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Landgericht

Neun Jahre Haft für Messerstecher Lukas K. gefordert

24.05.2012 | 14:47 Uhr
Anwältin Jenny Lederer stellte ihren Mandanten Lukas K. am letzten Prozesstag als Opfer dar, das vor allem unter häuslicher Gewalt gelitten habe. Foto: Oliver Müller

Essen.   Im Prozess um Lukas K., der nach den tödlichen Messerstichen auf einen 19-Jährigen in Holsterhausen u.a. wegen Totschlags vor Gericht steht, hat die Staatsanwältin neun Jahre Jugendstrafe gefordert. Die Verteidigerin hingegen plädiert auf Freispruch - das Opfer sei ihrem Mandanten ins Messer gelaufen.

Es waren nur wenige Minuten, die am 13. November das Leben des 19 Jahre alten Tobias Götz auslöschten . Wenige Minuten, die den Messerstecher Lukas K. (18) lange ins Gefängnis bringen sollen. Neun Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags, versuchten Totschlags und Körperverletzung forderte am Donnerstag Staatsanwältin Elke Hinterberg. Verteidigerin Jenny Lederer beantragte dagegen Freispruch, weil ihr Mandant aus vermeintlicher Notwehr gehandelt hätte.

„Ist das nicht lächerlich“, rief ein überlebendes Opfer, als die Verteidigerin zum Abschluss ihres Plädoyers rechtsphilosophische Überlegungen ausbreitete, nach denen es oft nur Zufall sei, wer Täter und wer Opfer sei. Mutige Gedankenspiele, weil eben ihr Mandant als Einziger im Streit mit vier jungen Fußballern des TuS Holsterhausen bewaffnet war, das Messer zückte und einsetzte. Von dem Quartett lässt sich dagegen kein Beleg für den Einsatz körperlicher Gewalt finden.

Streit aus „nichtigem Anlass“

Ein Rätsel bleibt nach Ansicht der Staatsanwältin, warum Lukas K. am 13. November auf dem Platz vor der Sparkasse am Gemarkenplatz in Holsterhausen derart aggressiv reagierte. Sie erinnerte daran, dass Lukas K. an jenem Sonntag gegen 17.45 Uhr mit den vier Fußballern aus nichtigem Anlass in einen Streit geraten war, der von beiden Seiten mit unschönen Worten geführt worden sei. Sie betonte aber, dass diese Auseinandersetzung nur verbal geführt wurde. Unvermittelt hätte Lukas K. dann aber Tobias Götz mit einem Tritt zu Boden gestreckt. Lukas K. sei geflüchtet. Bevor er eingeholt wurde, hätte er ein Messer gezückt und wiederum unvermittelt Tobias Götz angegriffen und tödlich verletzt. Einem Freund des Getöteten versetzte er einen Stich in den Nacken, verletzte ihn lebensgefährlich. Einen Tag später stellte Lukas K. sich der Polizei.

Tödliche Messerstecherei

Staatsanwältin Hinterberg betonte, dass die Gewaltspirale allein von Lukas K. in Gang gesetzt wurde. Eine Strafe von neun Jahren sei nötig, weil er zwei Menschen angegriffen habe und dadurch für den Tod des 19-Jährigen verantwortlich sei. Um ihm soziale Kompetenz zu vermitteln, sei eine lange Sozialtherapie in der Jugendhaft nötig. Sie sprach auch die schwierigen familiären Verhältnisse an, in denen der Angeklagte groß geworden sei. Als Entschuldigung wollte sie dies nicht gelten lassen. Denn der Staat hätte ihm eine „Rundumversorgung“ mit eigenem Betreuer ermöglicht, seine Geschwister hätten ihr Leben offenbar trotz der familiären Situation in den Griff bekommen.

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Kommentare
25.05.2012
22:12
Neun Jahre Haft für Messerstecher Lukas K. gefordert
von xyz111 | #9

Jeder Mensch hat ein Recht auf Verteidigung!
Dass gewisse Personen die Ansicht vertreten, dass sich die Verteidigerin über ihren "ersten"...
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1 Antwort
Neun Jahre Haft für Messerstecher Lukas K. gefordert
von Lappschmier | #9-1

Natürlich hat jeder Mensch ein Recht auf Verteidigung.
Aber ein nach allen Regeln der Logik Schuldige an einem Tötungsdelikt hat kein Recht auf Freispruch.

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Neun Jahre Haft für Messerstecher Lukas K. gefordert
Neun Jahre Haft für Messerstecher Lukas K. gefordert
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http://www.derwesten.de/nrz/staedte/essen/neun-jahre-haft-fuer-messerstecher-lukas-k-gefordert-id6689925.html
2012-05-24 14:47
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