Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 11°C
Bezirksvertretung Süd

Der vergessene Dahlbuschpark und warum ein Bürger sauer ist

01.06.2012 | 19:05 Uhr
Der vergessene Dahlbuschpark und warum ein Bürger sauer ist
Klaus Brandt und Presbyterin Roswitha Fleischer mit der ursprünglichen vorlage der Verwaltung.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Klaus Brandt hat beantragt, die Grünfläche an der Steeler Straße „Ernst-Käsemann-Park“ zu nennen. Erst empfahl die Verwaltung der Bezirksvertretung, dem Vorschlag zu folgen – dann zog sie zurück. Weil der Park schon einen Namen hat ...

Eine Wiese mitten in Rotthausen, gekrönt von stattlichen Eichen, Kastanien, Ahornen, gleich nebenan ein Spielplatz mit sattem Grüngürtel.

Ein idyllischer Ort, geeignet, an einen großen Mann zu erinnern, der gleich gegenüber in der Rotthauser Kirche von 1933 bis ‘46 wirkte: Pfarrer Ernst Käsemann. So dachte sich Klaus Brandt, der das grüne Kleinod an der Steeler Straße nur unter dem nirgendwo verbrieften Namen „Invalidenpark“ kennt. Also stellte Brandt den Antrag auf die Namensgebung Ernst-Käsemann-Park, der Zustimmung auf allen Ebenen fand. Fast zu schön, um wahr zu sein. . .

Opfer allgemeiner Vergesslichkeit

Sozusagen auf der Zielgeraden fiel es dann auf: Ups, der Park hat ja schon einen Namen. Dahlbuschpark heißt er seit 2005. Die Bezirksvertretung Süd hatte seinerzeit einen entsprechenden CDU-Vorschlag ohne schriftliche Vorlage einstimmig abgesegnet. Schnell wurde indes der Name Dahlbuschpark Opfer allgemeiner Vergesslichkeit. Weil weder ein Straßenschild noch ein Eintrag im Stadtplan daran erinnert.

Quasi um kurz vor Zwölf erfuhr ein Zeitzeuge des 2005-er Beschlusses von der Vorlage für die Sitzung der Bezirksvertretung Süd am kommenden Dienstag, in der die Verwaltung empfohlen hatte, dem Antrag zur Umbenennung der „im Volksmund auch Invalidenpark genannten“ Grünfläche in Ernst-Käsemann-Park zu folgen.

Rolle rückwärts in der Verwaltung

Die Verwaltung machte wacker eine Rolle rückwärts: Der Antrag bleibt zwar auf der Tagesordnung der Sitzung am Dienstag (16 Uhr bei Gelsendienste, Wickingstraße), allerdings wird jetzt die Ablehnung von Brandts Begehr und stattdessen die Suche nach einem alternativen Ort für den berühmten Rotthauser Namen empfohlen.

Antragsteller Klaus Brandt fühlt sich vor den Kopf geschlagen. „Ich glaube das alles nicht. Ich will den Beschluss sehen.“ Mit sarkastischem Unterton kündigte er Freitag an: „Wenn das stimmt, ziehe ich vermutlich meinen Antrag zurück und komme als Bürgerinitiative wieder.“ Für ihn kommt nur dieser Raum für Ernst Käsemann in Frage. Für den Namen des Mannes, der den Nazis die Stirn geboten hat, für den unbeugsamen Kritiker, Mahner und Theologen und, nicht zu vergessen, Vater von Elisabeth Käsemann.

Versäumnis sei geheilt worden

Jörg Kemper, Referatsleiter für Rat und Bezirksvertretungen, erklärte gegenüber der WAZ, der Beschluss von 2005 sei in der „Lebenswirklichkeit offensichtlich nicht angekommen“. Wohl auch in der der Verwaltung nicht. Bei der Vorbereitung der Vorlage sei versäumt worden, nach alten Beschlüssen zu suchen. „Bei keinem der Beteiligten ist ein Reflex angesprungen.“ Das Versäumnis sei aber geheilt worden.

Der Würde des Namens Ernst Käsemann könne aus seiner Sicht auch an anderer Stelle Rechnung getragen werden.

Inge Ansahl



Kommentare
Aus dem Ressort
Zwischen den Mühlsteinen stecken: die Bürger
Kommentar
Viele Städte im Ruhrgebiet haben finanzielle Probleme. Die Ursachen sind vielschichtig. NRW und das Revier haben in Berlin keine Lobby. Die Große Koalition trägt dazu bei, in dem sie Wahlversprechen nicht einhält und selbst die SPD missachtet den Schlag ihrer „Herzkammer“, ohne die sie als...
Zwei Frauen aus Gelsenkirchen für ein Europa
EU-Politik
Gabriele Preuß (SPD) und Terry Reintke (Bündnis 90/Grüne) zogen nach der Europawahl im Mai ins EU-Parlament ein. Die sitzungsfreie Woche nutzten sie auch für Gespräche in Gelsenkirchen.
Eine Denkfabrik nimmt die Zukunft von Gelsenkirchen ins Visier
Stadtplanung
„Der Bund Deutscher Architekten hatte zur Aktion „Think Tank – 36 Stunden Gelsenkirchen“ eingeladen. 40 Architekturstudenten aus dem Bundesgebiet waren der Einladung gefolgt und haben sich bei Touren durch die Stadt ihr ganz eigenes Bild gemacht. Ihre Ideen wollen sie nun zusammenfassen
Seit 15 Jahren gibt es in Gelsenkirchen Barock
Musik
Das Ensemble caterva musica lädt regelmäßig zu ungewöhnlichen Konzerten in die Glashalle von Schloss Horst in Gelsenkirchen ein. Im Jubiläumsjahr haben die Musiker aus Bochum und Gelsenkirchen nun die erste CD veröffentlicht: „Concertare - Abseits vom Mainstream“ heißt sie.
Unangemeldete Baustelle vergrätzt Pendler in Gelsenkirchen
Stau
Direkt hinter der Kreuzung Florastraße/Overwegstraße in der Gelsenkirchener Altstadt war die zweite Fahrspur Richtung Hauptbahnhof von Baustellenfahrzeugen und Arbeitern blockiert. Lange Staus waren die Folge. Die Arbeiten waren mit der Stadt nicht abgesprochen - die ließ die Baustelle räumen.
Umfrage

Geht es nach dem Willen der nordrhein-westfälischen Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK), dann sollen langjährige Empfänger von Hartz IV, die kaum noch Aussicht auf Rückkehr auf einen regulären Arbeitsplatz haben, als „Assistenten“ in Schulen, Kitas sowie Alt- und Pflegeheimen eingesetzt werden. Im Gegenzug werden ihre Sozialleistungen aufgestockt und künftig als „Gehalt“ gezahlt. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Schalke-Choreos
Bildgalerie
Schalke-Fans