Reine Bauchsache bei „Essen Original“
03.09.2010 | 20:12 Uhr 2010-09-03T20:12:00+0200
Essen.Nach einem Jahr Pause soll’s Stefan Hammerschmidt als Programmacher wieder richten. Viel (Kennedy-)Platz und wenig Gage, „nicht ohne Anspruch, aber eben auch nicht ohne ein bisschen Rambazamba“, so umschreibt Hammerschmidt das Konzept.
Manchmal macht ein Nachtschattengewächs den Unterschied: Mark Medlock hatte auf der Bühne gerade die ersten Zeilen zu „Mr. Lonely“ intoniert, als die Tomate, von einem unbekannten Missetäter geworfen, quer über den nächtlichen Kennedyplatz auf die Bühne flog.
Pop- und Rockmusik gibt’s am Freitag, 10. September, auf dem Kennedyplatz. Um 21.45 Uhr zum Beispiel von Livingston, anschließend um 23.15 Uhr von Dellé. Regionale Musiker treten an diesem Abend auf dem Willy-Brandt-Platz auf. Los geht es hier um 18.30 Uhr. Auf dem Flachsmarkt stehen nachmittags Schülerbands auf der Bühne.
Eine öffentliche Probe geben die Essener Philharmoniker am Samstag, 11. September, um 11 Uhr auf den Kennedyplatz. Um 21 Uhr geben sie auf der gleichen Bühne ein Konzert. Zuvor wird um 17.40 Uhr das Schönebecker Jugendblasorchester spielen. Buntes Programm versprechen Kitas und Grundschulen den gesamten Tag auf dem Hirschlandplatz.
Am Sonntag, 12. September, sind ab 18.45 Uhr die Comedians Heinz Gröning, Ausbilder Schmidt und Hennes Bender auf dem Kennedyplatz zu sehen. Ausschnitte aus ihren Stücken zeigen unter anderem das Theater Courage und das Kleine Theater ab 19.30 Uhr auf dem Hirschlandplatz.
Das Programm mit allen Auftritten auf den Bühnen in der Innenstadt gibt es im Internet unter www.essen-original.de. Außerdem liegen kostenlose Programmhefte in der Touristikzentrale am Hauptbahnhof, in den Bürgerämtern, sowie in städtischen und kulturellen Einrichtungen aus.
Den Sänger traf sie nicht, wie sich noch heute auf diversen Filmchen im Internetportal „Youtube“ besichtigen lässt, aber dass im Kreis der Veranstalter mancher rot wurde, darf als sicher gelten. Denn so wurde klar, was unter halbwegs Musikinteressierten schon lange die Runde gemacht hatte – dass mit dem RTL-„Superstar“ aus der Bohlenschen Hit-Retorte „Essen Original“ mit einem Schlag seinen guten Ruf beim Nachwuchs eingebüßt hatte.
Vielleicht ist das der Grund, warum in diesem Jahr wieder jener Mann das Freitagabend-Programm des mittlerweile etablierten Stadtfestes gestalten darf, der in den zehn Jahren vor 2009 sein Händchen für die Szene unter Beweis gestellt hatte: Stefan Hammerschmidt. Der 46-jährige gelernte Sozialpädagoge, der während seines Studiums einst als Lichttechniker und Tourmanager ein Zubrot verdiente, war früher Programmmacher in der Zeche Carl und schnürte seit 1999 die Band-Pakete, mit denen „Essen Original“ den Rock/Pop-Sektor abdeckte: Von Stoppok bis Tomte, von In Extremo bis Die Happy oder Kreator.
Viel (Kennedy-)Platz und wenig Gage, „nicht ohne Anspruch, aber eben auch nicht ohne ein bisschen Rambazamba“, so umschreibt Hammerschmidt, der sich nach der Insolvenz auf Carl mittlerweile mit einer Marketing-Agentur selbstständig gemacht hat, seine Rahmenbedingungen für den „Original“-Freitag.
Und wenn’s läuft, wie er sich das wünscht, dann saugt er nach dem gerade verklungenen Schlussakkord der einen Nacht die Stimmung auf und schraubt in seinem Kopf schon an der Konstruktion der nächsten, ein Jahr später. Motto: „Was will ich von der Stimmung rüberretten, was eher nicht mehr dabeihaben?“ Der Headliner sollte einen Club mit 500, 600 Leuten ausverkaufen können, der Abend eine gute Mischung bieten. Was Intellektuelles, was Rockiges, was für den Groove. „Es ist eine Bauchentscheidung, mir selbst muss das gar nicht gefallen“, obwohl: Es hilft.
Nicht immer hat Hammerschmidt dann am Ende des Tages so viel Massel wie 2007, als in einer lauen Sommernacht die Multikulti-Truppe Culcha Candela Essens Innenstadt zum Wippen brachte – unter anderem mit dem Hit „Hamma“ der danach sechs Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Verkaufsliste stand. Denn die Sache ist ja die: Kommt erst mal der große Erfolg, sind die Bands für „Essen Original“ schlicht zu teuer.
Gemessen daran waren die 17 Hippies von 2008 eher enttäuschend, während das Programm für 2010 einen vollen Platz verspricht: Mag Laura Jansen nach der Tagesschau auch ein allzu ruhiger Einstieg in den Abend sein – danach dürften die britische Rockband Livingston und als krönender Abschluss Seeed-Sänger Dellé auf dem Solopfad für einen „Original“-Erfolg sorgen.
Und wenn dann noch das Wetter mitspielt, ist das 2009er Erlebnis mit Tomaten-Mark schnell vergessen. Und bei der Gelegenheit, auch wenn er sich ganz hinten auf dem Platz fremdgeschämt hat: Hammerschmidt war’s nicht.
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