konrad Kordts, der mittlerweile in der Altstadt steht und seinen Blick auf eines der Epizentren des Fan-Bebens richtet: die Kreuzung Haupt-/Ringstraße.
Weit über 100 türkische Fans tummeln sich dort bereits kurz nach Abpfiff. Sie singen, klatschen, liegen sich in den Armen, schreien ihre Begeisterung einfach heraus: "Tür-ki-ye, Tür-ki-ye ...". Die Polizei hat die Kreuzung längst abgeriegelt. Kordts: "Wenn so gefeiert wird, gibt es für uns keinen Grund einzuschreiten."
Und "so" gefeiert, nämlich: laut, aber (fast) überall friedlich wird in dieser Nacht an vielen Orten. Zum Beispiel: am buerschen Busbahnhof. Ein Trommler gibt auf der gesperrten Kreuzung den Takt vor, zeitweise rund 800 Fans - darunter junge Frauen und ganze Familien - klatschen, singen, tanzen begeistert mit.
Die Post geht auch anderswo ab: in Hassel auf der Polsumer Straße, auf der Kreuzung Vinckestraße/Horster Straße und natürlich wie schon beim letzten Spiel im Herzen Bismarcks. "Beim letzten Spiel haben hier ein paar Jugendliche über die Stränge geschlagen", sagt Kordts. Auch in dieser Nacht ist die Kreuzung Bismarckstraße/Bickernstraße hoffungslos überfüllt. Bis zu 1000 Fans feiern hier in der Spitze, doch Ausschreitungen bleiben diesmal aus. Die Polizei ist zumindest gewappnet und setzt Beamte mit türkischen Wurzeln und Sprachkenntnissen ein.
Nach Mitternacht kommt es an der Hauptstraße zu einem Zwischenfall, als Deutsche und Türken aneinandergeraten. Der Spuk ist aber schnell vorbei - dank einiger gezielten Ansprachen und durch einen (nicht gezielt eingesetzen) "kurzen Strahl Pfefferspray".
Nach Mitternacht flaut der Jubel etwas ab. "Der Verkehr läuft ja fast normal", staunt Kordts. Auch die Huparien werden immer dünner und verklingen irgendwann in der Nacht. Auch deshalb, weil die Polizei in Bismarck den ausdauerndsten Fans gegen 1.35 Uhr noch einmal ins Gewissen redet und auf die Nachtruhe verweist.
Das nächste Fußballfest kommt bestimmt: Am Freitag tritt "Tür-ki-ye" um 20.45 Uhr gegen Kroatien an. Und (Fußball-)Wunder gibt es bekanntlich immer wieder . . .
19:04
Freitag ist DEUTSCHLAND KROATIEN!!!
Wer nicht hüpft der ist ein Türke hey hey!!!
17:58
Freitag ist der Spuk zum Glück vorbei!
11:20
Hallo Lutschi - weil Ihr in Deutschland in der absoluten Minderheit seit. Ich finde es gar nicht so unübel wenn und wie die normalen Türken feiern!
07:12
Gestern hat Italien gewonnen. Ach war das schön, kein Krawall, kein Theater mit der Polizei. Warum können die Türken nicht so feiern?
22:34
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22:23
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