Das aktuelle Wetter Essen 17°C
Energie

Müllgebühren in Essen werden wohl deutlich steigen

20.06.2011 | 20:38 Uhr
Müllgebühren in Essen werden wohl deutlich steigen
Die Essener müssen in nicht allzu ferner Zukunft mit spürbar höheren Müllgebühren rechnen. Foto: dapd

Essen. RWE nennt erstmals Preise für die Abfall-Veraschung ab 2015. Fazit: Es wird spürbar teurer für die Bürger – und für die EBE.

Wenn Essens Bürger ihrem Hausmüll eine Abfuhr erteilen, ist der Weg seit fast fünf Jahrzehnten nicht allzu lang: Seit Mitte der 1960er Jahre landet der Abfall in den Öfen des Müllheizkraftwerks Karnap , und das zu ausgesprochen günstigen Preisen. Mit denen allerdings dürfte es vorbei sein, wenn nach 30 Jahren Laufzeit Ende 2014 der so genannte „Karnap-Vertrag “ ausläuft, der es Essen erlaubt, die Hälfte der dortigen Veraschungs-Kapazitäten auszuschöpfen.

Bislang entsprang die Sorge vor einem saftigen Gebührenaufschlag vor allem dem Marktgespür aller Beteiligten, jetzt aber gibt es dafür eine belastbare Grundlage: Mit Blick auf den absehbaren Auslauftermin liegt nach NRZ-Informationen erstmals ein – bislang allerdings unverbindliches – Angebot des Energie-Riesen RWE zur Verpachtung des Heizkraftwerks an der nördlichen Stadtgrenze vor.

Abfallgebühren steigen um rund 13 bis 16 Prozent

Danach könnten die im Karnap-Verbund verbliebenen Städte Essen, Bottrop und Gelsenkirchen – gerne auch mit weiteren kommunalen Partnern – die vier Veraschungs-Einheiten zu einem Preis von jährlich rund 46 Millionen Euro anmieten. Beschränkt man sich auf nur drei Öfen wären es immer noch rund 39 Millionen Euro.

Diese Zahlen enthalten die Pacht genauso wie ein Entgelt dafür, dass RWE weiter den Betrieb übernimmt, sie berücksichtigen die möglichen Dampferlöse genauso wie die Entsorgung der Asche und die Stromsteuer. Unterm Strich würden so Veraschungspreise von 70 Euro je Tonne Abfall im Vier-Ofen-Betrieb bzw. 79 Euro bei nur drei gepachteten Öfen entstehen.

Das ist nach NRZ-Informationen gut das Doppelte dessen, was die Karnap-Städte derzeit für die Tonne Abfall zahlen. Folge: Für die Bürger müsste die Abfallgebühr allein wegen der gestiegenen Verbrennungskosten um rund 13 bis 16 Prozent steigen.

Müllheizkraftwerk Karnap zum alten Preis nicht mehr vermarktbar

Mehr noch: Auch der Gewinn der zu 51 Prozent städtischen Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) würde deutlich schrumpfen, weil man zwar die Erlöse aus der Vermietung gewerblicher Kleinbehälter und kleiner Container durch eine Anhebung der Preise um rund 20 Prozent „retten“ könnte. Bei den Containerdienst- und Anlagekunden gilt dies aber wegen des hohen Wettbewerbsdrucks als kaum möglich. Mit der Folge, dass die EBE auf Kosten von rund 1,9 bis 2,5 Millionen Euro sitzenbleiben dürfte.

Darüber hinaus wären auch die von der Stadt nicht genutzten Kapazitäten im Müllheizkraftwerk Karnap kaum noch zum bislang üblichen Preis von um die 50 bis 60 Euro zu vermarkten – es sei denn, man nähme hin, dass den Bürgern für ihren Müll mehr Geld abgeknöpft wird als auswärtigen Lieferanten.

Insgesamt liefen die Entsorgungsbetriebe Gefahr, dass ihr Ergebnis um 2,4 bis 2,9 Millionen Euro belastet wird. Zum Vergleich: Laut Beteiligungsbericht liegt der Jahresüberschuss der EBE in den Jahren 2010 bis 2012 zwischen 2,8 und 3,4 Millionen Euro.

Ein Verkauf ist kein Thema mehr

Was also tun? Die vor einigen Monaten noch erwogene Möglichkeit, dem Energieriesen RWE sein Müllheizkraftwerk gänzlich abzukaufen, ist vom Tisch, weil man dort – so signalisierten Vertreter des Konzerns im April – kein Interesse (mehr) an einer Veräußerung hat. Ob sich diese Position vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen auf dem Energiesektor geändert hat, muss vorerst offen bleiben.

Immerhin: Auch RWE ist an einer Verlängerung der Zusammenarbeit mit den Kommunen gelegen, die man auf dem Wege eines so genannten „wettbewerblichen Dialogs“ einstielen will. Hintergrund: Energie-Geschäfte dieser Größenordnung müssten andernfalls ausgeschrieben werden – mit der Möglichkeit, dass ein privater Anbieter sich die Veraschungskapazitäten sichert und den Städten mit entsprechendem Gewinnaufschlag verkauft.

So oder so: Die Zeit konkurrenzlos günstiger Müllverbrennung scheint vorbei zu sein. Ein gutes Argument, künftig Müll zu vermeiden.

Wolfgang Kintscher

Kommentare
22.06.2011
00:39
Müllgebühren in Essen werden wohl deutlich steigen
von NiewiederDiktatur | #7

Zu den Müllgebühren zählen auch, oft nicht beachtete Dinge.
Illegal deponierter Sperrmüll verursacht Kosten..Keiner möchte als Denunziant gelten,...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Bundespolizei stellt 52 Zentimeter lange Machete sicher
Bundespolizei
Ein 50-Jähriger war am Donnerstag mit einer Machete in einem Discounter im Essener Hauptbahnhof unterwegs. Die Bundespolizei stellte die Waffe sicher.
Sportwetten-Anbieter zerren Stadt Essen vor Gericht
Wettbüro-Steuer
Mehrere Besitzer von Wettbüros und haben Klage gegen die neue Wettbüro-Steuer vor dem Verwaltungsgericht eingelegt. Essen muss um Einnahmequelle...
Essen kämpft für seinen Paternoster im Deutschlandhaus
Paternoster
Der Paternoster im Essener Deutschlandhaus ist durch eine neue Verordnung bedroht. Die Stadt will für ihren beliebten, historischen Aufzug kämpfen.
Kleingärtner bestohlen und Gartengeräte bei Ebay angeboten
Diebstahl
Ein Kleingärtner hat die Polizei nach Essen-Altendorf gerufen: Seinen Grill entdeckte er bei Ebay Kleinanzeigen – und auf einer benachbarten Parzelle.
Die Stadt Essen verkauft ein Stück ihres Tafelsilbers
Stadtfinanzen
Weil die Essener Holding EVV dringend frisches Geld braucht, will sie sich von einer lukrativen Finanzbeteiligung trennen und Zeit gewinnen.
Fotos und Videos
article
4789331
Müllgebühren in Essen werden wohl deutlich steigen
Müllgebühren in Essen werden wohl deutlich steigen
$description$
http://www.derwesten.de/nrz/staedte/essen/muellgebuehren-in-essen-werden-wohl-deutlich-steigen-id4789331.html
2011-06-20 20:38
Essen