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Notting Hill am Niederfeld

19.11.2008 | 19:23 Uhr

STADTENTWICKLUNG. Stadt und Allbau planen in Altendorf ein neues Quartier und bauen auf eine Initialzündung.

Von 180 Wohnungen im heutigen Quartier aus den 20er Jahren - hier die Straße Markscheide - sind laut Allbau nur noch 40 bis 50 bewohnt. (NRZ-Foto: Oliver Müller)BÜRGERVERSAMMLUNG

Klappern gehört auch in der Wirtschaftsförderung zum Handwerk. Wer wüsste das besser als Georg Arens. Als Essens oberster Wirtschaftsförderer die Zukunftsausichten Altendorfs in rosaroten Farben malte, weil sich der Thyssen-Krupp-Konzern in unmittelbarer Nachbarschaft ansiedelt, da wählte er einen Vergleich, der weniger optimistisch gestimmten Zeitgenossen als gewagt erscheinen dürfte: Altendorf werde eines Tages Essens Notting Hill. Der Londoner Stadtteil, hatte sich in den 80er Jahren vom heruntergekommenen Quartier in ein trendiges Szene-Viertel verwandelt.

Nur jede dritte Wohnung bleibt

Dass wie in dem gleichnamigen Kinostreifen mit Julia Roberts heute in Altendorf ein Hollywoodstar in den nächstbesten Laden spaziert - nun ja, das scheint dann doch eher unwahrscheinlich. Dennoch: Vom Aufschwung im benachbarten Kruppgürtel soll auch der Stadtteil mit ausgeprägtem Erneuerungsbedarf profitieren. Ein erstes Zeichen setzt jetzt der Allbau. Die städtisch beherrschte Wohnungsbaugesellschaft will nördlich der Altendorfer Straße zwischen Amix-, Hüttmannstraße und dem Niederfeld ein völlig neues Wohnquartier bauen. 180 Wohnungen - in den 20er Jahren hochgezogen - sollen weichen, 60 neue dafür enstehen, vom Zwei-Raum-Apartment bis zum hippen Penthaus unterm Dach. 15 Millionen Euro will der Allbau investieren. Heute entscheidet der Planungsausschuss über den Bebauungsplanentwurf. Dieser sieht zwischen der Weuenstraße und der Straße im Klipp sechs einzelne Mehrfamilienhäuser umgeben von öffentlich zugänglichen Grünflächen. Der besondere Reiz: Das Quartier grenzt direkt an den geplanten Niederfeldsee, die Rüselstraße wird zur Uferpromenade, der Bahndamm der Rheinischen Strecke wird abgesenkt und zum Radweg ausgebaut.

Stadt und Allbau erhoffen sich von dem Projekt eine Initialzündung und mittelfristig einen Imagewandel für ganz Altendorf. Es habe sich gezeigt, dass es nicht damit getan sei, Wohnungen zu modernisieren und die Fassaden in fröhlichen Farben anzustreichen wie an der Hüttmannstraße geschehen, so Prokurist Peter Friske. Mit dem neuen Quartier will die Wohnungsgesellschaft auch Interessenten ansprechen, die von außerhalb kommen und deren Portemonnaie es durchaus erlauben würde, anderswo zu wohnen. Soviel stehe fest: Für fünf Euro pro Quadratmeter werden die neuen Wohnungen nicht zu haben sein. Jenen, die sich eine höhere Miete nicht leisten können, will der Allbau eine andere seiner insgesamt 1700 Wohnungen in Altendorf anbieten. Etwa 20 Kleingärtner werden umziehen müssen. Die Wohnungsbaugesellschaft setzt auf Erfahrungen in Vogelheim. Dort war es im Konzert mit der THS und der Wohnbau Westfalen gelungen, den Stadtteil aufzuwerten und junge Familien als neue Bürger zu gewinnen. Altendorf ist ein ungleich schwierigeres Pflaster. Nur elf Prozent des Wohnungsbestandes sind im Besitz von Wohnungsbaugesellschaften. Bis das Allbau-Beispiel bei privaten Eigentümern Schule machen kann, wird es noch dauern. In zwei Jahren sollen die Bauarbeiten beginnen, 2012 soll das neue Quartier stehen. Bis im Niederfeldsee die ersten Enten plantschen, dürfte ein weiteres Jahr vergehen.Der SPD-Ortsverein Altendorf möchte mit Bürgern über den Bebauungsplan für das Quartier zwischen Amix-, Hüttmannstraße und dem Niederfeld diskutieren und lädt am Dienstag, 25. November, in den Sitzungssaal des Arbeiter-Samariter-Bundes, Richtstraße 22, ein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

MARCUS SCHYMICZEK

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