Das aktuelle Wetter Essen 19°C
Frauenfußball-WM

Japaner feiern Sieg gegen Deutschland auf Burgplatz in Essen

10.07.2011 | 17:42 Uhr

Essen.   1300 Fußballfans auf dem Burgplatz erlebten am Samstag den Niedergang der WM-Kickerinnen. Nach dem Abpfiff kullerten zahlreicheTränen. Grund zur Freude hatten jedoch fünf anwesende japanische Fans. Sie konnten ihre Mannschaft feiern.

„Deutschland!“, grölte manch Fußballfan bis in den späten Samstagabend über den Burgplatz. Ab­er alles Anfeuern sollte am Ende nichts nützen: Die Japanerin Karina Maruyama erzielte in der 108. Spielminute das entscheidende Tor ge­gen die deutschen WM-Frauen. Was im ausverkauften Stadion in Wolfsburg Fassungslosigkeit auslöste, hinterließ auf dem Essener Burgplatz sichtbare Spuren: etwa in Gestalt von Kuller-Tränen . Das Hoffen der deutschen Fans auf den Ausgleich half nichts – zur großen Freude fünf japanischer Fans, die es sich in der ersten Reihe vor der großen Showbühne gemütlich machten.

Jubel für Japan

Aus gegen Japan

Kaum ist das Spiel abgepfiffen, springt ein Fan der Asiatinnen plötzlich auf und breitet ei­ne große Japanflagge aus. „Ja, Ja, Japan, endlich“, ruft er laut üb­er den Platz und führt ei­nen Freudentanz auf. Die laut Veranstalter 1300 deutschen Fans staunen nicht schlecht, kommen aber aus der Schockstarre erst einmal nicht heraus. „Die Japanerinnen haben zu viel gefoult“, gibt Kim aus Dortmund dennoch zu. Doch das entscheidende Tor hat der 21-Jährigen gut gefallen. Ihr gleichaltriger Freund Sui aus Herne meint, dass die deutsche Elf besser gespielt hat. „Das Team hätte den Sieg eher verdient.“ Sorge, mit der Japanflagge auf den Platz zu kommen, wo fast nur Fans der deutschen Kickerinnen feiern, hatte er nicht: „Die haben uns bei der Kontrolle schließlich durch gelassen. Im Ruhrgebiet ist gemeinsames Feiern kein Problem.“

Unter den zahlreichen Fans tummeln sich neben CDU-Vizeparteichefin Susanne Asche und Hiltrud Schmutzler-Jäger, die den Grünen im Rat vorsitzt, Essens Umweltdezernentin Simone Raskob. Sie ist mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden: „Ich bin sehr enttäuscht. Unsere WM-Frauen haben mit angezogener Handbremse gespielt.“ Sie hätten viel zu taktisch gespielt. „Bundestrainerin Siliva Neid hätte nach der 60. Minute auf Risiko setzen müssen“, sagt Raskob.

Mürrisch wegen des Ergebnisses schlendern die Essenerinnen Jana (16) und Christina (17) über den Platz. „An manchen Stellen waren die Japanerinnen zu stark“, sagt Jana. Sie hat gehofft, dass sie die Deutschen mit einem 2:0 eine Runde weiter und später ins Finale einziehen sehen zu können.

Schluss mit Public Viewing

Foto: Pascal Hesse

„Nicht zu Hause“ soll Ruhrbischof Franz-Josef-Overbeck gewesen sein, als die Fans auf dem Burgplatz mit den Frauen fieberten. Er hatte sich Anfang Juni bei Oberbürgermeister beklagt , da er wohl als Anwohner des Burgplatzes nicht zeitig übers Public Viewing informiert worden sei, wie andere Anrainer. Bistumssprecher Ulrich Lota will dies nicht bestätigen, der Streit sei beigelegt: „Das Problem wurde geklärt, dabei wollen wir es belassen.“ Keine Veranstaltung auf dem Burgplatz sei bisher daran gescheitert, dass der Bischof sie nicht wollte. „Er hat nichts ge­gen Frauenfußball, Fans und Public Viewing“, sagt Lota.

Foto: Pascal Hesse

Sei’s drum. Nun ist die WM für die deutschen Kickerinnen gelaufen und Overbeck kann wieder ungestört Gottesdienste feiern, wenn die Showbühne abgebaut ist. Doch das soll noch bis Samstag dauern. „Mit dem Aus für die Deutschen ist aber Schluss mit Public Viewing“, sagt Tobias Heyne von der Ag­entur TAS, die „Elf Freundinnen“ auf dem Burgplatz organisierte. Die Bühne wird nach dem kommenden Wochenende weichen, da sie noch für ein Event der städtischen Grundstücksverwaltung benötigt wird.

Es war einmal kein Sommermärchen...

Pascal Hesse


Kommentare
11.07.2011
13:55
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.07.2011
13:54
Es war einmal kein Sommermärchen
von EbbesRache | #5

Das mit der Taktik und dem tollen Passspiel ist natürlich totaler Unfug.
Wer es ernst meint mit dem Frauenfussball, wem es um Sport und nicht um irgendwelche Politanhängsel geht, der kommt nicht umhin, die Defizite aufzudecken und an den offensichtlichen Schwächen zu arbeiten. Und die liegen ganz eindeutig dort, wo komisch66 die Stärken zu sehen glaubt.
Die Niederlage an sich ist doch echt nicht tragisch. Dieses Turnier ist ein Zeichen für die enorme Entwicklung, die der Frauenfußball international genommen hat, wenn man den Vergleich zu früheren Turnieren zieht. Neuen Teams wie Japan oder Frankreich gelingt der Vorstoß ins Halbfinale, keine Mannschaft kriegt mehr so richtig die Bude voll und USA-BRA war gestern ein Spiel, das zwar auch nicht unbedingt ein Augenschmaus war, aber von einer großen Dramatik lebte, die ich bei einem Frauenspiel so noch nicht gesehen habe.
Mal ehrlich: wir hatten uns doch an die leichten Siege gegen schwache Gegner schon gewöhnt, da ist die Japan-Pleite eher förderlich für die Entwicklung hierzulande.
Diese wird natürlich nicht einsetzen, wenn man jetzt weiterhin alles supi findet.
Die Anderen haben aufgeholt. Wir müssen es in Zukunft besser machen, statt die Truppe weiter hochzujazzen.
Von den 4 Turnierspielen sind alle engagiert geführt worden, aber in jedem Spiel wurden Schwächen offenbar: gegen Kanada das Nervenkostüm nach dem Anschlusstor, gegen Nigeria die mangelnde Laufbereitschaft und daraus resultierende, von den Nigerianerinnen überhart geführte Zweikämpfe, gegen Frankreich die Schlafmützigkeit bei Standards und gegen Japan, ähnlich wie schon gegen Nigeria, mangelnde Präzision und Sicherheit in der Ballbehandlung.
Wer das nicht sieht, der hat m E Tomaten auf den Augen, oder er will es nicht sehen...

11.07.2011
12:40
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.07.2011
10:35
Es war einmal kein Sommermärchen
von Komisch66 | #3

Ich möchte mich trotz der Niderlage bei der Frauennationalmannschaft bedanken.
Es wurden super Spiele gezeigt, die technisch und kämpferisch auf allerhöchsten Niveau waren. Ballannahme, Passspiel, Torabschlüsse aber auch Taktik waren oftmals ein wahrer Auhenschmauß.
Hier kann sich so mancher männlicher Profi eine gehörige Portion abschneiden.
Die Mannschaft hat Deutschland geradezu verzaubert. Na ja, zu Weltmeister(innen) hat es diesmal nicht gereicht, aber die Frauen haben gezeigt, dass sie nicht nur sympathisch sind und super aussehen, sondern auch echte Fussballstars, die den ganz großen Wurf eben verpasst haben.
Kopf hoch, es geht weiter...

10.07.2011
20:28
Es war einmal kein Sommermärchen
von luca1701 | #2

Endlich ist dieses s.g. Sommermärchen beendet

10.07.2011
19:51
Es war einmal kein Sommermärchen
von dergutepott | #1

Endlich ist dieser, gemessen am realen Leben völlig unangemessene Spuk vorbei.
Ich bin mal gespannt ob und wie man den guten Herrn 20er nach den 22 Mio.€ an Werbeausgaben befragen wird.
Und Mädels...., jetzt hopp hopp, zurück in die .....!

Aus dem Ressort
Schon wieder ein Aufruf zum Anschlag
Polizeipräsenz
Nachricht auf Facebook rief Donnerstag Abend zum Angriff auf die Alte Synagoge auf. Die Essener Polizei nahm vier verdächtige Männer fest. Schutzmaßnahmen bleiben bestehen.
Patientenakten einer Praxis im Bochumer Altpapier gefunden
Datenschutz
Brisanter Fund auf dem Wertstoffhof der USB-Zentraldeponie in Bochum, nachdem eine Entsorgungsfirma die Praxis eines 39-jährigen Neurologen leergeräumt hat: Ein aufmerksamer WAZ-Leser hat etliche Patientenakten einer Essener Psychiatrie-Praxis in einem Altpapiercontainer entdeckt.
Nachbarn fühlen sich von Nackten auf der Straße belästigt
Polizei
Nackt-Alarm für die Polizei in Essen: Die Beamten wurden von Anwohnern der Altenessener Straße gerufen, weil fünf Personen splitterfasernackt auf der Straße herumliefen. Die Gemüter waren so erhitzt, dass es zum handfesten Streit kam.
Mit Baseballschläger auf Raucher vor der Kneipe eingeprügelt
Prozess
Die lachenden Raucher vor der Kneipe störten den 23-Jährigen, der um den Schlaf seines zwei Monate alten Sohnes fürchtete. Da bewaffnete er sich mit einem Baseballschläger und prügelte auf sie ein. Weil sein Kumpel mit einem Messer zugestochen haben soll, geht es vor Gericht um versuchten Totschlag.
Reporter verlässt Glaskasten früher - Psychologe rät dazu
ProSieben
"Lethargie. Müdigkeit. Schwäche. Kein positives Gefühl ist mehr übrig." So hatte der Reporter im Glaskasten seinen Zustand bereits am Dienstag beschrieben. Nun beendet ProSieben das Experiment früher als geplant. Und die Polizei berichtet Details der Messerstecherei unweit des Containers.
Umfrage

Wo urlaubt Essen? Wohin zieht es Sie dieses Jahr in den Sommerferien?

 
Fotos und Videos
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Tief hinab ins Pumpwerk
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Stromhandel zeigt sich
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Das Univiertel, Essen Grüne Mitte
Bildgalerie
100 Orte