Das aktuelle Wetter Essen 10°C
Gesundheit

Schwein gehabt

15.01.2010 | 20:28 Uhr
Schwein gehabt

So mancher Versuch, die Stadtbevölkerung vor der drohenden Schweinegrippe zu retten, mutet im Rückblick an wie Satire.

Die Kioskbetreiberin aus Steele etwa, die zwischen Schokoriegeln auch Atemschutzmasken feil bot und sich mit einer selbigen ablichten ließ. Oder der eilige Vorstoß der Feuerwehr, die im April vergangenen Jahres eine Atemschutzmaske als Bausatz für flinke Heimwerkerhände ins Internet stellte, gedacht für den Notfall, sollten herkömmliche Masken aus der Massenproduktion vergriffen sein. 30 Minuten brauchen Ungeübte, um aus Baumwollstoff, Drähten und Pfeifenreiniger eine Maske herzustellen, hieß es. Die Anleitung steht übrigens immer noch im Netz (www-feuerwehr-essen.de). Doch man fragt sich heute um so mehr, ob es sich nicht um einen verspäteten Aprilscherz handelte. Aber das mag leicht gesagt sein, hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Fakt ist: Die Schweinegrippe erwies sich als nicht so bedrohlich wie von einigen Experten erwartet, die Stadt und Feuerwehr dazu bewogen, Pandemiepläne hervor zu kramen und zu Massenimpfungen aufzurufen.

25.500 Essener folgten dem Aufruf und ließen sich impfen, so viele Meldungen sind zumindest beim Gesundheitsamt eingegangen. Immerhin 54.000 Impfdosen hatte die Behörde an Impfärzte ausgegeben, was im Umkehrschluss heißt: Fast 30.000 Dosen liegen bei den Ärzten noch herum.

Woge statt Welle

Über die Kosten muss sich die Stadt keine Gedanken machen, dafür müssen Land und Bund aufkommen. Die Krankenkassen zahlen übrigens nur für jene Dosen, die tatsächlich verbraucht wurden. Davon genügten auch für über 60-Jährige eine Impfration, und wie sich zeigen sollte, kamen auch Kinder mit einer Impfung aus. Entscheidender aber war wohl: Die Nachfrage nach Impfstoff sank so schnell wie die Angst vor einer Infektion nachließ.

Dabei war der Andrang in den Arztpraxen zunächst groß, wer sich impfen lassen wollte, musste Wochen auf einen Termin warten. Als die vermeintliche Grippewelle sich aber allenfalls als eine Woge erwies, ließ der Andrang nach. „Ab Anfang Dezember kam schon fast keiner mehr“, so Dr. Sabine Krämer vom Gesundheitsamt. Als kurz vor Weihnachten der „langersehnte“ Impfstoff für Schwangere zu haben war, ließ sich kaum noch eine Frau, die ein Baby erwartet, impfen. Von den rund 1000 Impfdosen ohne Wirkstoffverstärker lieferte das Gesundheitsamt nur 33 aus. Verabreicht wurden nach dem Wissen der Behörde gerade mal zwei.

Dr. Krämer steht dennoch zu den Empfehlungen der Behörden. Nein, von Panikmache könne keine Rede sein. Niemand habe wissen können, wie die Grippe sich entwickelt. Dass allen voran Risikogruppen aufgefordert wurden, sich impfen zu lassen, sei nach wie vor richtig. Noch geben die Behörden keine Entwarnung.

So viel ist beim Amt verbrieft.: 537 Essener infizierten sich mit der Schweinegrippe. Im Klinikum starb eine Risiko-Patienten - ob durch das Virus, blieb letztlich offen. Wie viele aber mit Fieber darniederlagen , ohne zu wissen, dass sie sich die Neue Grippe eingefangen hatten, das wird wohl für immer ein Rätsel bleiben...

Marcus Schymiczek



Kommentare
Aus dem Ressort
Zeche Zollverein rüstet sich für Eislauf-Saison
Zollverein
Der Reiseführer Marco Polo spricht vom „wohl faszinierendsten Ort zum Schlittschuhlaufen bundesweit“ und meint die Eisbahn auf Zollverein, die diesen Winter einen Monat lang öffnet: Vom 6. Dezember 2014 bis zum 4. Januar 2015 bietet sie neben der Eisbahn auch eine 180 Quadratmeter große Fläche zum...
Poesie in Gebärdensprache - erster Poetry Slam für Gehörlose
Poetry Slam
In Essen findet erstmals ein Poetry Slam in Gebärdensprache statt. Der Dichter- und Autorenwettbewerb im evangelischen Jugendzentrum „Emo“ in Rüttenscheid richtet sich ausdrücklich an nicht-hörendes und hörendes Publikum. Die Kandidaten können sich mit einem Video bewerben.
Stadt Essen will Ehrenamtlichen mit Freiwilligenkarte danken
Ehrenamt
In diesem Jahr sollen die ersten Essener eine Freiwilligenkarte erhalten. Die Stadt will ihre Anerkennung ausdrücken, Vergünstigungen gibt es derzeit nicht. Die Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, wünschen sich bei ihren Einsätzen ermäßigten Eintritt ins Museum oder freie Fahrt mit dem Bus.
Essener Forscher erhalten Preis für Hunde-Pipi-Ergebnisse
Magnetsinn
Sabine Begall, Professor Hynek Burda und Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen ergatterten den Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität mit einem Forschungsergebnis der ganz besonderen Art: Hunde richten sich instinktiv beim Pinkeln nach Norden oder Süden aus.
Innenministerium lenkt beim geplanten Groß-Asyl in Essen ein
Flüchtlinge
In einem Gespräch im NRW-Innenministerium haben die Stadt Essen und das Land einen Zwist über das geplante Groß-Asyl auf dem früheren Kutel-Gelände im Stadtteil Fischlaken beigelegt. Die Trägerschaft liegt beim Land. Damit ist nun der Weg für die Einrichtung mit bis zu 800 Plätzen frei.
Umfrage
Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos