Land in Sicht bei den Stadtfinanzen in Essen
19.01.2011 | 05:09 Uhr 2011-01-19T05:09:00+0100
Essen.Die Stadt spart 122,4 Millionen Euro mehr als geplant. Damit könnte sie ab 2015 schwarze Zahlen schreiben. Zu verdanken ist dies nicht nur dem größten Spar- und Inkasso-Paket der jüngeren Stadtgeschichte.
Da mochte er die überarbeiteten Zahlen noch so staubtrocken herbeten – wenn Lars Martin Klieve einen Spruch von Wilhelm Busch zitiert, kann seine Laune so schlecht gar nicht sein. „Stets findet Überraschung statt, wenn man sie nicht erwartet hat“ – reimte der Kämmerer gestern beim Blick auf die Lage der Stadtfinanzen – und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Denn nicht einmal ein Jahr nach dem öffentlich verkündeten Offenbarungseid, dass der Stadt die Pleite droht, wenn sie nicht sofort das finanzpolitische Steuer herumreißt, ist der städtische Etat auf dem besten Wege raus aus der Krise. Zu verdanken ist dies nicht nur dem größten Spar- und Inkasso-Paket der jüngeren Stadtgeschichte, sondern vor allem der Tatsache, dass Essen – anders als befürchtet – der große Einbruch bei den Steuern erspart geblieben ist.
Steuereinbruch blieb aus
In Zahlen bedeutet das: Die fürs vergangene Jahr geplanten Verbesserungen im städtischen Finanzgefüge in Höhe von 96,9 Millionen Euro sind um bemerkenswerte 122,4 Millionen Euro übertroffen worden. Den größten Anteil daran haben die sprudelnden Steuereinnahmen, die bei der Gewerbesteuer um rund 60 Millionen und beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer um gut 10 Millionen über den Planzahlen liegen. Hinzu kamen die durch die Kommunalaufsicht verfügten Einsparungen beim Personal, weil weder Beförderungen noch Neueinstellungen noch die Verlängerung befristeter Arbeitsverträge erlaubt waren. Und: Der strenge Blick auf alle Ausgaben, nicht nur durch die Kontrolleure des Rechnungsprüfungsamtes, sorgte offenbar dafür, dass die Sparvorgaben beim Sachaufwand deutlich übertroffen wurden.
Wo einem so viel Gutes wird beschert, war das Kämmerer Klieve einen Ausblick auf ein Szenario wert, das so in den vergangenen Jahren, besser: Jahrzehnten niemand für möglich gehalten hätte. Wenn nämlich der drastische Sparkurs weiter verfolgt und das Mehr an Einnahmen nicht prompt wieder verfrühstückt wird, wenn die Konjunktur so brummt wie vorhergesagt und die Einnahmen nicht wegbrechen, wenn die Zinsausgaben nicht über den ohnehin geplanten Anstieg hinaus weiter in die Höhe schnellen, und wenn der geplante Entschuldungsfonds des Landes NRW hält, was sie sich im Rathaus am Porscheplatz insgeheim davon versprechen, dann, ja, dann kriegt Essen finanziell tatsächlich die Kurve – und präsentiert fürs Jahr 2015 zum ersten Mal seit dann etwa drei Jahrzehnten einen in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Etat. Ach was: Es blieben sogar noch 7,6 Millionen Euro übrig, wie Kämmerer Klieve in seiner gestrigen Computer-Präsentation an die gleiche Leinwand malte, wo im März 2010 noch Schreckenszahlen flimmerten.
„Es hat sich gelohnt“
Für Oberbürgermeister Reinhard Paß waren die Zahlen gestern „deutliches Zeichen dafür, dass die Anstrengungen sich gelohnt haben“. Und die Sorge, wo einem gestern noch das Wasser bis zum Hals stand, könnte die Politik das optimistische Kommando „Land in Sicht“ zu großspurigen Plänen verleiten, erwies sich zumindest gestern als unbegründet: Durch die Bank betonten alle Parteien, vom schmerzhaften Sparkurs nicht lassen zu wollen, wobei CDU und Co. sich manches als eigenen Erfolg anheften konnten und die SPD eher kleinlaut die Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit ankündigte.
Nein „keine Euphorie jetzt“, mahnten Grüne und Bürger Bündnis, wenngleich alle Beteiligten mit der gedämpften Feierlaune auch ein bisschen in Redelaune verfielen, wie selbst die Linken selbstkritisch einräumten. Die CDU etwa deutete schon die Hoffnung auf ein beitragsfreies Kindergartenjahr an, pfiff sich aber selbst zurück: Bis dahin werde es noch „viele Zumutungen“ geben.
14:55
Ja das ist ein Test
13:44
Der Artikel wirft schon 2x2 Dinge in einem Topf.
Die Stadt spart eben 2010 nicht 122,4 Mill. € ein (siehe erste Zeile des Artikels), der Fehlbetrag wird um diese Summe kleiner, weil sich die Steuereinnahmen um ca. 70 Mill. € erhöhen und zusätzliche Einsparung demnach um ca 50 Mill. € möglich waren.
Man fragt sich als Leser aber weiterhin, wie hoch sind Einnahmen und Ausgaben verbunden mit dem Defizit, was waren die ursprüngliche Annahme.
Weiter gehts. Wie kommt man dann in 2015 zu einem positiven Haushalt?
Statt eines Filmes könnte man einfach ein paar Tabellen hinterlegen.
13:36
@5 von DerNachdenker
Haben Sie mal mitgezählt, wie oft schon ausgeglichene Haushalte in 3 bis 4 Jahren angekündigt wurden?
Ich habe noch keinen erlebt.
Dass es sich bei meinem Beitrag um eine polemische Zuspitzung handelt, haben Sie doch hoffentlich gemerkt.
Und das man die finanzielle Entwicklung eines Jahres nicht für die nächsten Jahre hochrechnen kann, sollte doch nicht schwer zu verstehen sein. Wenn man die gleiche Rechnung vor ein paar Monaten aufgestellt hätte, wäre für 2015 wahrscheinlich die Insolvenz vorhergesagt worden.
Und in ein paar Monaten kann die ganze Sache schon wieder ganz anders aussehen.
Aber das ist wahrscheinlich wieder alles nur Bullshit.
13:07
@ #4 von dr.einnstein , am 19.01.2011 um 09:30
So einen Bulshit habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Der Artikel ist (oh Wunder) einwandfrei.
Die Stadtoberen sollten sich jetzt wohl mal bei der Aufsichtsbehörde entschuldigen und bedanken... :-)
09:30
Ich hätte da auch eine Rechnung.
Vor einem Monat hatten wir 5 Grad.Minus
Heute sind es schon 3 Grad Plus
Das ist eine Steigerung um 8 Grad
In zwei Monaten werden schon 19 Grad Plus haben, im April 27, im Mai schon 35.
Bescheuert?
Ja, aber die Rechnung in dem Artikel ist auch nicht besser.
09:01
Warum war das in den letzten 30 Jahren nicht möglich?
08:49
Schwarze Zahlen kannst du schreiben, wenn deine Gewinn- und Verlustrechnung (u.a. Tilgung, Zinsen) positiv ist. Schulden sind also durchaus möglich und trotzdem stimmt die Aussage.
Ich seh hier keine Widersprüche
06:39
Schreibt man schwarze Zahlen, wenn man SCHULDENFREI ist, oder schon wenn man keine neuen mehr anhäuft? Knapp 1,5 Milliarden in 3 Jahren Tilgen inkl. Zinsen? Wer liegt falsch? WAZ oder Klieve