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Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an

29.06.2012 | 07:00 Uhr
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
Der „Pfandprofi“ bei der Abholung an der Haustür. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Sammler entdecken neuerdings das Internet für die Suche nach Glas-, Mehrweg-oder PET-Flaschen. Einer von ihnen ist „Pfandprofi“ Frank Kuhar aus Frohnhausen. Der 40-Jährige holt Pfandflaschen bei fremden Leuten ab und das Pfandgeld darf er als Spende behalten. Dabei kommt er nicht selten in Messie-Wohnungen - ein lohnendes Geschäft.

Den Anruf, den Frank Kuhar vor kurzem bekam, wird er so schnell nicht vergessen – denn er bescherte ihm rund 160 Euro auf einen Schlag. Gut, das ist kein Vergleich zu einem mehrstelligen Lottogewinn, aber für den Frohnhauser war es ein nettes Sümmchen für wenig Arbeit. Der 40-Jährige holt Pfandflaschen bei fremden Leuten ab und das Pfandgeld darf er als Spende behalten. Drei Stunden hat sein Einsatz in einer Messie-Wohnung in Altenessen gedauert, der Vermieter hatte ihn gerufen. Ergebnis: 16 Müllsäcke voller PET-Flaschen, die er am Rückgabe- Automaten des nahen Diskounters in bare Münze verwandelte.

Für den Haustechniker mit 400-Euro-Job und Hartz IV ist es ein geringer Zuverdienst. Statt wie andere tagtäglich, die in ihrer Not nach 8 Cent (Bier-), 15 Cent (Mehrweg-) oder 25 Cent (PET-Falsche) Mülleimer im öffentlichen Raum durchsuchen, hat er sich unter dem Pseudonym „Pfandprofi“ im Internet auf der Börse www.pfandgeben.de angemeldet.

Win-win-Situation

Die Entsorgungsbetriebe freut dieses Engagement. Wie viele Flaschen die Mitarbeiter noch bei ihren Aufgaben finden, kann Sprecherin Bettina Hellenkamp aber nicht sagen. „An und für sich haben wir nichts mit Pfandflaschen zu tun“, sagt sie, „wir unterscheiden nicht zwischen Müll und Pfandflasche, wenn es sich in den Mülleimern befindet.“ Ab nach Karnap heiße es dann, ins Müllheizkraftwerk , leider: „Es wäre wünschenswert, wenn Pfandsammler vorher ihr Schnäppchen machen könnten.“

Bei der Alba, die die Leerung der gelben Tonne vornimmt, sieht es nicht anders aus, mit einem Unterschied: Sollten Pfandflaschen irrtümlicherweise dabei sein, landen sie bei der Sortierung der Kunststoffarten in der richtigen Kategorie und werden recycelt. Zum Vergleich: 70 Prozent dieses Tonneninhaltes werden wiederverwertet und nur rund 30 Prozent thermisch genutzt, sprich verbrannt. Ein Fortschritt zu den Zuständen vor 30 Jahren. Das findet auch Bettina Hellenkamp. Die oft kritisierten Pfandregelungen hätten vieles bewegt. „Es ist eine win-win-Situation, uns wird die Arbeit abgenommen, der Pfandsammler verdient sich etwas hinzu. Und: Der beste Müll ist der, der nicht entsteht.“

Das dachte sich Frank Kuhar zweifellos auch, als er im Radio von der Internetseite hörte. „Es war für mich aber trotzdem erst einmal nicht nachzuvollziehen, dass Menschen einen anrufen, obwohl sie es selber machen könnten“, sagt Frank Kuhar. Das war vor gut einem Jahr. Einer von 14 Sammlern ist er aktuell. Einen Trick gibt’s nicht: „Man muss nur erreichbar sein“, weiß Kuhar. Sechs Aufträge hatte er bisher, im Durchschnitt seien es immer 20 Flaschen gewesen. Besonders gerne hat er Wohngemeinschaften mit Studenten. „Die sind ganz faul“, sagt er und fängt an zu lachen, als er realisiert, was er da gerade gesagt hat.

„Ich habe nichts zu verschenken“

Dass in Essen genug Pfandflasche verkehren, ließe sich wohl aus den Angaben der Firma Rhenus spekulieren. Über die Sammelmengen in der Stadt darf sie laut einer Sprecherin nicht Auskunft erteilen. Was PET angeht, fehle ihr der Überblick wegen der zahlreichen Verkaufsstellen, teilte sie der NRZ mit. Kuhar dürfte das egal sein, das Geld seines großen Coups hat er ausgeben: für einen Ausflug zur Kieler Woche. Dafür hat er sich Freifahrten mit der Bahn im Internet ersteigert. „Ich habe ja nichts zu verschenken“, sagt er. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Tim Walther



Kommentare
30.06.2012
23:36
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von AuroraBorealis | #8

"Wenn die Verwaltung Kenntnis von zusätzlichen Einkünften von Leistungsempfängern erhält, muss dieses zusätzliche Einkommen auf die Leistungen angerechnet werden", schreibt die Stadt in einer Stellungnahme. So schreibe es das Sozialgesetzbuch vor.
http://www.taz.de/!32477/

1 Antwort
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von buntspecht2 | #8-1

Genau sei Nebenjob wird ihm durch sein ich will um bedingt in die Zeitung nichts mehr bringen

30.06.2012
12:12
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von Alfred-Tetzlaff | #7

400€ job und flaschen sammeln jetzt noch durch die gegend fahren und pfand gewerblich einsammeln da bleibt natürlich keine zeit mehr sich einen richtigen job zu suchen

2 Antworten
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von DEWFan | #7-1

Das ist ein richtiger Job - wenn es sich dauerhaft lohnt, dann kann er es als freiberufliches Gewerbe (Recycling-Branche) anmelden.

blablaahhh...
von HansiwurstI | #7-2

da ist sie wieder, die Mär: "wer Arbeit sucht, der findet welche", gell?

30.06.2012
11:14
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von niedrigniveauindikator | #6

Ergebnis: 16 Müllsäcke voller PET-Flaschen, die er am Rückgabe- Automaten des nahen Diskounters in bare Münze verwandelte.

*klugscheissermodus an*

Discounter mit C bitte, nicht mit K ;-)

Wird Rückgabeautomat nicht zusammen geschrieben?

*klugscheissermodus aus*

30.06.2012
10:30
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von Aplerbecker09 | #5

Was sagt eigentlich der zuständige Fallbearbeiter der ARGE dazu. sind die "...160 Euro auf einen Schlag..." jetzt zu berücksichtigendes Einkommen oder nicht?

30.06.2012
10:19
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von Kohlensteiger | #4

Das Geld liegt halt auf der Straße! Ich hatte letztes mal im Rewe so einen vor mir am Automaten! Ich gebe zu in meinen Gedanken habe ich Ihn gequält, geteert und gefedert!

Das waren gefühlte 500 Plastik Flaschen!

Aber ich finds gut!

1 Antwort
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von cockfosters | #4-1

Daß bei jedem BVB-Heimspiel 99% der herumliegenden Pfandflaschen systematisch eingesammelt (manchmal vermute ich, daß die Terrains rund ums Stadion von Alt-Sammlern genau eingeteilt sind und Neulinge sofort vertrieben werden) und dann zu Rewe, Real oder wohin auch immer gekarrt werden, ist eine gute Sache. Müllvermeidung im besten Sinne und darüberhinaus kommt ein nettes Sümmchen für die fleissigen Sammler zustande. Allerdings würde auch ich nicht gerne in der Schlange vor dem Automaten stehen, der in dem Moment von einem Sammler in Beschlag genommen wird.

29.06.2012
11:48
Profi-Pfandsammler bietet Dienste übers Internet an
von bb74 | #3

" 16 Müllsäcke voller PET-Flaschen, die er am Rückgabe- Automaten des nahen Diskounters in bare Münze verwandelte."

Der würde bei unserem Supermarkt um die Ecke Hausverbot bekommen.
Alternativ wäre er von den dort am Rückgabeautomaten anstehenden Durchschnittsverbrauchern aus der Hütte geprügelt worden ...

1 Antwort
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von scouti | #3-1

Also der "Rückgabeautomat" in unserem K*l*d hat immerhin noch zwei Beine und nimmt neben leeren PET-Flaschen auch die Kästen usw zurück. Habe jetzt mehrmals abends den Mitarbeiter mit den tagsüber gesammelten Säcken beim wegschleppen ins Lager gesehen. Nikolaus ist nix dagegen.

Und dann in die Presse bzw. ab in die Müllverbrennung mit den Wertstoffen - diese hat offensichtlich sonst zuwenig "Futter" für eine vernünftige Verbrennungs-Hitze ...

29.06.2012
10:06
nicht gut recherchiert
von htrittke | #2

Gelbe Säcke der Fa. Alba dürfen auch nicht zum zweckentfremdet werden, so wie es ihr Foto präsentiert. Die "Sammelmengen in der Stadt Essen" von Fa. Rhenus betreffen sicherlich die Glascontainer von dieser Firma, in die nicht bepfandete Gläser kommen. Das hat zu diesem Artikel über Pfandflaschen doch überhaupt keinen Bezug!?

Anonsten: Die Idee ist gut!

29.06.2012
07:49
Faule Studenten hat er gerne
von gehmirwech | #1

Gefällt mir!
Ganz im ernst: Finde ich ne super Sache.

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