Das aktuelle Wetter Essen 11°C
Verbraucherschutz

Verbraucherzentrale in Essen warnt Senioren vor Maschen der Telefonabzocker

16.03.2011 | 19:13 Uhr
Verbraucherzentrale in Essen warnt Senioren vor Maschen der Telefonabzocker
Rund 1300 Anfragen zum Thema Telefonabzocke gab es 2010 in Essen. Besonders ältere Menschen fallen häufig auf die Betrüger rein. Foto: Birgit Schweizer

Essen.   Den Weltverbrauchertag nutzte die Beratungsstelle an der Hollestraße, um gemeinsam mit der Polizei vor allem alten Menschen zu helfen. Allein 1300 Anfragen zum Thema Telefonabzocke gab es in 2010. Der lokale Schaden wird auf 15.000 Euro geschätzt.

„Mit herzlichen Grüßen“ heißt es am Ende des Schreibens, das die 76-Jährige aufforderte, ihr „Gewinnspiel-Heft“ zu bezahlen. So nett der Brief auch klingen mag, seine Intention ist krimineller Natur. „Ich habe kein Probe-Abo abgeschlossen“, betont die Frau beim Besuch der Verbraucherzentrale an der Hollestraße. Sie erinnert sich nur an ein Telefonat im November: Der Anrufer habe nur ihre persönlichen Daten abgleichen wollen, weil sie angeblich zu einer kostenlosen Lotterie-Tippgemeinschaft gehöre. Dies sollte, so der Anrufer, nun kostenpflichtig werden, deshalb müsse sie kündigen. Verdutzt gab sie daraufhin Namen und Adresse an, verweigerte aber ihre Bankverbindung. Später erhielt sie Ausgaben des Heftes. Die 76-Jährige reagierte mit einem Schreiben an den Absender – und bekam zur Antwort das Schreiben mit dem Überweisungsträger. Im Gegensatz zu anderen Opfern ist ihr kein finanzieller Schaden entstanden.

80.000 Opfer bundesweit

Es geht aber auch anders: Im April nahm die Kripo ein Callcenter am Kopstadtplatz hoch. Dort wurden mit der Telefon-Masche zehn Millionen Euro von rund 80.000 Opfern bundesweit ergaunert. Grund genug für die Verbraucherzentrale NRW das Thema Telefonabzocke für den Weltverbrauchertag 2011 zu wählen. „2010 hatten wir dazu in Essen etwa 1300 Beratungen und Anfragen“, sagt Verbraucherschützerin Doris Grzegorczyk. Den lokalen Schaden schätzt sie für 2010 grob auf 15.000 Euro.

„Ältere Menschen sind zu höflich, um einzuhängen“, weiß Grzegorczyk, die gestern mit Kripo-Kommissar Heinz-Jürgen Eikmeyer vielen Betroffenen Rede und Anwort steht – und gegebenenfalls auch bei ihm direkt Anzeige erstatten. „Vergangenes Jahr gab es in NRW in diesem Bereich über 60.000 aufgeklärte Fälle“, erklärt er.

Psychodruck widerstehen

Einsamkeit und schlechtes Erinnerungsvermögen nutzen die Betrüger bei der Generation über 70, der Trick bleibt gleich: „Angebliche Lotto-Spielgemeinschaften oder Gewinneintragungsdienste melden sich, sagen, man sei bereits kostenloser Teilnehmer, könne aber auch kündigen. Dafür bräuchten sie einen Abgleich persönlicher Daten“, erklärt die Beraterin. Sind einmal die Kontodaten preisgegeben, buchten sie Beträge zwischen 30 und 60 Euro monatlich ab.

„Dem Verbraucher fällt das erst später auf“, sagt sie und rät: „Lastschriften können die Banken, anders als sie sagen, auch nach sechs Wochen zurückfordern.“ Sie empfiehlt Betroffenen, dem gezielten Psychodruck von Rechtsanwälten, Inkasso-Büros und gerichtlichen Mahnverfahren zu widerstehen: „Gehen die Betrüger bis vor Gericht, was bisher nie passiert ist, müssen sie das begründen. Obwohl sie es in den Schreiben vorgeben, haben sie aber keine Telefonaufzeichnung, mit der sie die Einwilligung zu einem Vertrag nachweisen können.“

Tim Walther



Kommentare
Aus dem Ressort
Diehl als Vize-Aufsichtsratchef bei EBE – Politik sprachlos
EBE
Manfred Diehl soll’s bei den skandalumwitterten Entsorgungsbetrieben Essen (EBE) richten: Die Arbeitnehmervertreter wollen den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden zum stellvertretenden Aufsichtsratchef machen. Auf Seiten der politischen Vertreter im Aufsichtsrat ist man erstaunt.
Warum dem Stadtarchiv in Essen der Rotstift droht
Finanzen
Der Lesesaal im „Haus der Essener Geschichte“ soll künftig nur auf Anfrage öffnen, denn Kämmerer Lars Martin Klieve dreht am Personalschlüssel. Laut Haushaltsplanentwurf sollen zwei Mitarbeiter des Magazins eingespart werden. Dabei erfreut sich das Haus eines wachsenden Interesses.
Stadt Essen plant Gründung einer Immobilien-Holding
Immobilien
Die Stadt Essen fasst die Gründung einer Immobilien-Holding ins Auge. Sollte es zu dieser Holding kommen, hätte dies Folgen für das Geflecht aus Beteiligungsgesellschaften unter dem Dach der EVV und für das ein oder andere Ratsmitglied. Denn mancher Aufsichtsratsposten wäre wohl überflüssig.
"Die Kunden gestalten die Speisekarte mit"
Ernährung
Letzter Teil unserer Serie über gesunde Ernährung: Was uns beim Blick in die Kochtöpfe bei der Essener Sparkasse aufgefallen ist und wie sich die Wünsche der Kunden in den vergangenen 15 Jahren verändert haben. Außerdem ein Aufruf an unsere Leserinnen und Leser.
Zeche Zollverein rüstet sich für Eislauf-Saison
Zollverein
Der Reiseführer Marco Polo spricht vom „wohl faszinierendsten Ort zum Schlittschuhlaufen bundesweit“ und meint die Eisbahn auf Zollverein, die diesen Winter einen Monat lang öffnet: Vom 6. Dezember 2014 bis zum 4. Januar 2015 bietet sie neben der Eisbahn auch eine 180 Quadratmeter große Fläche zum...
Umfrage
Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Premiere in der Lichtburg
Bildgalerie
Prof. Dietrich Grönemeyer
Lichtwochen 2014
Video
Beleuchtung