Ruhrlights - Wider den Bann der Zeit
31.08.2010 | 13:52 Uhr 2010-08-31T13:52:00+0200
Essen.Christoph Hildebrand bringt am Baldeneysee die Zeit zum Fließen. „Time“ heißt das Kunstwerk im Rahmen des Projekts „Ruhrlights: Twilight Zone“. Darin setzt der Künstler 20 leuchtende Uhren auf den Regattaturm.
Zur Stoppuhr hat Christoph Hildebrand ein zwiespältiges Verhältnis. Der Vater trieb ihn zu sportlichen Höchstleistungen. Zuwendungen wurden mit Zehntel-Sekunden verrechnet. Als Künstler hat der Vize-Weltmeister im Orientierungslauf das Ausrichten der Welt an der Zeit als Thema nie aus den Augen verloren. Uhren tauchen als neonleuchtende „Icons“ in seinen Objekten immer wieder auf. Nun bringt der 51-jährige Essener im Rahmen der ruhrgebietsweiten Lichtkunstausstellung „Ruhrlights: Twilight Zone“ die Zeitläufe am Baldeneysee durcheinander.
Fließende
Zeit
„Dort, wo mit Zeitmessern über Gewinner und Verlierer von Regatten entschieden wird“, wie Hildebrand betont, setzt der Künstler 20 leuchtende Uhren auf den Regattaturm. Jede Uhr läuft in einem anderen, sich fortlaufend ändernden Tempo. Ein dahinschleichender Minutenzeiger dreht sich so neben einem rasend rotierenden Stundenzeiger einer benachbarten Uhr. Wichtig ist Hildebrand, dass alle Zeiger nicht von Ziffer zu Ziffer springen, sondern sich kontinuierlich im Sinne einer fließenden Zeit bewegen. „Ich bin erstmal gegen die Zeit“, lacht Hildebrand.
Ursprünglich wollte ihn die „Ruhrlights“-Projektverantwortliche Söke Dinkla dazu drängen, den Regattaturm irgendwie zu illuminieren. Doch davon habe er schnell Abstand genommen: „Der ist ja von Innen total verbaut.“ Was hätte das auch geben sollen? Ein Gegenstück zum seit kurzem dezent bunt beleuchteten Stauwehr? Stattdessen beschäftigte er sich bei seinem Entwurf mit der Funktion des Gebäudes auf die zeitlichen Abläufe im Ruhrtal und auf die kulturgeschichtliche Bedeutung der Zeit. Zum Beispiel, dass die industrielle Produktion nur bei zeitlich perfekt aufeinander abgestimmten Abläufen funktionieren kann. Oder: Dass sich im Umbruch des Ruhrgebietes die Zeitläufe ändern.
Subjektives
Zeitempfinden
Aber im Mittelpunkt steht die subjektive Zeiterfahrung. „Zeit wird von jedem anders wahrgenommen“, sagt Hildebrand, wohlwissend, dass dies ein Allgemeinplatz ist. Bei ihm soll die Zeit jedoch regelrecht beseelt sein: Die Uhren stellt er sich als Individuen vor, die der eigenen widernatürlichen Zeit und Dramaturgie folgen. In den aufwändig gebauten und computergesteuerten Uhren trifft die Erwartung von Konformität und Präzision auf Individualität.
Letztlich spiegelt das Kunstwerk aber auch ganz profan die Nutzung des Baldeneysees wider: Während Sportler möglichst zügig das Gewässer umrunden möchten, wollen Erholungssuchende das Leben hier entschleunigen. Es gehört zur Logik der Zeit, dass sich die Schnellen langsame Zeiger und die Langsamen schnelle Zeiger wünschen.
Das Werk mit dem Titel „Time“ wird am kommenden Samstag, 4. September, um 20.15 Uhr im Rahmen des Seefestes mit Grußworten von Oberbürgermeister Reinhard Paß und Ruhr2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen eingeweiht. Der Essener Klangkünstler Frank Niehusmann spielt dazu eine Eröffnungsperformance. Bis zum 26. September soll es zu jeder vollen Stunde eine rund zweiminütige „Klangintervention“ geben – gemessen nach „Normalzeit“.
21:25
.....ähm: die Kosten fallen nicht auf den Steuerzahler zurück, sondern werden von Sponsoren übernommen.
12:23
...und das nennt man dann Kunst.
Wieviel Blödsinn darf eigentlich noch im Schlepptau dieses Kulturhauptstadtjahres dem einfachen Ruhrie als Kunst angedreht werden ?
Ich bin einfach nur noch fassungslos, ob der wahnsinnigen Dinge, die sich da entwickeln.
Nun also leuchtende Uhren auf dem Regattaturm.
Das einzige was da verrint, ist die schöne Kohle, die die Steuerzahler mühsam verdienen mussten, damit die nun so verplempert, verbraten, verschleudert wird.
Wer stoppt diesen Kultur-Wahnsinn endlich ?