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Mit dem Elfachser in eine strahlende Zukunft

16.03.2008 | 19:58 Uhr

GESUNDHEIT. Nach nächtlichen Manövern mit zwei Riesenlastern und stundenlangem Bleirücken steht das Herzstück des Protonentherapiezentrums.

Unter der Silberfolie könnten Ufos stecken. Das Mondlicht verrät nicht mehr als die Silhouetten der schweren Fracht. Zwei riesige Lkw schleichen Freitagnacht den engen Hohlweg am Uni-Klinikum herunter. Ziel: die Baustelle des Westdeutschen Protonentherapiezentrums am Mühlenbachtal. Tatsächlich sind keine fliegenden Untertassen auf der Ladefläche, dafür lagern zweimal 120 Tonnen medizinische Zukunft auf den Elfachsern.

2009 sollen die ersten Tumorpatienten mit dem so genannten "Zyklotron" behandelt - und hoffentlich geheilt - werden: Das Gerät ist ein Protonenbeschleuniger, der weltweit noch sehr selten ist - obwohl sich Mediziner Großes von dem Gerät versprechen: "Es entsteht eine wesentlich schonendere Strahlung als wir sie bisher kannten", erklärt Professor Gerald Holtmann, Medizinischer Direktor des Klinikums. Die Protonen sind zum einen sehr energiereich und damit besonders wirksam gegen Krebs, zum anderen reagieren die Strahlen fast ausschließlich im Tumor, das heißt das umliegende Gewebe soll kaum geschädigt werden.

Was einfach klingt, ist das Ergebnis von Präzisionstechnologie - und die fängt beim Aufbau an. Der belgische Vermessungsingenieur Geoffroy Thielemans starrt auf komplexe Diagramme und hackt auf einer Computertastatur herum: Das Unterteil des Zyklotrons ist zwar am Samstagmorgen von Europas höchstem Autoteleskopkran in den Keller des Protonentherapiezentrum gehievt worden, steht aber nicht richtig. Um drei Zentimeter muss der Sechs-Meter-Koloss verrückt werden, sonst wirft's die heilenden Protonen aus der Bahn. Fachleute der belgischen Hersteller-Firma leisten Millimeterarbeit, schieben das Blei-Monstrum fast unmerklich, und Ingenieur Thielemans rechnet mit fast allem, nach dem sich der Einbau um fünf Stunden verzögert hat.

Doch am Nachmittag kann aus Eins und Eins Zwei werden. 20 Minuten dauert es, bis der Kran das Oberteil auf die bereits montierte Zyklotron-Hälfte gewuchtet hat. Damit ist man am Uni-Klinikum der Zukunft ein Stück näher gekommen - auch ohne Ufos. (mahü) Mehr Bilder unter www.derwesten.de/essen

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