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Friedrichsbad war schon zu Bauzeiten modern

27.06.2012 | 18:38 Uhr
Friedrichsbad war schon zu Bauzeiten modern

Frohnhausen. Zum gefeierten 100-Jährigen der Gussstahlfabrik Friedrich Krupp AG zeigte sich Margarethe Krupp spendabel: Damals, wir schreiben das Jahr 1912, gab sie nach zwei Jahren Bauzeit das Friedrichsbad in die Obhut der Stadt Essen und ebnete so den Weg zum öffentlichen Badespaß im Westen der Stadt. Die Übergabe ist auf den 1. Juli datiert. Genau an diesem Tag soll dieser historische Moment gefeiert werden. Und weil ein Fest selten allein kommt, lässt das nächste Jubiläum nicht auf sich warten: Das Sportgesundheitszentrum (SGZ) im Friedrichsbad wird zeitgleich 25 Jahre alt – wir gratulieren.

Stattliche hundert Jahre sind seit dem mildtätigen Spende der Margarethe Krupp verstrichen – und noch immer steht das Bad an seinem angestammten Platz. Was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die Anlage, kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbaut, damals in jeder Hinsicht das Prädikat „modern“ verdiente. Herzstück des Bades bildete das rund 229 Quadratmeter große Schwimmbecken mit einem Fassungsvermögen von 375 Kubikmetern Wasser.

Zum Zeitpunkt der Eröffnung lebten bereits 305 000 Menschen in der Bergbau- und Stahlmetropole Essen. Weshalb die Konstruktion des Bades – auf drei Punkten gelagert – eine gewisse Resistenz gegen zu erwartende Bergschäden gewährleistete. Bis zu diesem Zeitpunkt existierte nur das weit entfernte Hauptbad am „Steeler Tor“. Und so freuten sich die Menschen im dicht besiedelten Westen mächtig über ihr eigenes Hallenbad mit Badehaus samt Wannenbad und Gemeinschaftsduschen und dem in Aussicht gestellten Heilbad mit Massageräumen und Sauna.

Erholung an der frischen Luft

Auch dem Wunsch der Bürger nach Erholung an der „frischen Luft“ kam man durch den Bau eines Licht- und Luftbades auf dem großen Hof nach, auf dem auch Turn- und Spielgeräte sowie Liege- und Sitzbänke Platz fanden. Der Plan einer „Frauenschwimmhalle“ fiel jedoch den Kriegswirren und der hektischen Phase der Weimarer Zeit zum Opfer.

Nur der soliden Bausubstanz des Bades war es zu verdanken, dass selbst drei Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg nicht der kompletten Zerstörung des Friedrichsbades gleichkamen. Schon kurz nach 1947 nahmen alle Abteilungen wieder den Dienst am Volke auf. Dennoch ließ die Stadt Essen das Gebäude im Jahr 1969 binnen 24 Monaten aufwändig modernisieren und legte so den Grundstein zur größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzung des Bades. In den Jahren 1982/83 wurden jedoch der Wannen- und Duschtrakt sowie das Heilbad geschlossen – eine Folge der allgemein verbesserten hygienischen Wohnungsausstattungen in Zeiten des Wiederaufbaus.

Im Jahr 1983 erwuchs dem Friedrichsbad in direkter Nachbarschaft zunehmend Konkurrenz durch das „Spaß- und Erlebnisbad Oase“, die beinahe das Aus für das Traditionsbad bedeutet hätte. Umso erfreuter zeigte sich der Stadtkämmerer, als der Stadtsportbund (SSB) Ende 1985 das Friedrichsbad übernahm und mit ABM-Kräften umbaute. Die finanzielle Belastung für die Stadt Essen, ehemals eine Million DM pro Jahr, reduzierte sich so auf einen Betriebskostenzuschuss von 380 000 DM. Für den SSB war es eine Selbstverständlichkeit, das Volksbad im Westen der Stadt zu erhalten, galt sein Bestreben doch von jeher: „Sport für alle“ zu bieten.

Über 200 Kursangebote pro Woche

Am 19. September 1987 eröffnete das Gesundheits- und Sportzentrum Friedrichsbad. Eine folgerichtige Entscheidung, hatten sich doch die Besucherzahl ab 1985 von 50 000 deutlich erhöht und erreichten 1991 insgesamt 250 000 Gäste. Fortan standen dem Publikum eine Gymnastikhalle mit Schwingboden und ein helles, freundliches Ambiente zur Verfügung. Heute darf der Sportbegeisterte aus einer Vielzahl von Kursangeboten, von A wie Aqua-Fitness bis Z wie die Trendsportart „Zumba“, auswählen.

Machte das Bad Mitte der 1960er Jahre noch einen eher altertümlichen Eindruck, wie Bilder von Wettkämpfen des SV Borbeck belegen, so präsentiert sich heute der Eingangsbereich als bürgerfreundliche Info- und Begegnungsstätte, wobei auch das Catering nicht fehlen darf.

Das aktuelle SGZ Friedrichsbad ist für die ganze Familie attraktiv. Es gibt Angebote für Menschen aller Generationen. Heute bietet das SGZ auf über 1000 Quadratmetern modernster Trainingsfläche in vier Gymnastikhallen, Schwimmbad, Fitness- und Spinningraum sowie Sauna das größte Kursangebot im Präventivbereich in ganz Essen. „Unsere Palette umfasst über 200 Kursangebote pro Woche“, betont SGZ-Leiter Gerhard Schmidt.

Michael Heiße



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