Streit um verschenkte Bücher
06.11.2008 | 19:50 Uhr 2008-11-06T19:50:17+0100GEDENKEN. Der Runde Tisch für Menschenrechte will die Bibliothek zum Thema "Verfolgung und Widerstand" aus der Alten Synagoge gerettet haben. Doch die habe es nie gegeben.
Bücherstreit um die Alte Synagoge: Die Gedenkstätte, die derzeit zum Haus der jüdischen Kultur umgebaut wird, hat sich von einem Teil ihres Bücherbestandes getrennt. Es handelt sich um Veröffentlichungen zum Thema Widerstand und Verfolgung, die Bücher sollten an Interessierte verschenkt werden. Der Runde Tisch für Menschenrechte sicherte sich den Bestand und setzte gestern folgende Pressemitteilung ab: "Bibliothek zur Ausstellung 'Verfolgung und Widerstand' gerettet." Die Bib-liothek sei über Jahre aufgebaut worden. "Und nun ist in Essen kein Platz mehr. Das konnten wir nicht glauben", so Rainer Sonntag vom Runden Tisch.
Edna Brocke, Leiterin der Alten Synagoge, zeigt sich überrascht: "Es war sicher nicht die Bibliothek zur Ausstellung." Vielmehr habe es sich um eine "zufällig zusammengestellte Ansammlung" von Titeln aus den 70er und 80er Jahre gehandelt. Der Forschungsstand der meisten Bücher sei längst überholt. Im künftigen Haus der jüdischen Kultur ist dafür kein Platz.
Auch nicht im Haus der Essener Geschichte, das 2009 in der ehemaligen Luisenschule am Bismarckplatz eröffnen wird und in dem auch die dann allerdings neu konzipierte Ausstellung zu sehen sein wird.
Stadtarchivar Klaus Wisotzky hatte den Bücherbestand auf Bitten der Alten Synagoge durchgesehen. "Zwei bis drei Dutzend" Titel nahm der Chefarchivar ins Stadtarchiv auf. Die übrigen, etwa Bücher über die Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen, "passten nicht in unser Sammelgebiet", bedauert Wisotzky. Schließlich entsteht am Bismarckplatz ein Haus der Essener Geschichte.
Der Runde Tisch für Menschrechte hat derweil jensseits der Stadtgrenze einen interessierten Abnehmer gefunden: Die Gedenkhalle Oberhausen freue sich über die rund 2400 Titel, heißt es. "Wir sind gerade im Aufbau unserer Bibliothek und können die Essener Bücher sehr gut gebrauchen", sagt der Leiter Clemens Heinrich. (schy)
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